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25.07.2022

17:15

Volkswagen

Zweifel an der neuen Doppelrolle von Oliver Blume – VW-Aktie fällt um bis zu 4,6 Prozent

Von: Stefan Menzel

Oliver Blume ist bald gleichzeitig VW- und Porsche-Chef. Analysten warnen vor Interessenkonflikten – vor allem mit Blick auf den geplanten Börsengang.

Oliver Blume imago images / Patrick Scheiber

Oliver Blume

Volkswagen und Porsche sagen, dass die Doppellösung nicht nur übergangsweise bis zum Börsengang gilt, sondern dauerhaft.

Düsseldorf Unter Investoren und in Finanzkreisen wird der angekündigte Wechsel in der Führung des Volkswagen-Konzerns mit Skepsis gesehen. Der Wolfsburger Autohersteller trennt sich von CEO Herbert Diess und ersetzt ihn zum 1. September durch Oliver Blume, der seinen Posten als Porsche-Vorstandschef behalten wird.

Volkswagen-Vorzugsaktien gerieten zu Wochenbeginn bei einem eher ruhigen Marktgeschehen mit Abschlägen von bis zu 4,6 Prozent stark unter Druck. Die Papiere des VW-Großaktionärs Porsche SE gaben in der Spitze bis zu 3,7 Prozent nach.

Die PSE ist nicht identisch mit dem Sportwagenhersteller Porsche. In der börsennotierten Holding hat die Eigentümerfamilie Porsche-Piëch ihre Anteile am Volkswagen-Konzern gebündelt. Auch am Nachmittag notierten die VW- und Porsche-Titel unverändert schwächer.

VW-Aktie: Analysten bewerten neue Führung durch Oliver Blume kritisch

„Mit Blick auf den Zeitpunkt ist der Wechsel negativ“, betonte Daniel Schwarz, Automobilanalyst bei der US-Investmentbank Stifel. In wenigen Wochen, Anfang September, will der VW-Konzern über den Teilbörsengang seiner Stuttgarter Tochter entscheiden. Personelle Konstanz an der Spitze von Volkswagen und von Porsche wäre in dieser Hinsicht die bessere Entscheidung gewesen.

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    Der VW-Konzern habe in der Führungsfrage keine ideale Lösung gefunden, weil Blume künftig gleich zwei Unternehmen führen müsse. Vor einer Woche habe Porsche auf einem Investorentag noch davon gesprochen, dass der Sportwagenhersteller im Zuge des Börsengangs seine Eigenständigkeit gegenüber dem Mutterkonzern ausbauen wolle. Wenige Tage später werde Blume jedoch bei Volkswagen zum neuen Vorstandsvorsitzenden ernannt. Diese Doppelfunktion spreche klar gegen mehr Unabhängigkeit für Porsche.

    COO soll Porsche-Chef entlasten

    Immerhin hat der VW-Aufsichtsrat das Problem gesehen, dass Blume mit seiner Doppelfunktion möglicherweise eine Überlastung droht. Deshalb wird es künftig bei Volkswagen einen Chief Operating Officer (COO) für das Tagesgeschäft geben, um Blume zu entlasten. Diesen Posten übernimmt zusätzlich Arno Antlitz, Finanzvorstand des Wolfsburger Konzerns.

    Oliver Blume picture alliance/dpa

    Oliver Blume

    Kann der Porsche-Chef seiner neuen Doppelrolle überhaupt gerecht werden?

    Blume dürfte sich weitere Entlastung verschaffen. So gilt es als gesichert, dass er eine ganze Reihe von Beirats- und Aufsichtsratsposten abgeben wird, die auf seine Funktion als Porsche-Vorstandschef zurückgehen. Derzeit ist der Automanager im Konzernvorstand auch für das Produktionsressort verantwortlich. Wolfsburger Insider vermuten, dass Blume diese Aufgabe auf jeden Fall abgeben wird.

    Die Doppelfunktion für Blume soll Ruhe und Stabilität mit Blick auf den geplanten Börsengang symbolisieren, wird in Investorenkreisen vermutet. So kurz vor dem IPO wolle niemand mehr den Porsche-Chef auswechseln. „Blume ist der Mann hinter der Erfolgsgeschichte von Porsche“, meinte Patrick Hummel, Autoanalyst bei der Schweizer Großbank UBS.

    Wegen seiner Erfolge hätten die VW-Aufsichtsräte einzig Blume als möglichen Diess-Nachfolger gesehen. Daraus sei die Idee mit der Doppelfunktion entstanden. Mit einer operativen Rendite von mehr als 16 Prozent gehört die VW-Tochter zu den profitabelsten Autoherstellern der Welt.

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    Bei Volkswagen und bei Porsche wird darauf hingewiesen, dass die Doppellösung nicht nur übergangsweise bis zum Börsengang im vierten Quartal gelten solle, sondern dauerhaft bestehe. Blume will Porsche langfristig führen. Darauf könne sich das Porsche-Team verlassen, sagte er nach seiner Berufung zum VW-Chef.

    Die Doppelbelastung sei durchaus beherrschbar, heißt es ergänzend in Wolfsburg und Stuttgart. In der Geschichte des Volkswagen-Konzerns gebe es genügend Beispiele dafür, dass der Vorstandsvorsitzende zugleich auch eine Marke führen könne. So hatte etwa Martin Winterkorn nicht nur den Konzern, sondern auch die Kernmarke Volkswagen Pkw geleitet.

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