Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

11.11.2022

16:51

Umstrittener Financier

Razzien bei Investor Florian Fritsch in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz

Von: Jakob Blume, Kevin Knitterscheidt, Lars-Marten Nagel

Behörden in mehreren Ländern haben mehrere Liegenschaften des Start-up-Investors durchsucht. Ihm werden Betrug und Geldwäsche vorgeworfen.

Seit Jahren beschäftigen Konflikte des Investors mit seinen Geschäftspartnern die deutschen Gerichte. Nun ermitteln auch Behörden in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz. Wikipedia

Florian Fritsch

Seit Jahren beschäftigen Konflikte des Investors mit seinen Geschäftspartnern die deutschen Gerichte. Nun ermitteln auch Behörden in Liechtenstein, Österreich und der Schweiz.

Düsseldorf, Zürich, Berlin Razzia bei Investor Florian Fritsch: Staatsanwaltschaften in Österreich, Liechtenstein und der Schweiz haben Geschäfts- und Privaträume des deutschen Unternehmers und Vermögensverwalters in drei Ländern durchsucht.

Die Ermittler gehen dem Verdacht des schweren Betrugs, der Untreue und Geldwäsche nach, wie die Staatsanwaltschaft in Liechtenstein der Nachrichtenagentur Bloomberg am Donnerstag bestätigte. Wie Bloomberg weiter berichtet, fanden die Durchsuchungen bereits am 26. Oktober statt.

Nach Handelsblatt-Informationen ermitteln die Behörden nicht nur gegen Fritsch, sondern auch gegen mindestens vier weitere Beschuldigte. Sie nahmen am Firmensitz des auf Private-Equity-Investments spezialisierten Vermögensverwalters Fritsch & Co. in Vaduz sowie an weiteren Standorten Unterlagen, Computer und Mobiltelefone mit, wie mit den Vorgängen vertraute Personen berichteten. Zudem sind die Konten von Fritsch eingefroren.

Fritsch hatte sich als früher Investor bei erfolgreichen Tech-Unternehmen einen Namen gemacht, etwa indirekt durch Engagements beim Lieferdienst Delivery Hero oder beim auf die Vernetzung von Maschinen spezialisierten Unternehmen Relayr.

Stockende Sanierung

Nach Handelsblatt-Recherchen beschäftigt das Geschäftsgebaren von Fritsch jedoch seit bald 15 Jahren deutsche Gerichte. Frühere Partner werfen dem Unternehmer unter anderem Unterschlagung und Untreue vor. Die Vorwürfe zwangen Fritsch beispielsweise, sein Engagement beim Börsenmantel GFJ ESG zu beenden. Zusammen mit Ex-Klöckner-Chef Gisbert Rühl und Relayr-Gründer Josef Brunner wollte er ursprünglich den Thermostathersteller Tado an die Börse bringen.

Auch in Liechtenstein waren ehemalige Geschäftspartner gegen Fritsch vorgegangen: So hatte ein liechtensteinischer Anwalt im Namen von zwei Großgläubigern Arrestbeschlüsse in mittlerer zweistelliger Millionenhöhe über Konten von Fritsch erwirkt. Der beschuldigte Investor bestätigte im August, es bestünden „Differenzen über die Höhe und die Fälligkeit von Investments. Bei einer Partei habe ich Gegenforderungen in vergleichbarer Höhe.“

Internationale Bekanntheit erlangte Fritsch durch den Einstieg seiner Investmentfirma Kalrock bei der indischen Fluggesellschaft Jet Airways, die in finanzielle Schieflage geraten war und 2019 Insolvenz anmelden musste. Partner bei dem Deal ist Murari Lal Jalan, ein Geschäftsmann aus Dubai.

Zuletzt war der Sanierungsversuch ins Stocken geraten, weil die Airline nicht über ausreichende Finanzmittel verfügt, um neue Flugzeuge zu bestellen. Ursprünglich sollte der Flugbetrieb im März 2022 wieder aufgenommen werden, doch Berichten zufolge fand das Unternehmen bislang keine Kreditgeber.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×