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21.12.2018

16:44

Amazon-Panne

Wenn Alexa intime Details verrät – Was Verbraucher nach dem Datenleck wissen müssen

Von: Christof Kerkmann

Amazon hat Sprachdateien eines Nutzers versehentlich einem Fremden geschickt. Alexa hat ein Elefantengedächtnis – der Konzern jedoch nicht zwingend ein Problem.

Amazon hat die Sprachdateien eines Alexa-Nutzers versehentlich einem anderen Kunden zugeschickt. Reuters

Sprachassistent Alexa

Amazon hat die Sprachdateien eines Alexa-Nutzers versehentlich einem anderen Kunden zugeschickt.

DüsseldorfIn diesem Jahr dürften zahlreiche vernetzte Lautsprecher auf den Gabentischen stehen und unter den Tannenbäumen liegen. Nach einer Umfrage des Digitalverbands Bitkom wollen neun Prozent der Menschen in Deutschland zu Weihnachten so ein Gerät verschenken oder anschaffen.

Einige Tage vor dem Fest ist jedoch ein Fall publik geworden, der manchen von der Entscheidung abschrecken könnte: Nach einem Bericht des Technikportals Heise.de hat Amazon die Sprachaufzeichnungen eines Kunden, der den Lautsprecher Echo mit der Sprachassistentin Alexa nutzt, versehentlich gegenüber einem Unbefugten preisgegeben.

Wie kann das angehen? Und worauf sollten Nutzer achten? Ein Überblick.

 Was ist genau passiert?

Ein Kunde wollte Auskunft darüber haben, welche Informationen Amazon über ihn speichert. Das Unternehmen stellte ihm ein Paket zusammen, das auch rund 1700 Sprachaufnahmen sowie ein Dokument mit Transkripten der Sprachbefehle enthielt. Ein offenkundiger Fehler: Er verwendete die Sprachassistentin Alexa gar nicht.

Der Amazon-Kunde meldete sich per E-Mail beim Konzern und bat um Auskunft. Eine Antwort habe er nie erhalten. Der Link, über den er die Datei herunterladen konnte, habe aber kurze Zeit später ins Leere geführt, wie das Technologiemagazin schildert. Da waren die Dateien allerdings schon auf dem Rechner des Nutzers, der sich an die Redaktion wandte.

Die Redakteure analysierten die Aufzeichnungen. Diese stammen „hörbar aus der Intimsphäre fremder Personen, beispielsweise aus Wohnzimmer, Schlafzimmer und Bad“, lautet das Fazit. Anhand der Inhalte habe man den Besitzer des Echo-Lautsprechers identifizieren können. Der sei aus allen Wolken gefallen – „Amazon hatte ihn nicht über das Datenleck informiert“.

 Wie konnte es zu dem Fehler kommen?

Wenn Nutzer der digitalen Assistentin Alexa Sprachbefehle geben, verarbeitet Amazon diese auf seinen Servern – es braucht eine beträchtliche Rechenleistung, um Worte in Text umzuwandeln, den Sinn zu interpretieren und darauf zu reagieren. Und zwar bestenfalls im Bruchteil einer Sekunde.

Die Spracheingaben bleiben auf den Servern: Die Daten seien wichtig, um das Angebot weiter zu verbessern, argumentiert der Konzern. Nutzer können die gesamte Liste oder auch einzelne Punkte über die App löschen, aber das tun vermutlich die wenigsten. Alexa hat also ein Elefantengedächtnis.

Wenn Anwender nun Auskunft verlangen, welche Daten Amazon über sie speichert, zählen auch die Aufzeichnungen dazu. Im aktuellen Fall hat sich offenbar ein Mitarbeiter vertan –Amazon spricht von einem „isolierten Einzelfall“, der auf einem „menschlichen Fehler“ beruhe.

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Die Antwort lässt allerdings Fragen offen. So ist unklar, ob es beim Zugriff auf die Daten eine Kontrollinstanz gibt. Alexa-Chef Dave Limb sagte kürzlich in einem Gespräch mit dem Magazin „Stern“, dass nur „sehr wenige Leute bei Amazon“ an die Anfragen kommen könnten – dafür seien „jede Menge Genehmigungen nötig“.

 Was sind die Folgen?

Der Fall ist für Amazon peinlich und schädlich. Datenschutz ist eine Voraussetzung, um das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Nach dem aktuellen Fall dürfte sich so mancher die Frage stellen, ob er einen Lautsprecher in seine Wohnung stellen möchte, der permanent zuhört und die Spracheingaben dauerhaft speichert.

Skeptiker dürften sich bestätigt fühlen. „Wir wollen nicht technikfeindlich wirken, doch wir sagen ganz entschieden: Wer – anscheinend nicht ausgereifte – Systeme wie Alexa & Co. in sein engstes Lebensumfeld lässt, der gefährdet seine Privatsphäre“, erklärte die Stiftung Datenschutz.

Noch nicht absehbar ist, ob die Datenpanne rechtliche Folgen haben wird. „Im Raum stehen gravierende Defizite beim Schutz von personenbezogenen Daten und der Privatsphäre“, warnte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) in der „Rheinischen Post“. Falls ja, müsse der Konzern seine digitalen Produkte und internetgebundenen Dienste überprüfen.

Verstöße gegen die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) können Unternehmen teuer zu stehen kommen: Sie sieht Strafen von bis zu vier Prozent des Konzernumsatzes vor. Amazon hat nach eigenen Angaben bereits vorsorglich Kontakt zu den zuständigen Behörden aufgenommen und will die eigenen Prozesse „weiter verbessern“.

Fazit: Der Fall deutet nicht unbedingt darauf hin, dass Amazon ein grundsätzliches Problem mit dem Datenschutz hat. Die Frage nach dem Umgang mit den Sprachbefehlen stellt sich allerdings mehr denn je, sollte Alexa doch in immer mehr Geräten zum Einsatz kommen – ob Autos, Fernseher oder Mikrowellen.

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