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27.04.2017

10:24 Uhr

Weltmarktführer steigert Gewinn

BASF profitiert vom Chemieboom

VonSiegfried Hofmann

Die Chemiebranche kann sich über einen sehr starken Start ins Jahr 2017 freuen. Diesen Trend bestätigte nun auch Branchenführer BASF mit Zahlen, die durchweg über den Prognosen und Erwartungen von Analysten lagen.

Der größte deutsche Chemiekonzern legt starke Zahlen für das erste Quartal vor. AFP

BASF in Ludwigshafen

Der größte deutsche Chemiekonzern legt starke Zahlen für das erste Quartal vor.

FrankfurtBei einem Umsatzwachstum von 19 Prozent auf 16,8 Milliarden Euro konnte der Ludwigshafener Chemieriese seinen bereinigten Betriebsgewinn um 29 Prozent auf knapp 2,5 Milliarden Euro und den Nettogewinn um 23 Prozent auf 1,7 Milliarden Euro verbessern. Er lag damit um drei bis sieben Prozent über den ohnehin bereits optimistischen Prognosen vieler Analysten.

Die sehr starke Verfassung des Chemiegeschäfts hatten zuvor unter anderem bereits der US-Konzern Dupont, die niederländische Akzo Nobel und der aus Bayer ausgegliederte Kunststoffhersteller Covestro mit unerwartet guten Zahlen für das erste Quartal unterstrichen. Covestro wartete sogar mit 25 Prozent Umsatzwachstum und einem gegenüber dem Vorjahr verdoppelten Betriebsgewinn auf.

Die größten Chemiekonzerne der Welt

Platz 10

Covestro (Deutschland)
Der Werkstoffhersteller aus Leverkusen verweist den letztjährigen Zehntplatzierten, das US-Unternehmen PPG Industries, in seine Schranken und gehört nun mit einem Verdienst in Höhe von 16,94 Milliarden US-Dollar selbst zu den zehn umsatzstärksten Chemieunternehmen der Welt. Covestro firmierte bis 2015 als Bayer Material Science, spaltete sich dann aber vom Chemiekonzern ab – mit Erfolg.

Quelle: Unternehmensangaben, Statista 2018 / Gesamtjahr 2017, jeweils letzte verfügbare Angaben

Platz 9

Akzo Nobel (Niederlande)

In der Branche der Farben und Lacke hat der Hersteller mit Sitz in Amsterdam eine marktführende Position inne. Unter allen Chemieunternehmen kann sich Akzo Nobel mit einem Umsatz von 17,46 Milliarden US-Dollar immerhin auf dem neunten Rang positionieren.

Platz 8

Linde (Deutschland)
Der deutsche Technologiekonzern mit dem Kerngeschäft um Gase und Prozess-Anlagen hat im letzten Jahr 20,5 Milliarden US-Dollar Umsatz gemacht und erreicht so den achten Platz im Unternehmensranking.

Platz 7

Henkel (Deutschland)
Der Düsseldorfer Konzern gliedert sich in drei Unternehmensbereiche: Wasch-/Reinigungsmittel, Schönheitspflege und Klebstoffe. 2017 fuhr das Unternehmen einen Jahresumsatz von 23,99 Milliarden US-Dollar ein. Damit konnte Henkel seinen Verdienst zwar im Vergleich zum Vorjahr um rund ein Fünftel steigern, wird im Ranking aber dennoch von einer anderen Firma überholt.

Platz 6

Air Liquide (Frankreich)
Nach einem Umsatzplus von mehr als einem Viertel ist das führende, französische Unternehmen bei Gasen für Industrie, Medizin und Umweltschutz der neue Sechstplatzierte. 24,38 Milliarden US-Dollar konnten 2017 eingenommen werden. Mit Linde und Praxair zählt Air Liquide zu den drei größten Industriegaseherstellern der Welt.

Platz 5

Lyondell Basell (USA)
Im Mittelfeld des Rankings und mit 34,48 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz landet Lyondell Basell. Der weltweit größte Produzent von Polyolefinen und Katalysatoren betreibt zudem Erdölraffinerien und produziert Treibstoffzusätze wie MTBE.

Platz 4

Saudi Basic Industries (Saudi-Arabien)
Unverändert auf dem vierten Platz befindet sich der saudi-arabische Chemie- und Metall-Konzern Saudi Basic Industries. Mit 35,41 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz reicht es für den Hersteller von Methanol, Ethanol und Düngemittel weiter nicht für den Sprung unter die Top 3 – gerade in Anbetracht des gesunkenen Verdienstes (minus 11,55 Prozent) rückt das Podium nun auch in weitere Ferne.

