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22.09.2022

12:24

Volkswagen

Umrüstung auf Erdgas kommt später – VW verbrennt in seinen Kraftwerken länger Kohle

Von: Stefan Menzel

Der VW-Konzern reagiert auf die starken Preissteigerungen beim Erdgas – und verdient sogar noch viel Geld mit dem Verkauf von Gaskontrakten.

Das große VW-Kraftwerk in Wolfsburg ist zwar auf Erdgas umgerüstet worden, kann jedoch auch weiterhin mit Kohle betrieben werden. dpa

Volkswagen bleibt in Wolfsburg zunächst auf Kohlekurs

Das große VW-Kraftwerk in Wolfsburg ist zwar auf Erdgas umgerüstet worden, kann jedoch auch weiterhin mit Kohle betrieben werden.

Düsseldorf Eigentlich will Volkswagen seine eigenen Kraftwerke in Wolfsburg von Kohle auf Erdgas umrüsten. Doch wegen der politischen Weltlage lässt sich der VW-Konzern damit mehr Zeit. Bereits eingekaufte Gasbezugsrechte für das nächste Jahr gibt der Konzern in den Markt zurück – und erlöst damit voraussichtlich rund 400 Millionen Euro zusätzlich.

In Konzernkreisen wurden die zusätzlichen Einnahmen in dreistelliger Millionenhöhe bestätigt. Offiziell wollte sich der Konzern dazu nicht äußern. „Kein Kommentar“, sagte ein Sprecher am Sonntag. Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte zuerst darüber berichtet, dass der VW-Konzern seine Erdgas-Absicherung auflösen will und etwas länger als geplant auf Kohle in seinen Wolfsburger Kraftwerken setzt.

Europas größter Automobilhersteller hatte sich für das kommende Jahr im Rahmen seiner Rohstoffversorgung eine Lieferung von 2,6 Terawattstunden Erdgas gesichert, wie aus internen Dokumenten hervorgeht. Das ist eine Menge an Erdgas, um etwa 200.000 Einfamilienhäuser ein Jahr lang zu versorgen.

VW reagiert auf Gaspreise – und gibt Bezugsrechte an den Markt zurück

Volkswagen hatte die Vorabkäufe – Absicherungen zum Schutz vor größeren Preisschwankungen – über seinen Lieferanten Wingas bereits im Jahr 2020 getätigt, als der Marktpreis bei rund 30 Euro pro Megawattstunde lag, hieß es in Unternehmenskreisen. Aufgrund der beispiellosen Energiekrise in Europa sind die Gaspreise heute um ein Vielfaches höher als zu dem Zeitpunkt. Erdgas-Terminkontrakte in Europa werden jetzt mit 200 Euro pro Megawattstunde gehandelt.

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    Der Autohersteller hatte geplant, das Erdgas im nächsten Jahr in seinen beiden Kraftwerken in Wolfsburg einzusetzen und auf Kohle zu verzichten. Der Spardruck beim Erdgas hat Volkswagen dazu veranlasst, die Rohstoffkontrakte vorzeitig zu verkaufen. Das wirkt sich nun auf die beiden kohlebefeuerten Kraftwerke in der VW-Zentrale in Wolfsburg aus, die Strom für das Stammwerk und die Stadt liefern.

    Volkswagen will bis 2050 klimaneutral sein

    Der VW-Konzern hat sich das Ziel gesetzt, die Pariser Klimaziele zu erfüllen und bis zum Jahr 2050 komplett klimaneutral zu sein. Dazu gehört vor allem eine kohlendioxidfreie Fahrzeugproduktion und der damit verbundene klimafreundliche Bezug von Strom. Volkswagen will den Strombedarf auf absehbare Zeit allein aus erneuerbaren Quellen wie Wasser, Wind und Sonne decken.

    Die Umrüstung von Kohlekraftwerken auf Erdgas ist dafür ein erster Schritt, weil Volkswagen die CO2-Belastung der Atmosphäre mit Erdgas deutlich reduzieren kann. Nach VW-Angaben lassen sich mit der Umrüstung pro Jahr 1,5 Millionen Tonnen CO2 einsparen. Das entspricht ungefähr der Menge an Kohlendioxid, die jährlich 870.000 Autos in die Atmosphäre geben.

    Umrüstung auf Erdgas würde bei VW Tonnen an CO2 einsparen

    VW nimmt aktuell eine höhere Umweltbelastung in Kauf, reagiert damit aber auch auf den starken politischen Druck, Erdgas einzusparen. Mit dem zusätzlichen Gewinn aus dem Erdgasverkauf will Volkswagen Kostensteigerungen in anderen Bereichen ausgleichen, hieß es in Wolfsburg.

    Volkswagen hatte bereits im Frühjahr von Bewertungseffekten aus Rohstoff-Sicherungsgeschäften profitiert und konnte dadurch einen deutlich gesteigerten Betriebsgewinn ausweisen. Der Bewertungseffekt aus Sicherungsgeschäften für Rohstoffe („Hedging“) machte im ersten Quartal etwa 3,5 Milliarden Euro aus.

    Mit diesen Sicherungsgeschäften sicherte der Konzern den Einkauf wichtiger Rohstoffe wie Stahl oder Nickel. Etwa 2,4 Milliarden Euro waren davon allerdings im zweiten Quartal durch gegenläufige Preisbewegungen wieder verloren gegangen.

    Erstpublikation: 18.09.22, 17:01 Uhr.

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