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11.06.2018

08:01 Uhr

Volkswagen im Umbau

VW-Chef Diess baut seine Kontrolle im Konzern aus

VonStefan Menzel

Herbert Diess besetzt immer mehr wichtige Posten innerhalb des gesamten Konzerns. Auch bei Seat- und Skoda wird er nun Chefaufseher.

Der neue VW-Konzernchef wird Aufsichtsratsvorsitzender bei den wichtigsten Pkw-Marken. Reuters

Herbert Diess

Der neue VW-Konzernchef wird Aufsichtsratsvorsitzender bei den wichtigsten Pkw-Marken.

DüsseldorfDer neue Volkswagen-Chef Herbert Diess übernimmt die nächste wichtige Kontrollposition innerhalb des Unternehmens. Wie aus Konzernkreisen verlautete, wird der 59-Jährige voraussichtlich auch Aufsichtsratsvorsitzender der spanischen Konzerntochter Seat.

Diess wird damit Nachfolger des früheren Einkaufsvorstands Francisco García Sanz, der beim Vorstandsumbau im April bei Volkswagen ausgeschieden war und damit auch den Aufsichtsratsposten bei Seat freigemacht hatte.

Vor wenigen Tagen war bereits bekannt geworden, dass Diess auch bei der tschechischen Volkswagen-Tochter Skoda den Posten des Aufsichtsratsvorsitzenden übernimmt. Diess verdrängt dort VW-Finanzvorstand Frank Witter, der allerdings im Skoda-Aufsichtsrat bleibt und dort nun stellvertretender Vorsitzender wird.

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Herbert Diess ist zudem auch Chef der Konzernmarke Volkswagen, die keinen eigenen Aufsichtsrat besitzt. Zusammen mit den Chefposten in den Aufsichtsräten kann der neue Vorstandsvorsitzende damit maßgeblichen Einfluss auf die großen Volumenmarken innerhalb des Konzerns nehmen.

„Ein logischer Schritt“, sagte ein Insider aus Wolfsburg zur Seat-Entscheidung. Diess hatte bei seinem Amtsantritt im April auch neue Markengruppen innerhalb des Konzerns geschaffen.

Die neue Volumengruppe besteht im Wesentlichen aus Volkswagen, Skoda und Seat. Die drei Marken sollen künftig enger zusammenarbeiten und damit Kosten reduzieren. Als Aufsichtsrats- und Markenchef der verschiedenen Töchter kann Diess diese neue und intensivere Art der Zusammenarbeit unter den Marken entscheidend beeinflussen.

Audi gehört ausdrücklich nicht zur Volumengruppe, sondern bildet innerhalb des Konzerns einen eigenen Bereich. Trotzdem hat sich Herbert Diess dafür entschieden, auch dort – wie Matthias Müller, sein Vorgänger auf dem Wolfsburger Chefposten – Aufsichtsratsvorsitzender zu werden.

Die Chefs der Volkswagen AG

Heinrich Nordhoff (1948-1968)

Die Chefposition war ihm von der britischen Militärregierung übertragen worden. Vor ihm hatte wenige Monate Hermann Münch das Unternehmen geleitet.

Kurt Lotz (1968-1971)

Nach Auseinandersetzungen über die Personalpolitik und die gewerkschaftliche und politische Mitbestimmung bei VW gab er das Amt vorzeitig auf.

Rudolf Leiding (1971-1975)

Er trat wegen eines dramatischen Nachfragerückgangs in der Autobranche sowie nach Differenzen mit dem Aufsichtsrat und dem Betriebsrat zurück.

Toni Schmücker (1975-1981)

Die VW-Leitung gab er aus gesundheitlichen Gründen ab.

Carl H. Hahn (1982-1992)

Unter seiner Führung wurde Volkswagen zum größten europäischen Automobilbauer. Operative Verluste und hohe Produktionskosten sollen bei seiner vorzeitigen Ablösung eine Rolle gespielt haben.

Ferdinand Piëch (1993-2002)

Er führte das angeschlagene Unternehmen mit drastischen Sparmaßnahmen und einer neuen Modellpolitik zurück in die Gewinnzone und leitete den Wechsel zu seinem Nachfolger Bernd Pischetsrieder selbst mit ein.

Bernd Pischetsrieder (2002-2006)

Ein Grund für seine überraschende Ablösung soll die zunehmende Distanz zwischen ihm und seinem einstigen Förderer, dem früheren VW-Aufsichtsratschef Ferdinand Piëch, gewesen sein.

Martin Winterkorn (2007-2015)

Er nahm im September 2015 wegen des Skandals um manipulierte Abgaswerte in den USA seinen Hut. Zuvor hatte Winterkorn für den VW-Konzern jahrelang Rekorde erzielt.

Matthias Müller (2015-2018)

Der frühere Porsche-Chef steuerte VW durch die härteste Phase der Dieselkrise. Es soll intern Differenzen bei wichtigen Entscheidungen gegeben haben - insgesamt bescheinigte der VW-Aufsichtsrat Müller aber eine „herausragende“ Leistung.

Quelle: dpa

Herbert Diess (seit 2018)

Der bisherige Markenvorstand löste Matthias Müller im Frühjahr 2018 ab.

Audi ist zwar dem Anspruch nach ein Premiumhersteller, bewegt sich aber mit einer Jahresproduktion von rund zwei Millionen Autos an der Grenze zur Volumenmarke. Die Marke ist ein wesentlicher Bestandteil des Konzerns, deshalb will Herbert Diess auch dort als Aufsichtsratsvorsitzender seinen Einfluss ausüben. Zudem war Audi in der Dieselaffäre wiederholt negativ durch seine sehr zögerlichen Reaktionen aufgefallen.

Bei den großen und wichtigen Pkw-Marken des Konzerns hat Herbert Diess nur bei Porsche kein Mandat im Aufsichtsrat. Traditionell hat dort die Porsche-Familie den größten Einfluss. Vorsitzender des Kontrollgremiums in Stuttgart ist Familiensprecher Wolfgang Porsche.

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