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24.08.2017

12:26

Vorstandsumbau am Montag

Neue Chefs für Audi

Als Konsequenz aus dem Dieselskandal will Audi seinen Vorstand umfangreich umbauen. Am Montag soll dazu der Aufsichtsrat der Volkswagen-Tochter tagen. Doch immer noch sind nicht alle Personalfragen geklärt.

Mit dem Austausch von vier der insgesamt sieben Top-Manager will der Aufsichtsrat wieder etwas Ruhe in das krisengeschüttelte Unternehmen bringen. dpa

Audi

Mit dem Austausch von vier der insgesamt sieben Top-Manager will der Aufsichtsrat wieder etwas Ruhe in das krisengeschüttelte Unternehmen bringen.

München/Hamburg Nach wochenlangen Personalspekulationen und internem Tauziehen will der Audi-Aufsichtsrat einem Bericht zufolge Anfang kommender Woche einen umfangreichen Vorstandsumbau in die Wege leiten. Die Kontrolleure treffen sich am Montag zu einer außerordentlichen Sitzung, wie mehrere mit der Situation vertraute Personen der Nachrichtenagentur Reuters sagten. Bei dieser Gelegenheit wolle das Gremium neue Chefs für Finanzen, Vertrieb, Produktion und Personal in den Vorstand der VW-Tochter berufen.

Der wegen der Dieselkrise angeschlagene Vorstandschef Rupert Stadler bleibe dagegen im Amt, weil er nach wie vor die Rückendeckung der Eigentümerfamilien Porsche und Piëch habe. Ziel sei, den Vorstandsumbau bis zur Automesse IAA über die Bühne zu bringen, die Mitte September in Frankfurt beginnt.

Neue Vorstände für VW-Tochter: Kräftemessen im Audi-Aufsichtsrat

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Im Audi-Aufsichtsrat knirscht es gewaltig. Der Austausch von vier Vorständen bei der VW-Tochter ist noch nicht gesichert. Konzernchef Müller muss einen Kompromiss mit der Familie finden. Es geht ums Prinzip.

Vollkommene Einigkeit über das Personalpaket herrscht allerdings noch nicht: Denn gegen den Chef der Motorentochter Audi Hungaria in Györ, Peter Kössler, der als neuer Produktionsvorstand gehandelt wird, sperrt sich offenbar die Familie. Wolfgang Porsche, der als Vertreter der Familie im Audi-Aufsichtsrat sitzt, wolle einen anderen Kandidaten durchsetzen, sagte eine mit den Beratungen vertraute Person. Unklar ist, ob die Neubesetzung des Vorstands daran noch scheitern könnte. Audi lehnte eine Stellungnahme zu den Plänen und den Diskussionen ab.

Mit dem Austausch von vier der insgesamt sieben Top-Manager will der Aufsichtsrat wieder etwas Ruhe in das krisengeschüttelte Unternehmen bringen. Seit Bekanntwerden des Dieselskandals vor knapp zwei Jahren gilt Vorstandschef Stadler als angezählt; im Entwicklungsressort, das die Ingolstädter VW-Tochter eigentlich auf die Mobilität der Zukunft ausrichten will, kamen und gingen mehrere Manager. Massive, großteils selbstverschuldete Probleme im wichtigsten Einzelmarkt China und Milliardenrückstellungen wegen der Abgasaffäre ließen die einst erfolgsverwöhnte Marke mit den vier Ringen weiter hinter die Rivalen Mercedes und BMW zurückfallen.

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    Seit Wochen schwillt intern und extern die Kritik am Vorstand an – mit Ausnahme des erst seit Mai amtierenden Entwicklungschefs Peter Mertens, der von Volvo zu Audi kam. „Eine längere Hängepartie können wir uns nicht leisten“, sagte ein Insider. Der Aufsichtsrat müsse Entscheidungen fällen, sagte eine andere Person mit Kenntnis der Überlegungen. „Man braucht einen handlungsfähigen Vorstand.“

    Die wichtigsten juristischen Baustellen für VW

    Aktionärsklagen

    Zahlreiche Anleger verlangen von Volkswagen Schadenersatz, weil sie nach dem Bekanntwerden von „Dieselgate“ im September 2015 zunächst hohe Wertverluste bei Aktien und Anleihen hinnehmen mussten. Diese solle ihnen VW erstatten. Ihr Argument: Das Management hätte den Kapitalmarkt deutlich früher über die Probleme informieren müssen, die Ad-hoc-Mitteilung dazu sei zu spät gekommen.

