Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

13.01.2018

02:37 Uhr

Volocopter

Der fliegende Star der CES

VonBritta Weddeling

Während alle noch über fahrerlose Elektroautos reden, feiert die Elektronikmesse CES in Las Vegas schon die Ankunft der fliegenden Taxis. Zu den Stars der Messe zählt das Start-up Volocopter aus Karlsruhe.

Die Zukunftsmesse CES feiert bereits die Ankunft der fliegenden Taxis. Reuters

Intel-Chef Brian Krzanich präsentiert den Volocopter

Die Zukunftsmesse CES feiert bereits die Ankunft der fliegenden Taxis.

Las Vegas„Total irre, was hier gerade abgeht.“ Florian Reuter blinzelt gegen die Sonne. Um den Stand seines Start-ups auf dem Außengelände der Consumer Electronics Show (CES) in Las Vegas drängeln sich die Leute. Von überall her schießen Smartphone-Kameras in die Höhe. Besucher versuchen, die Absperrung zu übertreten. Begierig wartet das Publikum darauf, einen Blick auf den Flugroboter zu erhaschen, den Reuter aus Deutschland mitgebracht hat.

Während der Rest der Welt noch von autonomen Elektroautos redet, feiert die Zukunftsmesse CES bereits die Ankunft der fliegenden Taxis. Bislang schwebten die futuristischen Gefährte höchstens durch Science-Fiction-Filme. Nun landen sie in der Realität. Im Zentrum des Hypes steht dabei ausgerechnet Volocopter aus Bruchsal bei Karlsruhe. Mit seinem Lufttaxi avancierte das Start-up zum Star der aktuellen Technologieschau in Las Vegas.

Den Stellenwert der neuartigen Technologie der Deutschen schätzten die Veranstalter so hoch ein, dass sie das Start-up auf ihrer wichtigsten Bühne präsentierten. Der Volocopter kreiste während der großen Eröffnungs-Keynote zum Messebeginn durch die Lüfte. 5000 Menschen jubelten laut, als das fliegende Taxi mit seinen 18 Propellern zu poppigen Beats und Stroboskoplicht in den Himmel des Park Theaters des Monte-Carlo-Hotels aufstieg.

„Total irre, was hier gerade abgeht.“ Bloomberg

Volocopter-Chef Florian Reuter auf der CES

„Total irre, was hier gerade abgeht.“

Intel-Chef Brian Krzanich bat Volocopter-Chef Florian Reuter auf die Bühne und freute sich über die tolle Idee aus „Germany“. Eines Tages werde jeder Mensch mit einem fahrerlosen Lufttaxi unterwegs sein, sagte der Manager des Chipherstellers voraus. Zwar lassen die jüngst enthüllten Sicherheitslücke bei Intel und die dubiosen Aktienverkäufe von Krzanich jede Aussage inzwischen als fragwürdig erscheinen. Doch neben Investor Intel setzt auch Daimler auf die Lufttaxi-Konstrukteure. Der deutsche Autobauer investierte gemeinsam mit Intel und anderen 30 Millionen Euro in das Start-up, das 2011 gegründet wurde und 50 Mitarbeiter besitzt.

Mit ihrer Erfindung haben Florian Reuter und seine Mitstreiter Alexander Zosel und Stephan Wolf den Zeitgeist getroffen. Die Vision von fliegenden Taxis fasziniert die Investoren und große Firmen im Silicon Valley und anderswo. Der Markt entwickelt sich gerade erst. Der Branchenverband Consumer Technology Association sagt voraus, dass das Drohnengeschäft bis Ende 2018 in den USA nur mehr 1,2 Milliarden Dollar abwirft. Doch dies wäre schon ein Anstieg von knapp 20 Prozent.

Das Lufttaxi rückt zunehmend in greifbare Nähe. Der Fahrdienst Uber entwickelt seit zwei Monaten eigene Flugroboter mit der US-Raumfahrtbehörde Nasa an Standorten in Dallas, Dubai und Los Angeles. Schon 2020 will das Unternehmen erste Tests von „Uber Air“ in ausgewählten US-Städten durchführen und den Service drei Jahre später öffentlich starten.

Google-Gründer Larry Page steckte 100 Millionen Dollar in die Start-ups Zee-Aero und Kitty Hawk, zwei Start-ups für unbemannte fliegende Gefährte. Der IT-Gigant Alphabet übernahm von der Nasa das ehemalige Militärgelände namens Moffet Field in Mountain View samt dem berühmten Hangar One, um die Technologie in der größten freistehenden Stahlkonstruktion der Welt auszuprobieren. Auch die traditionelle Branche greift zu. Boeing kaufte vor zwei Monaten den Roboter-Flugzeugbauer Aurora Flight Sciences.

Das Innere des Volocopter fühlt sich futuristisch, aber doch ein wenig beengt an. Viel Platz zum Ausstrecken bleibt nicht in der nur wenig mehr als einen Meter breiten Kabine. In der Luft zählt schließlich jedes Gramm. Bislang trägt das Ultraleichtflugzeug aus Baden-Württemberg rund 160 Kilogramm durch die Luft, die Reichweite ist aber gering. 30 Minuten reicht der Akku bei einer Fluggeschwindigkeit von zwischen 80 und 100 Kilometer pro Stunde. Damit kommt der Volocopter 27 Kilometer weit.

Autobauer investieren in Start-ups: Kaufen statt gründen

Autobauer investieren in Start-ups

Kaufen statt gründen

Sie heißen „Flinc“, „Volocopter“ oder „Proterra“: Daimler und BMW investieren kräftig in Start-ups aus dem Mobilitätsbereich. Sie brauchen ihr Know-how für die Zukunft. In der Vorgehensweise unterscheiden sie sich aber.

Den Ehrgeiz des Start-ups aus Bruchsal schmälert das nicht. „Ich glaube fest daran, dass fliegende Taxis in Zukunft von jedem Hausdach oder auf dem Parkplatz um die Ecke starten“, sagt Volocopter-Chef Florian Reuter. Menschen in urbanen Zentren könnten den Service dann ganz bequem ordern und in wenigen Minuten durch die Stadt reisen, über den Stau hinweg, schwebt es dem Unternehmer vor. Er weiß aber auch: „Um das umzusetzen, wartet noch sehr viel Arbeit vor uns.“

Immerhin: 2016 erteilten die deutschen Behörden der Firma eine vorläufige Fluglizenz. Volocopter darf seine Technologie nun testen, aber nicht kommerziell vertreiben. Bei einem Stückpreis von 250.000 Euro könnten sich das futuristische Fluggerät ohnehin nur reiche Kunden leisten. Langfristig soll Volocopter als autonomes Lufttaxi Teil des öffenlichen Nahverkehrs werden. Ein Flug soll dann vergleichbar viel kosten wie eine Fahrt mit dem Limousinen-Service UberBlack

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×