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09.06.2022

04:08

Volkswagen in Spanien

Wie Seat durch die Marke Cupra endlich profitabel werden will

Von: Stefan Menzel

Die spanische Volkswagen-Tochter Seat schreibt regelmäßig rote Zahlen. Die Ungeduld in Wolfsburg wächst. Die neue Marke Cupra soll die Wende bringen.

Mit der Marke Cupra haben die Spanier große Pläne. Reuters

Seat-Chef Wayne Griffiths

Mit der Marke Cupra haben die Spanier große Pläne.

Düsseldorf Der Hinweis von Volkswagen-Vorstandschef Herbert Diess hätte kaum deutlicher sein können: „Es ist höchste Zeit“, schrieb er vor kurzem auf Linkedin über Seat. Die spanische Konzerntochter müsse „so schnell wie möglich“ profitabel werden.

Seat bereitet der VW-Zentrale zunehmend Sorgen. Das Unternehmen aus Katalonien ist die einzige Pkw-Tochter, die 2020 und 2021 und damit in zwei aufeinanderfolgenden Jahren rote Zahlen geschrieben hat. Auch das erste Quartal 2022 ist nicht gut verlaufen: Fünf Millionen Euro operativer Ertrag stehen für eine Rendite von 0,2 Prozent.

Seat-Chef Wayne Griffiths antwortete dem Vorstandsvorsitzenden im fernen Wolfsburg: „Ich nehme die Herausforderung an“. Retter in der Not soll die junge sportliche Marke Cupra werden, die Seat als zusätzliches Angebot vor vier Jahren aufgelegt hatte. Cupra-Modelle sind oberhalb von Volkswagen positioniert und können zu höheren Preisen verkauft werden. Mit der Sportmarke sollen die Seat-Verluste verschwinden und die spanische Tochter zu einem profitablen Autohersteller machen.

Wayne Griffiths will Cupra mit einer Produktoffensive jetzt stärken. Am Dienstagabend präsentierte die spanische VW-Tochter in der Nähe von Barcelona unweit des Firmensitzes gleich drei neue Modelle. „Griffiths tritt die Flucht nach vorn an“, hieß es dazu aus Wolfsburger Konzernkreisen. Die Verluste würden in der Zentrale immer kritischer gesehen. Seat haben einen größeren Apparat mit entsprechenden Kosten aufgebaut. Die Verkaufszahlen seien allerdings zu niedrig.

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    Im Unterschied zur Marke Seat, die sich absehbar auf Modelle mit Verbrennungsmotor konzentrieren wird, soll Cupra nicht nur mit sportlichem Image, sondern auch mit einem Elektroantrieb glänzen. Die am Dienstag vorgestellten Modelle, die nacheinander bis 2025 auf den Markt kommen werden, erfüllen diese Bedingung.

    Cupra-Umsatz soll sich 2022 verdoppeln

    „Urban Rebel“ und „Tavascan“ sind reine Elektromodelle, der „Terramar“ ist ein Plug-in-Hybrid. Der „Terramar“, ein SUV, wird wahrscheinlich das letzte neue Cupra-Modell sein, in das noch ein Verbrennungsmotor eingebaut wird. Danach dürfte es bei der zweiten jungen Seat-Marke nur noch reine Elektroautos geben.

    Grafik

    Im vergangenen Jahr hat die spanische Volkswagen-Tochter gut 80.000 Cupra-Fahrzeuge produziert. Wayne Griffiths nannte zwar kein konkretes Jahr, doch „mittelfristig“ sollen jährlich 500.000 Cupra-Fahrzeuge verkauft werden. Damit würde Cupra die Marke Seat übertreffen. Außerdem will Griffiths Cupra in neuen Ländern verkaufen. Ein Beispiel dafür ist Australien.

