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26.11.2018

23:22

US-Autobauer

Mary Barra baut GM drastisch um – mehr als 10.000 Jobs werden gestrichen

Von: Astrid Dörner

Die Konzernchefin will den Autobauer fit für die Zukunft machen. Das hat massive Konsequenzen für Werke und Mitarbeiter. Anleger begrüßen den Plan.

General Motors streicht mehr als 10.000 Stellen in Nordamerika Reuters

GM-Produktion in Lake Orion

Der Konzern will sich auf elektrifizierte und selbstfahrende Autos umstellen.

New YorkMary Barra bereitet General Motors (GM) auf schlechte Zeiten vor. Die Chefin des größten US-Autobauers verkündete am Montag einen umfassenden Restrukturierungsplan, bei dem sie insgesamt sechs Milliarden Dollar einsparen will. 15 Prozent der Stellen in Nordamerika will Barra streichen, darunter auch jeden vierten Führungsjob. US-Medienberichten zufolge sind mehr als 10.000 Arbeitsplätze betroffen.

Die GM-Chefin führt damit den konsequenten Umbau des Autokonzerns fort. Barra, die seit fast fünf Jahren im Amt ist, trat damals an, um das traditionsreiche Unternehmen bereit für die Zukunft zu machen. Sie investierte in Elektrofahrzeuge und selbstfahrende Autos. Auch ein Elektro-Fahrrad wird GM produzieren.

Gleichzeitig muss sich Barra von schwachen Bereichen trennen, auch wenn sie dafür Kämpfe mit der Gewerkschaft austragen muss.

Seit Jahren kaufen amerikanische Kunden vor allem SUVs und Pick-up-Trucks statt Limousinen und Kleinwagen. GM hat länger als andere Autobauer noch an kleineren Modell festgehalten, doch damit ist jetzt Schluss.

Amerikas größter Autokonzern wird sich von mehreren erfolglosen Modellen verabschieden, darunter dem Chevrolet Cruze, dem Cadillac CT6 und dem Buick LaCrosse. Drei Montage- und zwei Antriebswerke werden im kommenden Jahr in Nordamerika geschlossen. Ein Montagewerk liegt in Kanada, die anderen Werke befinden sich in den US-Bundesstaaten Michigan, Ohio und Maryland.

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Mary Barra richtet den größten Autokonzern mit brutaler Konsequenz auf die Zukunft aus. Bisher ging ihre Rechnung auf – dann kam Donald Trump.

Zudem sollen auch zwei Werke außerhalb Nordamerikas geschlossen werden, hieß es in einer Mitteilung. Welche, ließ GM jedoch offen. „Wir passen die Kapazität der Realität am Markt an“, stellte Barra in Detroit klar. „Und wir gehen diese Schritte, solange das Unternehmen und die Wirtschaft stark sind.“

Barra, die ihre Karriere bei dem Autobauer gemacht hat, kann sich noch gut an die schwere Krise 2008 erinnern, als sich GM nur in einem staatlich orchestrierten Insolvenzverfahren mit Steuerzahlergeld retten konnte. Der Konzern hatte es damals versäumt, auf die Bedürfnisse der Kunden einzugehen und unrentable Werke zu schließen. So etwas soll nicht noch einmal passieren.

Die Aktionäre begrüßten Barras Plan. Das Papier von GM schoss am Montag um sieben Prozent in die Höhe. „Dies ist nicht das alte GM“, lobte der frühere Konzernchef Bob Lutz im Börsensender CNBC. „Wir sehen heute ein Management, das schnell agiert und sich der Realität anpasst.“

Mit ihrem Plan zog Barra jedoch den Zorn von US-Präsident Donald Trump auf sich. Er habe am Sonntag mit Barra telefoniert und sie aufgefordert, Produktion aus China abzuziehen und lieber ein neues Werk in Ohio zu eröffnen. „Sie sollten lieber schleunigst dort ein Werk aufmachen“, sagte Trump am Montag in einem Interview mit dem „Wall Street Journal“. Am Nachmittag traf Barra im Weißen Haus mit Trumps ökonomischem Berater Larry Kudlow zusammen.

Gewerkschaften kündigen Widerstand an

Barra hatte die Mitarbeiter bereits im Oktober auf harte Einschnitte eingestimmt. Damals hatte GM 50.000 Beschäftigten in Nordamerika ein Abfindungspaket angeboten. Analysten kritisieren schon länger, dass der Autobauer zu viele Werke in Nordamerika betreibt. Für die ersten neun Monate des Jahres meldete GM einen negativen Cashflow. Der Konzern leidet auch unter dem Handelskrieg. Höhere Zölle haben die Materialkosten für GM um eine Milliarde Dollar steigen lassen.

Auch Ford und Fiat-Chrysler haben bereits ihre Kapazitäten reduziert. Die Absatzzahlen sind in den USA im vergangenen Jahr zurückgegangen, Gleiches wird auch für 2018 erwartet.

Barra muss sich bei ihren Kürzungsplänen jedoch auf Widerstand einstellen. „Diese Entscheidung wird nicht unangefochten bleiben“, kündigte die amerikanische Autogewerkschaft UAW an. Ähnlich äußerte sich die Autogewerkschaft Unifor aus Kanada.

Auch der kanadische Premierminister Justin Trudeau, den Barra zuvor informiert hatte, sei „tief enttäuscht“. Für die Wirtschaftsförderung der Stadt Detroit, in der GMs Zentrale steht und in der auch ein Werk geschlossen werden soll, sind die Kürzungen ebenfalls ein deutlicher Rückschlag.

Kommentare (1)

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Herr Axel Schilling

27.11.2018, 09:35 Uhr

Wenigstens gilt auch hier: America first 🤑

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