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07.06.2022

17:49

Zulieferer

Schaeffler gründet Wasserstoff-Joint-Venture mit Faurecia und Michelin

Von: Roman Tyborski, Gregor Waschinski

Gemeinsam wollen die Autozulieferer Brennstoffzellen für bis zu 15.000 Wasserstoffautos bauen. Hinter der deutsch-französischen Allianz steckt auch politisches Kalkül.

Der Schaeffler-Chef sieht im Joint Venture mit Michelin und Faurecia eine langfristige Investition. imago images/argum

Klaus Rosenfeld

Der Schaeffler-Chef sieht im Joint Venture mit Michelin und Faurecia eine langfristige Investition.

Paris, Düsseldorf Schaeffler verstärkt sein Engagement im Bereich der Wasserstoffantriebe. Das deutsche Unternehmen kooperiert mit Symbio, einem Gemeinschaftsunternehmen der französischen Zulieferer Faurecia und Michelin. Am Dienstag verkündeten die Unternehmen in Paris die Gründung des Joint Ventures „Innoplate“.

Im französischen Haguenau wird das Gemeinschaftsunternehmen seinen Sitz haben. Bis 2030 sollen dort mehr als 120 Mitarbeiter an Brennstoffzellenantrieben arbeiten. Der Produktionsstart ist für 2024 geplant.

Symbio bringt in das Gemeinschaftsunternehmen die Systemkompetenz für die Herstellung der Brennstoffzelle mit ein, Schaeffler liefert die dazu benötigten metallischen Bipolarplatten, wie Schaeffler-Chef Klaus Rosenfeld im Gespräch mit dem Handelsblatt sagt. Die Bipolarplatten sind eine Kernkomponente des Brennstoffzellensystems. Sie sorgen unter anderem für eine elektrische Verbindung der Zellen im Brennstoffzellensystem.

„Durch den Aufbau dieses deutsch-französischen Projekts wird zudem die europäische Wertschöpfungskette für Mobilität durch Wasserstoff gestärkt“, teilten Schaeffler und Symbio mit. Wasserstoff gehört zu den industriellen Prioritäten der Europäischen Union. Durch gemeinsame Investitionen soll mehr grüner Wasserstoff erzeugt und die dazugehörige Infrastruktur aufgebaut werden. Sowohl in der Industrie als auch in der Mobilität könnte dieser grüne Wasserstoff genutzt werden. Der Deal der Autozulieferer hat also auch eine politische Dimension.

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Standort erkennen

    Vor allem Deutschland und Frankreich loten die Möglichkeiten für eine engere Zusammenarbeit beim Wasserstoff aus. Anfang 2021 hatten der französische Gasspezialist Air Liquide und der deutsche Energietechnikkonzern Siemens Energy eine Partnerschaft beim Geschäft mit grünem Wasserstoff verkündet. Die Unternehmen entwickeln gemeinsam Elektrolyseure zur Herstellung von Wasserstoff. Frankreichs Wirtschaftsminister Bruno Le Maire fordert, dass sich Paris und Berlin „gemeinsame Ziele bei den Zukunftstechnologien im Energiebereich setzen, etwa beim Wasserstoff“.

    Wasserstoffantriebe spielen bislang kaum eine Rolle

    Am ersten gemeinsamen Standort in Haguenau seien am Anfang signifikante Investitionen nötig, um die Produktionstechnologie aufzubauen, so Rosenfeld. Alle Partner investieren zu Beginn 100 Millionen Euro in das Joint Venture. Bis 2030 will das Gemeinschaftsunternehmen um Schaeffler, Faurecia und Michelin rund 50 Millionen Biopolarplatten jährlich herstellen. Zum Produktionsstart sollen es rund vier Millionen sein. Laut Symbio-Vorstandschef Philippe Rosier ließen sich damit etwa 15.000 Wasserstofffahrzeuge ausstatten – ein ehrgeiziger Plan angesichts der aktuellen Zulassungszahlen von Wasserstoffautos.

    So wurden laut Daten des Marktbeobachters Jato Dynamics im vergangenen Jahr weltweit gerade einmal 15.500 Pkw mit Wasserstoffantrieb abgesetzt. Produziert werden die Fahrzeuge fast ausschließlich durch die japanischen Herstellern Toyota und Hyundai. Andere große Autohersteller wie Volkswagen oder Mercedes fokussieren sich hingegen auf die batterieelektrische Mobilität.

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    Laut Symbio hat das Joint Venture bereits einen Kunden aus dem Autobereich. Die Beschreibung könnte auf die Opel-Mutter Stellantis passen, die mit Symbio im Wasserstoffbereich bereits zusammengearbeitet hat.

    Ende April hatte Stellantis zwei ranghohe Personalien verkündet: Jean-Michel Billig, zuvor beim Schiffbauer Naval Group, soll Ende Juni als Chief Technology Officer für die Entwicklung von Fahrzeugen mit Wasserstoff-Brennstoffzellen bei dem internationalen Autokonzern anfangen. Außerdem werde Opel-Chef Uwe Hochgeschurtz als zusätzliche Aufgabe die „weltweite Steuerung der Kommerzialisierung von Wasserstoff-Brennstoffzellenfahrzeugen“ übernehmen.

    Die niedrigen Zulassungszahlen bei Fahrzeugen mit Wasserstoffantrieben lassen dennoch die Frage aufkommen, wie zukunftsfähig das Joint Venture am Ende ist. „Wir verstehen das Wasserstoff-Joint-Venture als langfristige Zukunftsinvestition“, sagt Rosenfeld. Der erste Kunde des Joint Ventures habe zudem nicht nur den Pkw-Bereich im Blick. Beliefert werden solle auch der Markt der Nutzfahrzeuge. Der Schaeffler-Chef ist daher zuversichtlich: „Wenn der Hochlauf erfolgreich sein wird, dann wird es ganz sicher nicht das letzte Werk dieser Art sein, das wir aufbauen“, sagt er.

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