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14.06.2022

18:25

Zweifel an der Lobbyarbeit

Stellantis verlässt Autoherstellerverband Acea

Von: Stefan Menzel

Der europäische Autoherstellerverband Acea konnte das Verbrennerverbot nicht verhindern. Stellantis sieht keinen Sinn mehr in der Mitgliedschaft.

Stellantis-Chef Carlos Tavares bei Fiat in Turin: Der zweitgrößte Autohersteller Europas scheidet aus dem Herstellerverband Acea aus. Reuters

Stellantis-CEO Carlos Tavares zweifelt am Acea

Stellantis-Chef Carlos Tavares bei Fiat in Turin: Der zweitgrößte Autohersteller Europas scheidet aus dem Herstellerverband Acea aus.

Düsseldorf Der europäische Autoherstellerverband Acea verliert eines seiner wichtigsten Mitglieder: Zum Jahresende scheidet der Stellantis-Konzern aus der Brüsseler Interessenorganisation aus. Wie das Unternehmen weiter mitteilte, soll es im kommenden Jahr neue Formate für die Öffentlichkeitsarbeit und die eigene Interessenvertretung geben.

Stellantis ist nach Volkswagen der zweitgrößte Autokonzern in Europa und die Nummer vier in der Welt. Insgesamt 14 Fahrzeugmarken sind unter dem Stellantis-Dach vereint. Dazu gehören Peugeot und Citroën aus Frankreich, Fiat (Italien) und die US-Marken aus der früheren Chrysler-Gruppe wie Jeep und Dodge.

Der Acea-Rückzug von Stellantis kommt eine Woche nach dem Beschluss des Europaparlaments, wonach der Verkauf von Verbrennerfahrzeugen von 2035 an verboten werden soll. Stimmen auch die EU-Mitgliedstaaten dieser Entscheidung zu, werden Mitte des nächsten Jahrzehnts in Europa nur noch Autos mit Elektroantrieb verkauft.

Stellantis-Chef Carlos Tavares gehört zu dem Kreis europäischer Automanager, die sich immer gegen eine ausschließliche Festlegung auf den Elektroantrieb ausgesprochen hatten. Vielmehr sollte „technologieoffen“ nach neuen klimaschonenden Antriebsarten gesucht werden. Tavares hatte regelmäßig davor gewarnt, dass der Batterieantrieb zu teuer sei und größere Teile der Bevölkerung vom Kauf eines Autos ausgeschlossen würden.

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    „Vor diesem Hintergrund muss der Stellantis-Rückzug aus dem Acea gesehen werden“, hieß es dazu am Dienstag aus Branchenkreisen. Konzernchef Tavares sei enttäuscht darüber, wie gering die Einflussmöglichkeiten eines großen Industrieverbands wie des Acea überhaupt noch seien. Der Aufwand – mehrere Hunderttausend Euro Mitgliedsbeitrag im Jahr – rechtfertige den Ertrag nicht mehr. Tavares hat sich im eigenen Unternehmen den Ruf eines Managers erworben, der einen strengen Kosten-Nutzen-Ansatz verfolgt. Dasselbe Kriterium lege er für die Verbandsarbeit an, so ein Branchenvertreter.

    Weniger Regulierungsbedarf

    Mit der Festlegung auf das Verbrennerverbot von 2035 an gebe es auf europäischer Ebene auch keinen größeren Regulierungsbedarf mehr, was die künftige Arbeit des Acea zusätzlich entwerte. „Die politische Substanz der Verbandsarbeit zerbröckelt“, verlautete es aus Industriekreisen.

    Die Unternehmen aus der Autobranche gehen zudem verstärkt eigene Wege beim Klimaschutz. Für Verärgerung in Brüssel sorgte die Ankündigung von Ford Europa und von Volvo, dass sie nach 2035 keine Verbrenner mehr verkaufen wollten – noch vor der entscheidenden Abstimmung im Europaparlament. Stellantis zieht daraus seine Schlussfolgerungen und will im nächsten Jahr erstmals ein eigenes „Forum zur nachhaltigen Mobilität“ veranstalten. Die Details dazu sind noch nicht bekannt.

    Unklar ist im Moment, ob auch andere Autohersteller dem Beispiel von Stellantis folgen und aus dem Acea austreten werden. Bei Volkswagen hieß es dazu, dass es in Wolfsburg keine entsprechenden Überlegungen gebe. Konzernchef Herbert Diess gilt als kritischer Beobachter der Verbandsarbeit. Vor bald zwei Jahren hatte er mehr Effizienz beim VDA verlangt, der deutschen Interessenorganisation der Autobranche.

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