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12.10.2022

09:30

Vertiefte Kooperation

Microsoft hilft Mercedes, 30 Autowerke auf Effizienz zu trimmen

Von: Franz Hubik

Dank einer besseren Datenplattform sollen die Fabriken von Mercedes um ein Fünftel produktiver werden. Das Halbleiter-Fiasko soll sich keinesfalls wiederholen.

Mercedes soll durch die Zusammenarbeit mit Microsoft die Effizienz steigern können. dpa

Mercedes Werk

Mercedes soll durch die Zusammenarbeit mit Microsoft die Effizienz steigern können.

Wien Kurzarbeit, stillstehende Bänder, lange Lieferzeiten: Seit fast zwei Jahren kämpft die Autoindustrie mit den schwerwiegenden Folgen des Chipmangels. Mercedes-Benz zieht nun aus dem Branchendesaster grundsätzliche Lehren und stellt seine Produktion schrittweise um. Konkret will der Stuttgarter Dax-Konzern gemeinsam mit dem amerikanischen IT-Riesen Microsoft eine neue Datenplattform in seinen weltweit gut 30 Pkw-Werken implementieren.

Das kündigten beide Unternehmen am Mittwoch an. Ziel der Kooperation ist es, potenzielle Engpässe in der Montage von Fahrzeugen schneller zu erkennen, verfügbare Ressourcen für besonders lukrative Modelle zu priorisieren und ungeplante Ausfallzeiten in der Produktion zu verhindern.

Im Idealfall sind die Fabriken von Mercedes mit den Clouddiensten von Microsoft künftig so stringent vernetzt, dass drohende Lieferverzögerungen bereits proaktiv mithilfe von Echtzeitsimulationen und einer angepassten Fertigung unterbunden werden können. Als positiven Nebeneffekt rechnet Mercedes damit, die Effizienz in seiner Autoproduktion bis zum Jahr 2025 um ein Fünftel steigern zu können.

„Die Fähigkeit, Probleme in Produktion und Logistik zu prognostizieren und zu vermeiden, wird zu einem entscheidenden Wettbewerbsvorteil auf dem Weg ins vollelektrische Zeitalter“, konstatiert Jörg Burzer, Produktionsvorstand von Mercedes. Judson Althoff, Chief Commercial Officer bei Microsoft, assistiert: „Wir beschleunigen Wertschöpfung, indem wir die physische und digitale Welt zusammenbringen.“

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    Mercedes hat schon 2020 mit dem eigens entwickelten Ökosystem MO360 angekündigt, jegliches Papier aus seinen Produktionsstätten zu verbannen. Die Effizienz in den Werken sollte bis 2022 um 15 Prozent steigen. Nun wurde das digitale System zur „MO360 Data Platform“ weiterentwickelt. Es basiert auf der Microsoft-Cloud Azure und soll Mercedes helfen, noch mal deutlich produktiver zu werden.

    Virtuelles Abbild der Produktion

    In Europa, dem Nahen Osten und Südafrika ist die neue Datenplattform bereits einsatzfähig. Bald soll sie auch in den USA und China aktiviert werden. Die Rechenpower von Microsoft bildet dabei das Fundament, auf dem Mercedes verstärkt Big-Data-Tools nutzen und Künstliche Intelligenz global einsetzen möchte.

    Daten aus Produktion und Einkauf würden sich dadurch besser in Echtzeit analysieren und visualisieren lassen. Gemeinsam mit Microsoft will Mercedes ein virtuelles Abbild seines Produktionsprozesses darstellen – von der Lieferkette über die Montage bis hin zum Qualitätsmanagement.

    So soll etwa die Verfügbarkeit von wichtigen Komponenten wie Halbleitern, ohne die kein modernes Auto auskommt, ab sofort mit den jeweiligen Fertigungsaufträgen abgeglichen werden und diese wiederum mit den Betriebsabläufen in der Fertigung verknüpft werden.

    Der Clou dabei: Selbst wenn es zu gravierenden Problemen in der Lieferkette kommt, sei Mercedes künftig in der Lage, die Produktion zumindest für einige besonders relevante Fabrikate aufrechtzuerhalten. Komplette Shutdowns von Werken, in denen tagelang die Bänder stillstehen, soll es künftig möglichst nicht mehr geben.

    Die 30 Werke von Mercedes sollen aber nicht nur produktiver werden, sondern mithilfe von MO360 auch Wasser, Müll, Strom und klimaschädliches Kohlendioxid einsparen. Ein spezielles Datenanalysetool überwacht und prognostiziert den Verbrauch. Die besten Lösungen in einem Werk könnten künftig schneller im ganzen Produktionsverbund etabliert werden, betont der Konzern.

    Microsoft und Mercedes arbeiten schon seit Jahren eng bei der Vernetzung von Fahrzeugen zusammen. Auch Volkswagen und BMW kooperieren mit den Amerikanern. Die deutschen Autobauer schätzen an Microsoft, dass der Tech-Konzern anders als Google, Apple oder Amazon bis dato keine echten Ambitionen hegt, ihnen ihr Kerngeschäft streitig zu machen.

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