    Auch an wirtschaftlichen Kennzahlen soll sich der Aufschwung von Cupra in naher Zukunft ablesen lassen. 2021 hatte die zweite Seat-Marke einen Umsatz von 2,2 Milliarden Euro erreicht. 2022 soll sich der Umsatz – gestützt von neuen Modellen – ungefähr verdoppeln. Zur Renditeplanung machte Griffiths keine Angaben.

    Seat-Chef Griffiths präsentierte die drei neuen Elektromodelle enthusiastisch: „Ich freue mich auf den Beginn eines neuen Kapitels. Die Zukunft ist elektrisch, die Zukunft ist Cupra“, sagte er. Die junge Marke aus Spanien verbinde den modernen Elektroantrieb mit einer „emotionalen Mobilität für die nächste Generation von Autoliebhabern“.

    Eine besondere Rolle spielt das künftige Einstiegsmodell „Urban Rebel“, das von 2025 an produziert und verkauft werden soll. In der Autobranche fehlen bislang preisgünstige Elektromodelle für weniger als 25.000 Euro. Das sind Autos etwa im Format eines Volkswagen Polo oder eines Opel Corsa. Tesla hatte ein solches vollelektrisches Einstiegsmodell für das Jahr 2023 angekündigt; Anfang des Jahres hat Tesla-Chef Elon Musk das Fahrzeugprojekt auf unbestimmte Zeit verschoben.

    Seat will Elektrokleinwagen in Autobranche durchsetzen

    Mit dem „Urban Rebel“ aus Spanien will der Volkswagen-Konzern nun Pionierarbeit für die Automobilindustrie leisten. Das elektrische Einsteigermodell soll es nicht nur von der Marke Cupra, sondern voraussichtlich als ID.2 von Volkswagen und auch als Skoda-Variante geben. In der zweiten Hälfte des aktuellen Jahrzehnts dürften von dem elektrischen Kleinwagen in allen Markenvariationen mehr als 500.000 Exemplare jährlich hergestellt werden. Die Fahrzeugentwicklung liegt dabei in den Händen von Seat.

    Der Volkswagen-Konzern will in den kommenden Jahren etwa sieben Milliarden Euro für den Start der Elektroproduktion in Spanien investieren. Dafür werden das Seat-Hauptwerk in Martorell bei Barcelona und die Polo-Fabrik von VW in Pamplona umgerüstet.

    Zusätzlich will Volkswagen unweit von Valencia eine neue Fabrik für Batteriezellen errichten. Dort sollen Batterien auf Basis von Eisenphosphat produziert werden. Sie sind deutlich günstiger als die bislang oft verwendeten Lithium-Ionen-Batterien und machen einen elektrischen Kleinwagen für weniger als 25.000 Euro erst möglich.

    Seat-Chef Griffiths gab sich zuversichtlich, dass sich diese neue Klasse elektrischer Kleinwagen im Autogeschäft durchsetzen wird. „Wir werden beweisen, dass Elektroautos keinesfalls langweilig sein müssen“, sagte er. Das gelte insbesondere für das neu geplante Cupra-Einstiegsmodell.

    Volkswagen-Konzernchef Herbert Diess hatte im Vorfeld die hervorgehobene Position der neuen spanischen Marke verteidigt. „Cupra wird Seat nicht ersetzen. Cupra wird Seat aber dabei helfen, viel profitabler zu werden“, betonte Diess. Die Marke Seat besitze ein Produktportfolio, das es in dieser Stärke und Breite zuvor nie gegeben habe. Damit sei ein Erfolg in den kommenden Jahren möglich.

    In Spanien wurde die Betonung auf die Marke Cupra jedoch nicht widerspruchslos hingenommen. Kritik kam von den Gewerkschaften und dem Seat-Betriebsrat. Die Marke Seat stehe vor einer ungewissen Zukunft, weil es keine Elektroautos von der spanischen Traditionsmarke gebe. Voraussichtlich zu Beginn des nächsten Jahrzehnts drohe der Marke deshalb das Aus, weil Verbrennermodelle dann nicht mehr produziert würden.

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