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13.08.2019

10:26

WLTP-Norm

Mercedes und BMW hängen VW bei den verschärften Abgastests ab

Von: Stefan Menzel

VW ist zwar auf die bevorstehende Verschärfung der Abgas- und Zulassungsnorm besser vorbereitet als im Vorjahr. Doch BMW und Mercedes kommen besser voran.

VW: BMW & Mercedes besser auf verschärfte Abgasnorm vorbereitet dpa

WLTP-Abgastest

Mercedes und BMW kommen mit der verschärften Abgas- und Zulassungsnorm besser voran als VW.

Düsseldorf Ziemlich genau vor einem Jahr haben vier Buchstaben vielen Automobilmanagern einen großen Schrecken eingejagt: WLTP. Die Abkürzung steht für „Worldwide Harmonized Light-Duty Vehicles Test Procedure“. Zum 1. September 2018 waren die neuen verschärften Abgasvorschriften in Kraft getreten, die für deutlich mehr saubere Autos auf den Straßen sorgen sollen.

Doch insbesondere der Volkswagen-Konzern hatte große Probleme damit, alle seine Modelle rechtzeitig durch die neuen Prüfprogramme zu schicken. Deshalb musste die Produktion zum Teil drastisch zurückgefahren werden. Audi und Porsche bekamen die Folgen noch in diesem Jahr zu spüren.

Zum 1. September 2019 steht die nächste Verschärfung der WLTP-Normen an. Die Autos werden jetzt länger und ausdauernder darauf getestet, dass sie in ruhendem Zustand Kraftstoffdämpfe nur in bestimmten Grenzen an die Umwelt abgeben.

Die Verdunstungstests betreffen vor allem Autos mit Benzinmotoren. Diesel hat andere chemische Eigenschaften und verflüchtigt sich kaum. Außerdem müssen die Fahrzeuge so ausgestattet sein, dass sie auch als Gebrauchtwagen bis zu einem Alter von fünf Jahren aktuelle Grenzwerte einhalten. Überprüfungen der Gebrauchtwagenflotten werden damit künftig zum Standard.

Für die Automobilindustrie ist die Einführung von „WLTP Stufe zwei“ wieder mit einem gehörigen Prüfaufwand verbunden. Die einzelnen Modelle und Varianten müssen erneut auf die Teststände geschickt werden und stundenlange Prüfzyklen durchlaufen.

Vor einem Jahr bei der ersten WLTP-Stufe sorgte vor allem ein Mangel an Prüfständen dafür, dass etliche Autos nicht rechtzeitig zum Stichtag 1. September fertig geworden waren. Volkswagen hatte sich deshalb entschlossen, die Produktion Tausender Autos vorzuziehen.

Zulassungsbehörden kennen kein Pardon

Besonders spektakulär war damals die Entscheidung von VW, vorproduzierte Neuwagen am Berliner Flughafen BER über Wochen hinweg abzustellen. Etwa 250.000 Autos waren damals im gesamten Konzern vorproduziert worden.

Die Zulassungsbehörden kennen kein Pardon: Nach dem 1. September dürfen Neuwagen nur noch dann verkauft werden, wenn sie den neuen Testzyklus durchlaufen haben und den zusätzlichen WLTP-Vorgaben bei Verdunstung und im Gebrauchtwagen-Test entsprechen. Das Prozedere hat einen komplizierten Namen bekommen: Wenn die Autos die Vorgaben nach „Euro-6d-TEMP EVAP-ISC“ erfüllen, dann erkennen Kunden daran, dass mit diesen Neuwagen alles in Ordnung ist.

Die meisten Automobilkonzerne geben wenige Wochen vor dem Inkrafttreten der verschärften WLTP-Bestimmungen Entwarnung – dieses Jahr werde es nicht mehr so schlimm wie 2018. Das gilt insbesondere für die beiden süddeutschen Hersteller von Premiumautos.

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„Alle Fahrzeuge sind rechtzeitig umgestellt worden“, sagt ein Mercedes-Sprecher in Stuttgart. „Wir sind damit auch durch“, ergänzt ein BMW-Sprecher in München. Bei einigen Modellen sind Mercedes und BMW ihrer Zeit sogar voraus: Sie erfüllen schon die nächste WLTP-Verschärfung, die zum 1. Januar 2020 in Kraft treten wird.

Bei Volkswagen in Wolfsburg sieht die Sache etwas anders aus als bei den beiden süddeutschen Konkurrenten. Zwar sichert auch VW zu, dass sich die Probleme aus dem Spätsommer 2018 nicht in derselben Schärfe wiederholen werden. „Wir kommen bei der Umstellung unserer Modellpalette gut voran“, hebt ein VW-Sprecher hervor, „die Effekte werden deutlich geringer ausfallen als letztes Jahr.“

Volkswagen hat es in diesem Jahr aber noch nicht geschafft, mit der kompletten WLTP-Umstellung fertig zu werden. Das bestätigt auch der Unternehmenssprecher in Wolfsburg.

Immerhin gebe es einen deutlichen Unterschied zum vergangenen Jahr, als kaum ein Modell rechtzeitig zum Stichtag 1. September fertig geworden war. In diesem Spätsommer hielten sich die Einschränkungen in Grenzen, mehr als 90 Prozent der Modelle der Marke Volkswagen Pkw seien schon jetzt umgestellt worden. „Die wenigen verbleibenden Varianten folgen sukzessive in den darauffolgenden Wochen“, verspricht der Volkswagen-Sprecher.

Deutschlands größter Automobilclub, der ADAC, führt akkurat Buch über die Umstellung auf die neuen WLTP-Normen. Der ADAC hat eine ständig aktualisierte Liste darüber angelegt, wie viele Modelle tatsächlich schon die neuen Vorgaben nach „Euro-6d-TEMP EVAP-ISC“ erfüllen und deshalb problemlos nach dem 1. September beim Autohändler gekauft werden können.

Nach den jüngsten Angaben des Automobilclubs ist Mercedes der klar führende Spitzenreiter unter den deutschen Automobilherstellern. Mehr als 200 Mercedes-Modelle erfüllen die neuen WLTP-Normen. Bei BMW sind es 170, von der britischen Tochter Mini kommen weitere 27 WLTP-geprüfte Modelle dazu.

Der Abstand zu Volkswagen ist klar erkennbar: In der ADAC-Liste tauchen bislang 108 Modelle auf, die die künftig geltenden WLTP-Normen erfüllen. Bei der Premiumtochter Audi sieht es ähnlich aus: 105 Modellvarianten entsprechen den neuen Vorgaben.

Die unmittelbar vergleichbaren Premiumkonkurrenten Mercedes und BMW sind also deutlich weiter. Die spanische Volkswagen-Tochter Seat bringt es auf 17 Modelle, bei Skoda aus Tschechien sind es 42 und bei der Stuttgarter Sportwagentochter Porsche 36.

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