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28.06.2022

12:30

US-Ladestationsnetz

Volkswagen findet deutschen Investor für seine US-Ladesäulen

Von: Stefan Menzel

Mit Electrify America besitzt der Volkswagen-Konzern ein eigenes Ladenetz in den USA. Nun gibt ein großer Dax-Konzern Geld für den Ausbau der Infrastruktur dazu.

Ein Volkswagen ID.4 in Kalifornien: Als einer der wenigen Autohersteller besitzt Volkswagen ein eigenes Ladenetz in den USA. Bloomberg

Mit Electrify America baut Volkswagen sein Ladenetz in den USA aus

Ein Volkswagen ID.4 in Kalifornien: Als einer der wenigen Autohersteller besitzt Volkswagen ein eigenes Ladenetz in den USA.

Düsseldorf Volkswagen gewinnt für seine amerikanische Ladenetztochter Electrify America den ersten externen Investor. Wie der Wolfsburger Autohersteller am Dienstag mitteilte, steigt der Industriekonzern Siemens bei der VW-Ladetochter ein. Demnach beteiligt sich das Münchener Unternehmen mit einem dreistelligen Millionenbetrag an Electrify America.

Dass Volkswagen mit seiner recht jungen US-Tochter deutlich schneller als die meisten anderen Autohersteller über ein eigenes Ladenetz in den Vereinigten Staaten verfügen kann, geht auf die Folgen des Dieselskandals zurück. In einer Vereinbarung mit den US-Justizbehörden verpflichtete sich der Autokonzern vor fünf Jahren dazu, als Ausgleich für den Dieselschaden einen niedrigen einstelligen Milliardenbetrag in den Aufbau eines Ladenetzes zu investieren. Was damals als Strafe gedacht war, entpuppt sich nun als Wettbewerbsvorteil für Volkswagen.

Der VW-Konzern hatte bereits im vergangenen Jahr angekündigt, dass die Suche nach zusätzlichen Investoren für Electrify America begonnen habe. Mit Siemens ist den Wolfsburgern demnach jetzt der erste größere Erfolg bei dieser Investorensuche gelungen. Volkswagen hat immer wieder auf die immensen Kosten hingewiesen, die mit dem Aufbau der Ladeinfrastruktur verbunden sind. Auch in Europa operiert der VW-Konzern deshalb mit Partnern, um nicht alles selbst finanzieren zu müssen.

Gemeinsam mit Siemens beteiligt sich Volkswagen jetzt auch noch einmal selbst an der aktuellen Finanzierungsrunde für Electrify America. Beide Unternehmen stecken zusammen 450 Millionen US-Dollar in die amerikanische Ladetochter von Volkswagen. Der Siemens-Konzern bekommt für sein finanzielles Engagement zudem einen Sitz im Verwaltungsrat von Electrify America. Beide Unternehmen äußerten sich nicht dazu, wie genau sie die Finanzierungssumme von 450 Millionen Dollar unter sich aufteilen. Auf Basis der jetzigen Finanzierungsrunde wird die VW-Tochter insgesamt mit knapp 2,5 Milliarden Dollar bewertet.

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    Der Siemens-Einstieg verleiht der amerikanischen Ladetochter und der gesamten E-Mobilität in den USA nach den Worten von Volkswagen-Technikvorstand Thomas Schmall „einen weiteren Schub“. „Ziel ist es, die Ladeinfrastruktur von Electrify America bis 2026 mehr als zu verdoppeln und auf 1800 Standorte und 10.000 Schnellladestationen zu erweitern“, sagte er. Dafür werde das neue Investment verwendet.

    „Eisbrecher“ bei der Beteiligung externer Partner

    „Der Einstieg von Siemens unterstreicht die Wettbewerbsfähigkeit von Electrify America und die Attraktivität des Geschäftsfelds“, betonte Schmall im Gespräch mit dem Handelsblatt. Siemens sei der „Eisbrecher“ bei der Beteiligung externer Partner. „Ein großes, internationales Unternehmen am Anfang ist ein solides Fundament für unser Vorhaben in den USA.“ Denkbar sei am Ende auch ein Börsengang von Electrify America. „Wir schließen keine Option aus. Aber erst einmal wollen wir weiter wachsen“, so Schmall.

