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25.11.2022

04:00

Interview

Hanns Goeldel: „Neue Zeiten brauchen neue Führungsqualitäten“

Von: Tanja Kewes

Wer heute Führungskraft werden möchte, braucht mehr als nur Fachkenntnisse. Der Deutschlandchef der Personalberatung Egon Zehnder sieht den Erfolg noch in anderen Punkten.

Der promovierte Kaufmann ist seit 21 Jahren Personalberater bei Egon Zehnder. Egon Zehnder

Hans Goeldel

Der promovierte Kaufmann ist seit 21 Jahren Personalberater bei Egon Zehnder.

Düsseldorf Als Deutschlandchef der Personalberatung Egon Zehnder ist Hanns Goeldel so etwas wie der erste Ansprechpartner in puncto Führungskräfte der Zukunft. Schließlich sucht und findet seine 67-köpfige Beratertruppe seit Jahrzehnten die meisten Topleute in Deutschland und Europa.

Herr Goeldel, was zeichnet die Führungskräfte von morgen aus?
Geopolitik, Energiekrise und Rezessionssorgen – das Umfeld der Unternehmen ist momentan von vielen Unsicherheiten geprägt. Das erfordert einen anderen Stil. Erfolgreiche Führungspersönlichkeiten sind offen für Neues, hören zu, orchestrieren. Basta war gestern. Zugleich haben sie das große Ganze im Blick, zeigen einen Weg nach vorne und können begeistern. Heute gewinnt, wer in den Dialog geht und überzeugt.

Welchen Einfluss haben Corona, die Digitalisierung, die Demografie?
Das sind Transformationsbeschleuniger. Um diesem Wandel zu begegnen, stärken moderne Führungspersönlichkeiten deshalb vor allem Resilienz, Reaktionsschnelligkeit und Innovationsfähigkeit ihrer Organisation.

Worauf achten Sie als Personalberater bei Kandidaten?
Wir wollen wissen, was sie antreibt, wie sie Wandel gestalten, was sie im Innersten motiviert. Und wir wollen verstehen, was ihnen gelungen ist und was sie aus ihren Fehlern gelernt haben. Und schließlich wie und wohin sie sich als Führungspersönlichkeit weiterentwickeln wollen. Dafür gibt es keinen Fragenkatalog, das ist zutiefst persönlich. Außerdem holen wir Referenzen ein. Erst so ergibt sich ein Bild.

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Sind Fachkenntnisse entscheidend?
Fachkenntnisse haben viele, und alles wissen können Sie heute sowieso nicht mehr. Bei Besetzungsempfehlungen sind Fachkenntnisse nicht der differenzierende Faktor. Wir erleben häufig, dass Kandidatinnen und Kandidaten fachlich gleichauf liegen. Entscheidend sind dann Führungsfähigkeiten: unterschiedliche Perspektiven zusammenbringen, Richtung geben, Teams begeistern, Talente erkennen. CEO sollte werden, wer all das vereint.

Ist es für Kandidaten wichtig, in Zukunftsfeldern wie Digitalisierung und Nachhaltigkeit aktiv zu sein?
Extrem wichtig. An diesen Themen kommt heute keiner mehr vorbei. Und hier liegt die Chance einer neuen Generation, die digitalaffin und umweltbewusst sozialisiert wurde.

Der CFO-Job war zuletzt häufig ein Sprungbrett für den CEO-Posten. Zufall, oder was steckt dahinter?
Früher wurden CFOs oft als reine Zahlenmenschen wahrgenommen. Das ist vorbei. Heute denken sie sehr strategisch, sind nah am Geschäft und legen oft mit den CEOs die Richtung fest.

Wie durchlässig ist die deutsche Wirtschaft? Einmal Mittelstand, immer Mittelstand? Einmal Konzern, immer Konzern?
Da würde ich gerne mit einer Gegenfrage antworten: Wie agil ist die nächste CEO-Generation wirklich? Wer mutig wechselt, in jungen Jahren neue Herausforderungen in fremden Umgebungen sucht und sich damit auch immer wieder beweist, hat beim großen Sprung auf den CEO-Posten die besseren Karten. Wer sich aus der Komfortzone traut, wird belohnt. Die spannenden Biografien sind die, in denen viel diverse Erfahrung steckt.

Was motiviert die unter 45-Jährigen von heute? Sinn, Einfluss, Geld?
Es ist eine Generation, die Impact haben will. Sinn und Gestaltungsmöglichkeiten werden wichtiger, Geld ist eher ein Hygienefaktor. Sie sind enorm zielorientiert und haben dabei gleichzeitig die eigene Work-Life-Balance im Blick. Zugleich ist ihr Bewusstsein, dass wir uns besser um diesen Planeten kümmern müssen, größer. Ansonsten sind sich die unterschiedlichen Generationen ähnlicher, als man denken würde.

Inwiefern ähnlicher?
Wir haben das gerade analysiert. Weltweit und in Deutschland schätzen alle Generationen von der Generation Z bis zu den Boomern eine kollaborative Unternehmenskultur und Autonomie, die von Führungspersönlichkeiten vorgelebt wird. Sie wollen gehört werden.

Das Beratergeschäft boomt. Woran liegt das? Sucht die deutsche Wirtschaft neue oder andere Führungskräfte? Austausch oder Ergänzung?
Die Märkte und das globale Umfeld verändern sich radikal und schnell. Diese neuen Zeiten brauchen neue Führungsqualitäten. Neubesetzungen können da helfen, aber es braucht eben auch eine echte Weiterentwicklung innerhalb der Unternehmen, in den Führungsteams, an der Unternehmensspitze und in der Führungskultur.

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