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04.08.2019

10:53

Zukunft der Mobilität

Hotspot Tel Aviv: Warum Israel für Daimler, BMW und andere so wichtig für das autonome Fahren ist

Von: Pierre Heumann

In Tel Aviv wird an der Zukunft der Mobilität gearbeitet. Das Know-how kommt von der Armee. Ab September ist auch BMW mit Forschern vor Ort.

In Israel wird intensiv an der Zukunft der Mobilität gearbeitet.

Straßen von Tel Aviv

In Israel wird intensiv an der Zukunft der Mobilität gearbeitet.

Tel Aviv Wenn Adi Ofek, die seit 2016 die Forschungs- und Entwicklungsabteilung von Mercedes-Benz in Israel leitet, aus ihrem Büro im 23. Stock auf den zähen Verkehrsfluss im Geschäftszentrum von Tel Aviv blickt, wird klar, wie wichtig ihr Job ist. In den vergangenen 17 Jahren hat sich die Zahl der Autos auf den Straßen um 84 Prozent erhöht, die Straßenfläche ist aber lediglich 45 Prozent größer geworden. Staus und Schneckentempo gehören deshalb wie in den meisten anderen Metropolen zum Alltag.

Ofeks Herausforderung ist aber nicht die Lösung israelischer Verkehrsprobleme. Zusammen mit ihren 22 Mitarbeitern soll sie im Auftrag von Daimler technologische Fortschritte israelischer Start-ups im Bereich der intelligenten Mobilität ausfindig machen, die für den Autobauer nutzbar gemacht werden können. Eine bessere Vernetzung der Verkehrsteilnehmer und autonome Ridesharing-Techniken könnten den verstopften Straßen entgegenwirken.

Daimler ist nicht der einzige Autobauer, der in Israel forscht oder mit einem Team die Jungunternehmen auf neue Technologien abklopft. Auch die Volkswagen-Gruppe ist mit Porsche, Skoda, Seat und Audi vertreten. Ab September kommt auch BMW dazu. Ebenfalls vor Ort: Ford, Renault und Nissan.

Israel hat zwar keine eigene Autoproduktion. Aber mit seiner hohen Zahl an Ingenieuren auf engem Raum, den führenden Hochschulen und der High-Tech-Expertise, die aus der Armee kommt, ist es zu einem internationalen Forschungs- und Entwicklungszentrum für die Mobilität der Zukunft geworden.

Seit 2013 sind laut Marktkennern rund sechs Milliarden US-Dollar in Start-ups der High-Tech-Mobilität geflossen. Die Zahl der Mobilitäts-Start-ups sei in den vergangenen sechs Jahren von 87 auf 644 gestiegen. Sie machten laut Orlie Dahan von Ecomotion inzwischen zehn Prozent aller Start-ups in Israel aus. Ecomotion ist ein Interessenverband, dem sich mehr als 600 Jungunternehmen angeschlossen haben.

Keine reine Männerdomäne

Die weltweite Autoindustrie ist zwar überwiegend eine Männerdomäne. Aber in Israel setzen Volkswagen, Audi, Porsche und Daimler bei der Forschung auf Frauen. Bei VW geben Stephanie Vox und Hemdat Sagi den Ton an, bei Porsche Talia Rafaeli, bei Daimler ist es Adi Ofek. Bei der Cyberfirma Cymotive, die zu 40 Prozent Volkswagen gehört, leitet die 27-jährige Urit Lanzet die Forschungsabteilung. Dar Kahllon ist für das Team verantwortlich, das sich um Cybersecurity kümmert.

Die starke weibliche Präsenz hat viel damit zu tun, dass Frauen, die im Alter von 18 Jahren rekrutiert werden, in der israelischen Armee gleiche Startchancen und Möglichkeiten haben wie Männer – auch auf technischen Gebieten. Ein großer Teil der Cybersecurity-Expertise entsteht in der Armee-Einheit 8200, in der junge Menschen zu Cyberspionen ausgebildet werden. Die größte Einheit der israelischen Armee ist für die Fernmelde- und elektronische Aufklärung sowie für die Entschlüsselung der Codes zuständig.

Sowohl männliche als auch weibliche Soldaten arbeiten mit Big Data, analysieren Algorithmen und lernen, im Team und unter Zeitdruck Probleme zu lösen. Die Frauen werden nach zwei Jahren aus der Armee entlassen, die Männer nach knapp drei Jahren. Danach reißen sich die Cyberfirmen um sie. „Die Armee ist das größte Start-up Israels und vielleicht der Welt“, sagte kürzlich der Generalstabschef Aviv Kochavi.

Adi Ofek arbeitet im Auftrag von Daimler in Tel Aviv. Thomas Berger für Handelsblatt

Adi Ofek

Adi Ofek arbeitet im Auftrag von Daimler in Tel Aviv.

Lanzet und ihre Kollegin Kahllon – beide ehemalige Soldatinnen in der Cyber-Einheit 8200 – wenden ihr Armee-Wissen bei Cymotive das an. „Weil die Hackerangriffe auf vernetzte Autos zunehmen und die Angriffsflächen größer werden, müssen Cybersicherheitsfirmen Teil des Innovationsprozesses sein“, sagt Lanzett, während sie durch die Labors von Cymotive führt. Der Weg führt vorbei am „Penetration Lab“, wo in Computersimulationen die Abwehr von Angriffen durchgespielt wird.

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