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30.06.2022

17:42

Volkswagen-Konzern

VW-Manager Thomas Schäfer: Der neue Kronprinz von Wolfsburg

Von: Stefan Menzel

PremiumAnfang 2020 leitete Thomas Schäfer kaum mehr als ein Autowerk in Südafrika. Nun steigt er zum Markenchef von Volkswagen auf. Vielleicht nicht seine letzte Station.

Thomas Schäfer, VW Volkswagen AG

Thomas Schäfer

Der Manager übernimmt an diesem Freitag die Führung der Kernmarke Volkswagen. Zugleich soll er zusammen mit den Schwestermarken Seat und Skoda nach mehr Synergien suchen.

Düsseldorf Schon seit Anfang April hat sich Thomas Schäfer in Wolfsburg eingearbeitet, an diesem Freitag übernimmt er offiziell den Posten des Vorstandsvorsitzenden der Marke Volkswagen Pkw. Zuvor stand der 52-Jährige knapp zwei Jahre an der Spitze der tschechischen Konzerntochter Skoda.

Schäfer übernimmt zugleich die Führung der Markengruppe Volumen (VW, Skoda, Seat) und rückt auch sofort in den Konzernvorstand auf. Etwas, für das sein Vorgänger Ralf Brandstätter fast zwei Jahre gebraucht hat. Hinter dem neuen VW-Markenchef liegen bemerkenswerte Karrieresprünge, die es auch in einem so großen Konzern wie Volkswagen nur selten gibt.

Anfang 2020 war Schäfer noch für das Südafrikageschäft von Volkswagen verantwortlich, das im Wesentlichen aus einer einzigen Autofabrik in der östlichen Kap-Provinz mit etwa 5000 Beschäftigten besteht. Dann folgte im Sommer desselben Jahres der Wechsel nach Tschechien. Dort konnte Schäfer nicht einmal den üblichen Drei-Jahres-Turnus für einen Markenchef zu Ende bringen und wurde zur Halbzeit nach Wolfsburg geholt.

Am Stammsitz von Volkswagen übernimmt er das Herz des Konzerns. Allein in Deutschland arbeiten rund 120.000 Menschen für die Marke VW. Die Markengruppe Volumen hat im vergangenen Jahr mehr als sechs Millionen Fahrzeuge produziert, im gesamten Konzern waren es nur etwa 2,5 Millionen mehr. Größeres kann ein Manager bei Volkswagen kaum erreichen. Nur Konzernchef Herbert Diess steht noch über Thomas Schäfer.

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    Diess besitzt wesentlichen Anteil daran, dass Schäfer einen solch rasanten Karriereweg hinter sich gebracht hat. Der Vorstandsvorsitzende gehört zu seinen erklärten Förderern. „Thomas Schäfer ist einer unserer fähigsten Topmanager“, sagte Diess, als der Aufsichtsrat dessen Beförderung zum VW-Markenchef endgültig durchgewunken hatte.

    Skoda hat Kernaufgaben von Volkswagen übernommen

    Für Schäfer spricht, dass er in der vergleichsweise kurzen Zeit in Tschechien einiges bewirkt hat. So steht Skoda inzwischen nicht mehr für sich allein als Marke da, sondern hat eine ganze Reihe von Konzernaufgaben übernommen. Die Tochter ist beispielsweise in Exportmärkten wie Indien und Nordafrika für den Auftritt der gesamten Gruppe verantwortlich. Der künftige VW Passat und das Vergleichsmodell Skoda Superb sind gemeinsam entwickelt worden – von Skoda.

    Zudem ist das Verhältnis der Marken VW und Skoda deutlich besser geworden. In der Vergangenheit gab es immer wieder Reibereien zwischen Wolfsburg und der Skoda-Zentrale in Mlada Boleslav, weil die tschechische Tochter mit ihren erfolgreichen Autos zu sehr im Revier der Kernmarke wilderte. Außerdem hat Thomas Schäfer die Elektrostrategie vorangetrieben. In den nächsten Jahren wird eine ganze Reihe von neuen rein elektrischen Skoda-Modellen auf den Markt kommen, ganz oben auf der Liste stehen dabei die SUVs.

    In Wolfsburg soll sich Thomas Schäfer nicht nur um Volkswagen Pkw, sondern vor allem auch um die Markengruppe Volumen kümmern. Diesen „Konzern im Konzern“ gibt es zwar schon seit einigen Jahren, er war jedoch nie so richtig ernst genommen und mit Leben gefüllt worden.

    Jetzt bekommt der Chef der Markengruppe – also Thomas Schäfer – mehr Befugnisse, um bei Bedarf auch stärker durchgreifen zu können. „Er wird noch mehr Synergien zwischen den Marken Volkswagen, Skoda, Seat, Cupra und den Nutzfahrzeugen heben – und darauf achten, dass sich die Fahrzeuge an den entscheidenden Stellen unterscheiden“, betonte Konzernchef Diess erst am vergangenen Dienstag auf einer Volkswagen-Betriebsversammlung.

    Auch Thomas Schäfer ist klar, dass er genau daran gemessen wird. „Um wettbewerbsfähig zu sein, müssen wir die Wirtschaftlichkeit weiter steigern. Das ist der beste Weg für Zukunfts- und damit Beschäftigungssicherung“, sagt er selbst über seine neue Aufgabe. In der Markengruppe Volumen stecke „riesiges Potenzial“, das er jetzt heben wolle.

    Thomas Schäfer: Nicht laut, aber klar und konsequent

    Eine Ansage mit Konfliktpotenzial. Dann natürlich droht Streit, wenn sich Skoda oder Seat durch Vorgaben aus der deutschen Zentrale zu sehr gegängelt fühlen. Thomas Schäfer wird zugetraut, dass er solche möglichen Konflikte weitgehend konstruktiv löst. Er ist ein Manager modernen Typs: nicht laut, aber klar und konsequent.

    Natürlich wird in Wolfsburg auch darüber geredet, was Schäfer auf seinem weiteren Karriereweg noch erreichen könnte. In drei Jahren läuft der Vertrag von Herbert Diess aus, dann muss ein Nachfolger gefunden werden. Drei Jahre sind möglicherweise genau die Zeit, in der Thomas Schäfer nachweisen könnte, dass er noch für höhere Weihen berufen ist. Der „neue Kronprinz von Wolfsburg“ ist er auf jeden Fall schon jetzt.

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