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07.06.2022

18:07

Wagniskapital

Porsche geht in den USA auf Start-up-Jagd

Von: Stefan Menzel

Die VW-Tochter hat bereits erfolgreich in Zukunftstechnologien investiert. Nun engagiert sich Porsche in den USA in einem neuen Beteiligungsmodell.

Der Sportwagenhersteller sieht keine Alternative zum Umbau der Autobranche mit Elektromobilität und Digitalisierung. Porsche

Porsche-Entwicklung

Der Sportwagenhersteller sieht keine Alternative zum Umbau der Autobranche mit Elektromobilität und Digitalisierung.

Düsseldorf Der Sportwagenhersteller Porsche sucht verstärkt nach neuen Start-ups aus dem Mobilitätsbereich. Dafür kooperiert die Stuttgarter Volkswagen-Tochter mit dem Start-up-Inkubator UP.Labs aus den USA und investiert einen zweistelligen Millionenbetrag. Wie Porsche am Dienstag mitteilte, sollen bis 2025 sechs neue Unternehmen gegründet werden.

Bei Porsche hat die Start-up-Förderung bereits Tradition. Zuletzt hatte sich die VW-Tochter an einem Unternehmen für die Batteriezellfertigung beteiligt, das mit neuen Materialien Leistung und Reichweite der Akkus steigern will. Das erfolgreichste Start-up aus dem Porsche-Portfolio ist der kroatische Autozulieferer Rimac, der auch selbst Elektroautos der Luxusklasse produziert.

Die Start-ups, die Porsche zusammen mit UP.Labs identifizieren und unterstützen will, sollen eine starke Bindung zur Autobranche und zum Mobilitätsbereich besitzen. Zu den möglichen Einsatzbereichen gehören die digitale Wartung eines Autos, der Onlinevertrieb oder die Analyse der Lieferketten.

Die Vereinbarung sieht vor, dass Porsche zunächst eine Minderheitsbeteiligung an den neuen Unternehmen erwirbt. Nach drei Jahren ist auch eine vollständige Übernahme möglich. Die ersten zwei Start-ups sollen noch in diesem Jahr gegründet werden.

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    „Wir wollen unser bestehendes, breit aufgestelltes Start-up-Ökosystem mit einem externen Wachstumsmotor stärken“, sagte Lutz Meschke, Finanz- und Beteiligungsvorstand bei Porsche, über die Kooperation mit UP.Labs. Damit sichere sich Porsche den „Zugang zu internationalen Talenten und deren Know-how“.

    Die Batteriezelle ist der Brennraum der Zukunft. Porsche-Chef Oliver Blume

    Die Start-ups sollen Porsche mit ihrem Wissen dabei helfen, die anstehende Transformation der Autobranche mit Elektromobilität und Digitalisierung besser zu bewältigen. Mit den jungen Unternehmen will sich der Autobauer „neue Innovationsquellen erschließen“, wie es hieß. Porsche engagiert sich seit 2016 in der Start-up-Szene und ist an etwa 40 Unternehmen mit neuen Geschäftsmodellen und neuen Technologien beteiligt.

    UP.Labs soll direkt mit dem Sportwagenhersteller zusammenarbeiten, um Start-ups zu entwickeln, die auf das Porsche-Geschäftsmodell zugeschnitten werden können. Die Stuttgarter bekommen damit die Möglichkeit, die Unternehmen in die eigene Organisation zu integrieren.

    UP.Labs hat neue Art der Beteiligungsplattform entwickelt

    „Das Konzept verbindet die Vorteile der freien Start-up-Entwicklung am Markt – beispielsweise durch die Beteiligung aller Mitarbeiter am Unternehmenserfolg – mit der direkten Einbindung unserer Mitarbeiter und einer engen Bindung zu Porsche“, erklärte Meschke die Besonderheiten der UP.Labs-Kooperation.

    Das Unternehmen aus Los Angeles hat eine neue Art von Beteiligungsplattform entwickelt. Das US-Team besteht aus erfahrenen Unternehmern sowie Produkt- und Technologieexperten, die in Partnerschaft mit anderen Firmen bereits erfolgreich Start-ups entwickelt haben. Porsche ist nun der erste größere Partner von UP.Labs, der von außen dazukommt und der die Gründung von Start-ups aus der Sicht eines Autoherstellers unterstützt.