    Entsprechende Vorwürfe der Marktmanipulation haben nun auch die Staatsanwaltschaft Stuttgart auf den Plan gerufen, sie ermittelt gegen VW-Konzernchef Matthias Müller. Dabei geht es um dessen Amt im Vorstand der Porsche SE, dem Haupteigner von Volkswagen. Auch Müllers Vorgänger Martin Winterkorn sowie der Ex-VW-Finanzvorstand und heutige VW-Chefaufseher Hans Dieter Pötsch sind im Visier. Zuvor hatten schon die Braunschweiger Strafverfolger solche Untersuchungen gestartet – dort außerdem gegen den VW-Kernmarken-Chef Herbert Diess. Volkswagen ist der Überzeugung, alle Regeln eingehalten zu haben.

    Das Volumen der bisherigen Anlegerklagen geht bereits in die Milliarden. Am Landgericht Braunschweig soll hierzu ein sogenanntes Kapitalanleger-Musterverfahren laufen, in dem ähnliche Ansprüche aus inzwischen gut 1500 Einzelklagen stellvertretend gebündelt verhandelt werden können. Die Sparkassen-Fondstochter Deka Investment wird dabei Musterklägerin. Das Verfahren könnte sich über Jahre hinziehen.

    Zivilklagen

    Auch viele Autobesitzer wollen Entschädigung. In den USA erreichte der Konzern für Hunderttausende betroffene Dieselautos einen Vergleich - allein für die 2,0-Liter-Wagen kostet VW das 14,7 Milliarden Dollar. Händler und US-Bundesstaaten klagten ebenfalls. Zum Vergleich für die größeren 3,0-Liter-Motoren (1,2 Milliarden Dollar) kündigte der zuständige US-Richter seine Zustimmung an.

    In Deutschland entschieden verschiedene Gerichte: Die Manipulationen bedeuten keine Pflicht zur Kaufpreis-Erstattung. Doch es gibt auch andere Urteile. Hintergrund ist die Frage, ob die Fälschungs-Software ein so großer Mangel ist, dass Kunden vom Kauf zurücktreten können. Berichten zufolge gibt es landesweit weit über 1000 Einzelklagen.

    In zahlreichen Fällen kann es laut Verbraucherschützern problematisch werden, einen konkreten Schaden zu beziffern und ihn zu beweisen. Unabhängig davon gibt es Forderungen, dass VW den Kunden auch in Europa stärker entgegenkommen müsse, etwa aus der EU-Kommission.

    Weitere Ermittlungen

    Die Staatsanwaltschaft Braunschweig ermittelt außerdem wegen des Verdachts auf Betrug, allein hier geht es - einschließlich eines Verfahrens gegen Winterkorn - um 37 Beschuldigte. Gegen 6 weitere laufen Untersuchungen im Zusammenhang mit falschen CO2-Angaben. Hinzu kommen Ermittlungen gegen einen Mitarbeiter, der zum Löschen von Daten aufgerufen haben soll. Anklagen gibt es bisher nicht.

    In den USA bot ein vom FBI erarbeitetes „statement of facts“ im Januar die Grundlage für einen 4,3 Milliarden Dollar schweren Vergleich in strafrechtlichen Fragen. Unabhängig davon geht es dort aber weiter auch um die Schuld oder Unschuld einzelner Personen. Ein VW-Manager sitzt in Haft, ein langjähriger Ingenieur hat sich in einem Verfahren schuldig bekannt, fünf weitere Mitarbeiter sind angeklagt - darunter der Ex-Entwicklungschef der Marke VW, Heinz-Jakob Neußer. Auch in anderen Ländern laufen Untersuchungen.

    Von Personalvorstand Thomas Sigi, Produktionschef Hubert Waltl, Finanzvorstand Axel Strotbek und Vertriebsvorstand Dietmar Voggenreiter berichten Insider seit Ende Juli, dass sie ihre Posten räumen sollen. Nachfolger wurden demnach innerhalb des Mutterkonzerns VW gefunden: Der langjährige Konzernmanager Wendelin Göbel, ein Vertrauter von VW-Chef Matthias Müller wie auch von Audi-Chef Stadler, solle neuer Personalvorstand in Ingolstadt werden. Über diese Personalie gebe es „keine Diskussion“, sagte einer der Insider.

    Anders sehe dies bei Kössler aus. Die Familie stoße sich an der Personalie, weil der Manager als Vertreter der leitenden Angestellten im Audi-Aufsichtsrat sitzt. Bei der Diskussion gehe es um Machtfragen zwischen Eigentümerfamilie und Arbeitnehmerseite im Aufsichtsrat. Andere Personen mit Kenntnis der Überlegungen sehen in dem Gezerre „viel Theaterdonner“. Kössler habe wie Göbel den Vorteil, dass er sich bei Audi auskenne und sich relativ schnell einarbeiten könne, sagte einer der Insider. Bei den beiden anderen Kandidaten, die bisher in anderen Positionen im VW-Konzern arbeiten, sei dies anders.

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