Platz 3

Bayer (Deutschland)
Der deutsche Konzern muss seinen zweiten Platz an zwei fusionierte Konkurrenten abtreten. Auch der Umsatz geht auf 41,95 Milliarden US-Dollar zurück (minus 17,28 Prozent). Das Unternehmen mit Schwerpunkt auf der chemischen und pharmazeutischen Industrie plant allerdings weiter selbst eine Megafusion mit Monsanto. Damit möchte das Unternehmen seine Agrarchemie-Sparte um genverändertes Saatgut erweitern. Um diese umstrittene Fusion unter Dach und Fach zu bringen, sind Bayer und Monsanto bereit, milliardenschwere Firmenteile zu verkaufen.

Platz 2

Dow Dupont (USA)
Zum 1. September des vergangenen Jahres wurde die Fusion der beiden US-Unternehmen Dupont und Dow Chemical vollzogen. Das neugeschaffene Unternehmen sichert sich mit einem gemeinsamen Umsatz in Höhe von 62,48 Milliarden US-Dollar zunächst mit weitem Abstand den zweiten Rang im Unternehmensranking. Es ist weiterhin geplant, das Gemeinschaftsunternehmen in drei börsennotierte Unternehmen für Agrarchemikalien, Spezialchemikalien und Kunststoffe aufzuspalten.

Platz 1

BASF (Deutschland)
Unveränderter Spitzenreiter mit 77,24 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz: BASF. Der nach Umsatz und Marktkapitalisierung weltweit größte Konzern, mit Hauptsitz in Ludwigshafen am Rhein, wird sich angesichts der Megafusionen in der Branche künftig neu positionieren müssen. Dabei würde aber, laut Unternehmensführung, mehr Wert auf die Wettbewerbsfähigkeit der bestehenden Geschäftsfelder als an Größe an sich gelegt werden.

Die meisten Experten gehen indessen davon aus, dass man das sehr hohe Tempo über das Gesamtjahr hinweg nicht durchhalten wird. Auch BASF-Chef Kurt Bock zeigte sich ungeachtet der starken Quartalszahlen relativ vorsichtig. „Wir sehen nach wie vor erhebliche Risiken mit Blick auf die makroökonomische Entwicklung und das politische Umfeld“, sagte er.

Seinen bisherigen Ausblick, der ein Umsatzplus von mindestens sechs Prozent und eine Steigerung des Ebit um bis zu zehn Prozent vorsieht, hat der Ludwigshafener Konzern im Wesentlichen bestätigt. Bock demonstriert etwas erhöhte Zuversicht nur insofern, als er nun einen Gewinnanstieg am oberen Ende der Spanne erwartet.

Kunststoffvorprodukt TDI: BASF blamiert sich mit Vorzeigeprojekt

Kunststoffvorprodukt TDI

BASF blamiert sich mit Vorzeigeprojekt

Bei der neuen Anlage für das Kunststoffvorprodukt TDI häufen sich die Probleme. Das Milliardenvorhaben wird erst 2018 voll laufen – drei Jahre später als geplant. Der Konzern verpasst damit einen ungewöhnlichen Boom.

Vor allem mit Blick auf das zweite Halbjahr bleibt der BASF-Chef aber zurückhaltend. Man habe zwar einen guten überblick über die Entwicklung in den nächsten zwei bis drei Monaten. „Aber nach der Sommerpause werden wir erst wirklich sehen, wie es weiter läuft“, sagte er in einer Telefonkonferenz.

Auch andere Branchenvertreter rechnen mit einer gewissen Normalisierung im Jahresverlauf. Lanxess-Chef Matthias Zachert sprach jüngst sogar von einer „abnorm hohen“ Nachfrage zum Jahresauftakt. Hintergrund ist die Einschätzung, dass das Geschäft zum Teil davon getrieben wird, dass weiterverarbeitende Unternehmen in Erwartung steigender Preise ihre Vorräte aufstocken. Positiv wirkt ferner die Tatsache, dass sich in Teilbereichen der Chemie die Kapazitäten aufgrund von Anlagenausfällen und Bauverzögerungen verengt hatten. Das hat die Margen zusätzlich befeuert, könnte sich im Laufe des Jahres aber wieder normalisieren.

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