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09.05.2019

07:02

Unkrautvernichter Roundup

Anklage fordert von Bayer im dritten Glyphosat-Prozess eine Milliarde Dollar Schadenersatz

Von: Katharina Kort, Bert Fröndhoff

Die Bayer-Tochter Monsanto soll Gesundheitsrisiken verschwiegen und wissenschaftliche Studien „manipuliert“ haben. Nun muss die Jury entscheiden.

Glyphosat-Prozess: Anklage fordert von Bayer Milliardenstrafe dpa

Glyphosat-Prozess gegen Bayer-Tochter Monsanto

Monsanto soll laut einem Klägeranwalt wissenschaftliche Studien „manipuliert und fabriziert“ haben.

New York, DüsseldorfDie Klägeranwälte im dritten Prozess um das glyphosathaltige Mittel Roundup haben die Jury aufgefordert, den Monsanto-Käufer Bayer mit einer Milliarde Dollar (890 Millionen Euro) zu bestrafen. Das wäre deutlich mehr als die 159 Millionen Dollar, zu denen Bayer in den ersten beiden Prozessen verurteilt wurde.

„Das ist eine Zahl, die die Dinge ändert“, sagte der Anwalt Brent Wisner in seinem Abschlussplädoyer am Mittwoch (Ortszeit) in Alameda in Nord-Kalifornien. Er wirft Monsanto, das heute zu Bayer gehört, vor, wissenschaftliche Studien „manipuliert und fabriziert“ zu haben.

Wisner vertritt das Ehepaar Alberta und Alva Pilliod, die beide über 70 Jahre alt und an verschiedenen Typen von Lymphdrüsenkrebs erkrankt sind. Sie machen dafür das Glyphosat-Mittel Roundup verantwortlich, das sie jahrzehntelang auf ihrem privaten Anwesen intensiv zur Unkrautbeseitigung eingesetzt haben.

Die Jury muss nun in den kommenden Tagen entscheiden, ob sie Bayer schuldig spricht. Dabei reicht es, dass sich neun der zwölf Geschworenen einig sind.

Monsanto gehört seit Juni 2018 zur Bayer AG, die nach der Übernahme auch die Rechtsrisiken des US-Konzerns tragen muss. Glyphosat ist Hauptwirkstoff in dem Monsanto-Produkt Roundup und steht im Verdacht, krebserregend zu sein.

Die beiden ersten Verfahren im August 2018 und März 2019 haben die Unternehmen verloren. Monsanto wurde jeweils zu rund 80 Millionen Euro Schadenersatz verurteilt. Die mit Laien besetzten Jurys sahen es in beiden Fällen als erwiesen an, dass Glyphosat für die Krebserkrankung der jeweiligen Kläger mitverantwortlich ist. Sie warfen Monsanto zudem vor, die Risiken bewusst verschwiegen zu haben.

Glyphosat-Prozesse: Einblicke in einen Gerichtsthriller: Bayer und die Milliardenfalle Glyphosat

Glyphosat-Prozesse

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Bayer hat sich bei den Gerichtsprozessen in den USA deutlich verschätzt. Doch statt um Sympathie zu werben, tritt der Leverkusener Konzern überheblich auf.

Bayer hat nach den Urteilen mehr als 30 Prozent an Börsenwert verloren, weil die Anleger Rechtskosten in Milliardenhöhe fürchten. Am Stichtag 11. April waren mehr als 13.200 Klagen wegen einer möglichen Krebsgefahr von Glyphosat vor amerikanischen Gerichten anhängig. Die Zahl dürfte seither weiter gestiegen sein.

Ende April hatten die Aktionäre von Bayer ihrer Wut über den massiven Kursverlust auf der Hauptversammlung Luft gemacht: Sie stimmten mehrheitlich gegen die Entlastung des Vorstands und entzogen ihm damit das Vertrauen. Wie das Management und der Aufsichtsrat auf diesen Vorfall reagieren wollen, ist noch offen.

Die Investoren verlangen keinen Managementwechsel, sehen aber Defizite im Aufsichtsrat, weil dort ihrer Ansicht nach bislang kein ausgewiesener Kenner des Agrochemiegeschäfts vertreten ist. Diese Kritik wurde auf der Hauptversammlung deutlich.

Die Fondsgesellschaft der Sparkassen, Deka, macht nun Druck in diese Richtung und fordert, dass schnellstmöglich Experten für US-Recht und fürs Landwirtschaftsgeschäft in das Kontrollgremium einziehen. „Bis zur nächsten Hauptversammlung können wir damit nicht warten“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Deka, der FAZ.

Für Bayer ist der dritte Prozess enorm wichtig. Eine erneute Verurteilung von Monsanto dürfte den Druck auf die Bayer-Führung unter CEO Werner Baumann auf jeden Fall erhöhen. Je mehr Verfahren die Deutschen verlieren, desto schwächer wird ihre Position im gesamten Glyphosat-Rechtskomplex und desto wahrscheinlicher werden außergerichtliche Vergleiche mit den Klägern, die Milliarden kosten könnten.

Kommentare (4)

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Herr Michael Müller

09.05.2019, 08:05 Uhr

Die Übernahme von Monsanto erfolgte nur deshalb, da einige staatliche US-Institutionen die Unbedenklichkeit bzgl. der krebserzeugenden Wirkung von RoundUp bestätigten. Ohne diese Bestätigungen wäre die Übernahme niemals zu Stande gekommen!

Meiner Ansicht nach wurde Bayer vorsätzlich mit falschen Informationen „über den Tisch“ gezogen! Das erinnert an die von US-Banken ausgelöste Subprime-Krise!

Herr Andre Peter

09.05.2019, 09:02 Uhr

@Herr Michael Müller
Vernünftiger Gedanke!
Die Deutsche Bank musste für die Verfehlungen, die eine von ihr übernommene amerikanische Bank beging, 7 Milliarden Strafe zahlen....
Die Münchner Rück übernahm 2000 die American Re, die die world trade center versicherte von KKR für 6 Milliarden. Ein halbes Jahr zuvor kaufte KKR American Re für 600 Mio.... dann gab es 2001 den Großschaden - und die Münchner Rück wurde zur 2 maligen Zahlung der maximalen Deckungssumme verurteilt, da es ZWEI Anschläge waren und nicht einer. Da waren vom deutschen Lebensversicherten gleich mal 50 Milliarden weg....
Daimler - Chrysler ....
Subrime Krise .....
Irgendwie scheinen unsere amerikanischen Freunde nicht immer gute Geschäftspartner zu sein.

Statt der CO2 Steuer sollten wir eine Amerika-Steuer einführen, damit es der Gesellschaft bewusst wird, dass sehr, sehr, sehr viel Geld über den Teich fließt ohne Gegenleistung.

Herr Lothar Bitschnau

09.05.2019, 13:06 Uhr

Schließe mich den Kommentatoren an
Dieses Muster betrifft für mich auch Thyssen mit seinem Stahlwerk und insbesondere den VW Konzern mit mehr als 20 Mrd. Strafen und „Schadenskompensation“ für ca. 500.000 Dieselfahrzeuge. Hätten andere Länder nur ein Fünftel dessen verlangt, hätte dies das Unternehmen wahrscheinlich nicht überlebt.

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