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Zukunft der Mobilität

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Sensible Information

Cymotive wurde vor drei Jahren zusammen mit Volkswagen von drei israelischen Cyberexperten gegründet. Unter ihnen ist Yuval Diskin, der von 2005 bis 2011 den israelischen Inlands-Geheimdienst Shabak leitete. „Autoproduzenten werden zu Big-Data-Unternehmen“, sagt der 63-Jährige. Künftig seien viele Informationen im Wagen gespeichert, zum Beispiel Zielorte, Kreditkartennummern und andere persönliche Angaben. „Die Autoindustrie durchläuft eine dramatische Revolution“, prognostizierte Diskin auf der Paris Motor Show im Oktober 2018. Deshalb investiere die Branche immer mehr in den Schutz vor Cyberangriffen.

Die Volkswagen-Gruppe ist in Israel nicht nur bei Cymotive engagiert. Vor drei Jahren investierte der Wolfsburger Autobauer 300 Millionen US-Dollar in den Mobilitätsdienst Gett und pries das Engagement als „Meilenstein“. Mittlerweile sieht man das bei VW etwas nüchterner „An den bisherigen Beteiligungsverhältnissen an Gett hat sich nichts geändert“, heißt es zwar offiziell in Wolfsburg. Gett werde jetzt aber von VW als „Auslaufmodell“ betrachtet, hört man in Branchenkreisen, nachdem das israelische Taxi-Start-up von Konkurrenten wie Uber oder Lyft überholt worden ist.

Optimistischer wertet man bei Volkswagen das Joint Venture mit der Jerusalemer Intel-Tochter Mobileye, die Systeme und Technologien für die Sicherheit im Auto entwickelt und das autonome Fahren vorantreibt. Die Zusammenarbeit sieht vor, dass Volkswagen die Elektrofahrzeuge bereitstellt, während Mobileye eine schlüsselfertige Lösung eines selbstfahrenden Systems beisteuern soll.

Israels Regierung hat sich verpflichtet, das Pilotprojekt zu unterstützen. VW-Chef Herbert Diess sagte im Oktober, er sei „fest davon überzeugt“, dass selbstfahrende Elektrofahrzeuge in Israel und weltweit „sichere, saubere und emissionsfreie Mobilität bieten werden“.

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    Mit Mobileye hat auch BMW gemeinsame Entwicklungsprojekte aufgesetzt. Mit der bevorstehenden Eröffnung der Tel Aviver Scoutingstelle werde die Zusammenarbeit mit bestehenden und neuen Partnern intensiviert, heißt es bei BMW.
    Vor einem Jahr eröffnete Volkswagen in Tel Aviv Konnect, ein Innovation Hub für neue Formen der Mobilität. „Wir sind in Israel, um passende Technologien zu finden und in die Volkswagen-Gruppe zu integrieren“, sagt Stephanie Vox, die ein Team von sechs Mitarbeitern leitet und seit neun Jahren bei VW arbeitet. Drei Marken der Volkswagen-Gruppe – Porsche, Skoda und Seat – sind in Israel zudem mit lokalen Teams vertreten.

    Porsche unterhält eine eigene Scoutingstelle in Tel Aviv. Geleitet wird die Stelle von Talia Rafaeli, die zuvor im Investmentbanking und Assetmanagement sowie für Wagniskapitalfirmen in Tel Aviv gearbeitet hat. 2018 beteiligte sich der Premiumhersteller zusammen mit Daimler und Skoda am Daten-Start-up Anagog. Das Unternehmen programmiert eine Software, die KI-Lösungen für Mobilität entwickelt – beispielsweise für intelligentes Parken.

    Porsche und BMW sind zudem an Lidar-Sensoren (Light Detection and Ranging) interessiert, die beim autonomen Fahren zusätzlich zu Kameras eingesetzt werden können. Dazu kooperiert BMW mit dem Start-up Innoviz, das vor drei Jahren gegründet wurde und dessen Wert heute auf rund 550 Millionen US-Dollar geschätzt wird. Lidar-Sensoren sollen bei BMW ab 2021 in autonomen und halb-autonomen Fahrzeugen eingebaut werden.

    Auch 3DSignals, ein Start-up aus einem Vorort von Tel Aviv, ist für die Autobauer interessant. Es horcht mit Mikrofonen Maschinen aus und wertet mithilfe Künstlicher Intelligenz die Aufnahmen aus. Läuft etwas nicht optimal, schlägt das 3D-System Alarm. Die Software soll nicht nur den Produktionsprozess in Fabriken, sondern entlang der Wertschöpfungskette auch bei den Zulieferern überwachen.

    Auch im Bahnverkehr bahnt sich eine Kooperation an. So hat Knorr-Bremse im März 21,3 Prozent an RailVision erworben. Das israelische Start-up entwickelt Systeme, um Hindernisse im Schienenverkehr zu erkennen – wichtig für das automatisierte Zugfahren.

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