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24.04.2018

23:02 Uhr

Amazon-Chef

Hunderte demonstrieren gegen Preis-Verleihung an Jeff Bezos

Amazon-Chef Bezos wird mit dem Springer Award ausgezeichnet. Mitarbeiter nutzen die Verleihung zum Protest – mit Unterstützung der SPD-Chefin.

Amazon-Mitarbeiter protestieren

Nahles „Solch ein Preis für Jeff Bezos ist Hohn und Schande“

Amazon-Mitarbeiter protestieren: Nahles „Solch ein Preis für Jeff Bezos ist Hohn und Schande“

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BerlinAmazon-Mitarbeiter haben die Verleihung des Axel Springer Awards an Jeff Bezos zum Anlass für Proteste in Berlin genommen. Unterstützt von der neuen SPD-Parteichefin Andrea Nahles und Verdi-Chef Frank Bsirske demonstrierten rund 450 Angestellte des weltgrößten Onlinehändlers vor dem Hauptsitz des Medienhauses Axel Springer gegen die Arbeits- und Tarifpolitik des US-Konzerns. Mitarbeiter aus mehreren Standorten in Deutschland sowie aus Polen und Spanien nahmen an der Aktion teil.

Es sei ein „Hohn und eine Schande“, dass so ein Preis an so einen Unternehmer gehe, sagte Nahles am Dienstag. Bsirske sprach davon, dass der Amazon-Chef die „Arbeitsbeziehungen amerikanisieren“ wolle. „Aber wir wollen nicht zurück ins 19. Jahrhundert“, sagte Bsirske unter dem Jubel der Anwesenden. Springer wolle den Preis an eine herausragende Persönlichkeit verleihen, aber er gehe nun an eine Person, die einen Konzern führe, der Steuervermeidung betreibe und Profite am Fiskus vorbeiführe.

Der Tarifkonflikt bei Amazon dauert hierzulande bereits seit 2013 an. Verdi fordert für die Mitarbeiter in den deutschen Amazon-Versandzentren tarifliche Regelungen, wie sie im Einzel- und Versandhandel üblich sind. Amazon nimmt indes Vereinbarungen der Logistikbranche als Maßstab, in der weniger bezahlt wird. Darüber hinaus geht es zunehmend auch um den hohen Druck, der auf die Mitarbeiter ausgeübt wird.

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Seit 2013 fordert Verdi einen Tarifvertrag bei Amazon. Nun könnte es in mehreren Ländern zu gleichzeitigen Streiks gegen den Konzern kommen.

Von Döpfner nach der Kritik der Gewerkschaften befragt, sagte Bezos: „Nein, sie haben in dem Fall nicht recht.“ Der Konzern teilte mit, ein sicheres und positives Arbeitsumfeld für Tausende von Menschen in Deutschland mit wettbewerbsfähiger Vergütung und Zusatzleistungen vom ersten Tag zu bieten. „Ich bin sehr stolz auf unsere Arbeitsbedingungen. Ich bin sehr stolz auf die Gehälter, die wir zahlen.“ Ohne Verdi direkt zu nennen, sprach er von Kritikern, die eigene Interessen verfolgten.

Bei der Verleihung des Preises hat sich der Amazon-Chef unterdessen für die Überwachung von Großkonzernen ausgesprochen. „Ich erwarte, dass wir überprüft werden. Wir sollten überprüft werden“, sagte Bezos am Dienstag in Berlin im Gespräch mit Axel-Springer-Chef Mathias Döpfner bei der Verleihung des Axel Springer Award in Berlin.

Er verstehe die aktuelle grundsätzliche Skepsis gegenüber Internet-Unternehmen. Die Unternehmen seien inzwischen so groß geworden, dass dies eine stärkere Aufsicht rechtfertige - und die Branche müsse einsehen, „dass das nicht persönlich gemeint ist“.

Seit dem Datenskandal bei Facebook sind weltweit Forderungen nach einer stärkeren Regulierung und vereinzelt nach einer Zerschlagung der großen US-Techkonzerne wieder lauter geworden.

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Das gelang zuletzt Bill Gates im Jahr 1999: Jeff Bezos, Gründer von Amazon und reichster Mensch der Erde, hat die 100-Milliarden-Dollar-Marke geknackt. Ein Kursplus der Amazon-Aktie am Black Friday gab den Ausschlag.

Der Frage nach Attacken von US-Präsident Donald Trump, der Amazon und der ihm kritisch gegenüberstehenden „Washington Post“ Steuertricks vorwirft, wich Bezos aus. Trumps Aversion gegen Bezos ist bekannt. Mehrmals hat der US-Präsident dem Unternehmen unter anderem vorgeworfen, zu wenig Steuern zu zahlen. Bezos versicherte, er werde immer mit den Aufsichtsbehörden zusammenarbeiten und innerhalb der Regeln agieren.

Bei der Verleihung sagte Bezos zudem, dass sein Vermächtnis die Investition in die Erforschung des Weltraums sein werde. Die von ihm finanzierte Raumfahrt-Firma Blue Origin sei „das wichtigste, was ich mache“, sagte Bezos. Er denke, dass die Erschließung des Sonnensystems unter anderem nötig sei, um künftige Energiekrisen zu verhindern. Außerdem werde die Menschheit irgendwann die Schwerindustrie von der Erde wegverlagern.

Bezos betonte, die einzige Verwendung für seinen Reichtum - „den Lottogewinn mit Amazon“ - sehe er in Weltraumreisen. „Blue Origin ist teuer genug, um dieses Vermögen aufzubrauchen“, sagte er zu Lachern im Publikum. Bezos bekräftigte, dass er dafür jährlich Aktien im Wert von einer Milliarde Dollar verkaufte - und damit auch fortfahren wolle.

Bezos erhielt als dritter Preisträger den Axel Springer Award. Der US-Amerikaner hat Amazon 1994 gegründet und von einem digitalen Buchhändler zum weltgrößten Onlinehändler mit einem Marktwert von weit mehr als 700 Milliarden Dollar ausgebaut. Forbes zufolge ist Bezos, der auch Besitzer der „Washington Post“ sowie der Raketenfirma Blue Origin ist, der reichste Mann der Welt.

Von

dpa

Kommentare (1)

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Frau Stephanie Maurer

25.04.2018, 08:35 Uhr

"Amazon-Chef: Hunderte demonstrieren..." dem Handelsblatt geht langsam aber sicher die Fähigkeit positiver Berichterstattung verloren. Die SPD und gewerkschafternahe Berichterstattung liefert bereits in den ersten Zeilen Zitate intellektueller Nullnummern wie "Hohn und Schande...auf die Fresse" Nahles, Bsirske und Co.

Als Handelsblatt Zielgruppe und UnternehmerInnen wünschen wir uns aber vor allem erst einmal Anerkennung einer unternehmerischen Meisterleistung. Und hier auch gerne mehr Information. Statt konstante Wiedergabe des Dauerjammern im Wald deutscher Gewerkschaften!

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