    Volkswagen fühlt sich durch den Einstieg von Siemens in seiner Elektrifizierungsstrategie bestätigt. Der VW-Konzern halte an seinen Plänen fest, eine flächendeckende Ladeinfrastruktur aufzubauen, so Schmall weiter. Die Ladesäulen von Electrify America würden nicht nur für Volkswagen-Kunden, sondern auch für Autofahrer mit Fahrzeugen anderer Hersteller geöffnet. Mit seinem technischen Know-how sei Siemens nicht nur Co-Investor, sondern auch „strategischer Technologiepartner“.

    Der VW-Konzern hatte im vergangenen Jahr mit der Suche nach zusätzlichen Investoren begonnen. AP

    Electrify-America-Ladesäule in Woodfield Village Green

    Der VW-Konzern hatte im vergangenen Jahr mit der Suche nach zusätzlichen Investoren begonnen.

    Der Münchener Industriekonzern beteiligt sich über seinen Finanzierungsarm Siemens Financial Services (SFS) an Electrify America. Dieses Engagement sei eine der größten Finanzierungen von Siemens im Bereich der Elektromobilität, sagte SFS-CEO Veronika Bienert. Das süddeutsche Unternehmen leiste damit seinen Beitrag dazu, „den Übergang zu nachhaltiger Mobilität zu beschleunigen“.

    „Siemens gehört zu den führenden Anbietern von Ladetechnik und wird seine Hardware in einem zweiten Schritt auch Electrify America anbieten“, ergänzte VW-Vorstand Schmall. Es gebe dabei allerdings keinen Automatismus, auch Siemens müsse sich dem Wettbewerb mit anderen Anbietern stellen.

    Aus Sicht von Volkswagen sind noch weitere Expansionsmöglichkeiten für den Konzern in Nordamerika möglich. „Denkbar ist, dass wir unsere europäische Ladetochter Elli mittelfristig mit Electrify America verbinden. Zusätzlich sind wir über unser Joint Venture CAMS auch in China aktiv. Da entsteht ein globales Ladenetzwerk, das typisch Volkswagen ist – wir schaffen über diese Plattformen große Skalen“, sagt Thomas Schmall.

    Electrify America soll potenziell auch in Kanada und Mexiko wachsen

    Electrify America soll ebenso in benachbarten Ländern wachsen. In Kanada ist die Volkswagen-Tochter bereits vertreten. „Mexiko schauen wir uns auch an, liegt aber noch etwas weiter in der Zukunft“, betonte der VW-Vorstand.

    Die US-Regierung will bis zum Jahr 2030 zwischen Los Angeles und New York 500.000 Ladestationen errichten und stellt dafür 7,5 Milliarden Dollar bereit. Mit 65 Milliarden Dollar soll zusätzlich das amerikanische Leitungsnetz für die erwarteten Millionen von Elektroautos ertüchtigt werden. Entlang der wichtigsten Autobahnen in den USA sind künftig alle 50 Meilen Schnellladestationen vorgeschrieben.

    Die USA haben die Elektromobilität im Unterschied zu Europa und China erst mit Verspätung entdeckt. Amerikanische Autofahrer klagen besonders über eine wenig flächendeckende Ladeinfrastruktur. Die seit Anfang vergangenen Jahres regierende Biden-Administration bekennt sich zum Klimaschutz und fördert deshalb auch den Wechsel zum Elektroauto. Die Vorgängerregierung unter Donald Trump hatte im Unterschied dazu keinen besonderen Förderungsbedarf für die Elektromobilität gesehen.

    Auch die großen US-Autokonzerne General Motors (GM) und Ford haben inzwischen umgeschwenkt und bauen ihr Modellportfolio zügig mit Elektroautos aus. Tesla-Gründer Elon Musk sieht sich in seiner Elektrostrategie bestätigt.

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