    UP.Labs ist Teil eines Konsortiums von Unternehmen, die sich allesamt darauf konzentrieren, die Zukunft der Mobilität und die damit verbundene Transformation voranzubringen. Das sogenannte „UP.Partners-Ökosystem“ umfasst einen 250-Millionen-Dollar-schweren Wagniskapitalfonds, der in die gegründeten Unternehmen investieren wird. An zweiter Stelle leistet Porsche dann eine ergänzende Finanzierung.

    Porsche setzt weiterhin auf den „kroatischen Elon Musk“. Porsche AG

    Mate Rimac

    Porsche setzt weiterhin auf den „kroatischen Elon Musk“.

    Der Sportwagenhersteller sieht keine Alternative zum Umbau der Autobranche mit Elektromobilität und Digitalisierung. Die eigene Elektrifizierungsquote hat Porsche in den vergangenen zwei Jahren immer weiter erhöht. Heute kalkuliert die Volkswagen-Tochter damit, dass der Anteil der reinen Elektrofahrzeuge im Jahr 2030 bei den Verkäufen bei gut 80 Prozent liegen wird.

    Reine Elektromodelle sind dabei zentral für die Strategie. Plug-in-Hybride mit Verbrennungs- und Elektromotor haben derzeit in der aktuellen Übergangsphase zwar noch eine relativ große Bedeutung, werden im weiteren Verlauf des Jahrzehnts jedoch immer unwichtiger.

    Porsche setzt auf Innovationsvorsprung in der Batteriezelle

    Deshalb sucht Porsche nach jungen Unternehmen, mit denen man eine Vorrangstellung bei den Batterien einnehmen kann. „Die Batteriezelle ist der Brennraum der Zukunft“, hat Porsche-Chef Oliver Blume mehrfach betont. Zunächst hatte sich der Wagniskapitalableger Porsche Ventures im vergangenen Jahr am Batteriespezialisten Customcells beteiligt, mit dem die Stuttgarter in einem Joint Venture Batteriezellen fertigen wollen.

    Anfang Mai folgte dann der zweite Schritt in Sachen Batterie mit der Beteiligung am jungen US-Unternehmen Group14 Technologies. Porsche investiert dort 100 Millionen Dollar, um sich den Zugang zu einer besseren und leistungsfähigeren Zelltechnologie zu sichern. Group14 Technologies arbeitet daran, verstärkt Silizium in den Batteriezellen einzusetzen. Die technisch verbesserten Zellen wollen Porsche und Customcells dann gemeinsam produzieren.

    Die Chance auf einen großen Innovationssprung liegt im neuartigen siliziumhaltigen Anodenmaterial einer Batteriezelle begründet, das die Batterien leistungsfähiger macht. Dadurch können diese bei gleicher Größe bis zu 50 Prozent mehr an Energie speichern. Für die elektrischen Porsche-Modelle heißt das ganz konkret: mehr Reichweite.

    Der Autozulieferer Rimac hat sich in den vergangenen Jahren zur erfolgreichsten Start-up-Beteiligung von Porsche entwickelt. Aus den ersten kleineren Anfängen hat sich inzwischen ein etabliertes Unternehmen mit mehr als 1000 Beschäftigten entwickelt. Firmengründer Mate Rimac ist wiederholt als „kroatischer Elon Musk“ bezeichnet worden.

    Vor einer Woche hat sich Porsche in einer weiteren Finanzierungsrunde mit einem zweistelligen Millionenbetrag noch einmal an Rimac beteiligt. Zusammen mit anderen Investoren sind insgesamt 500 Millionen Euro zusammengekommen. Porsche hatte 2018 erstmals in das Unternehmen investiert und seine Anteile nach und nach aufgestockt. „Mit neuen Investoren an Bord baut Rimac seine Position in der Elektromobilität weiter aus und wird damit zu einem noch stärkeren Partner für Porsche“, erklärte Finanzvorstand Meschke.

    Das Elektroauto-Start-up hat sein Fahrzeuggeschäft im vergangenen Jahr mit der VW-Konzernmarke Bugatti zusammengeschlossen. Porsche hält an dem Joint Venture 45 Prozent, der Rest liegt bei der Rimac-Holding. In einer zweiten Sparte hat Rimac das Zuliefergeschäft gebündelt. Diese Sparte, die Teile wie Batterien, Elektroachsen und Unterhaltungselektronik für andere Autobauer zuliefert, soll mit dem frischen Geld gestärkt werden.

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