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11.01.2019

14:07

Chinesischer Konzern

Huawei-Mitarbeiter in Polen wegen Spionageverdachts festgenommen

Von: Roman Tyborski

Der chinesische Telekomausrüster steht nun auch in Polen im Visier der Behörden. Der Schritt könnte die Spannungen zwischen Peking und dem Westen verschärfen.

Westliche Geheimdienste vermuten Hintertüren in Huawei-Geräten, die zur Spionage genutzt werden könnten. Reuters

Huawei

Westliche Geheimdienste vermuten Hintertüren in Huawei-Geräten, die zur Spionage genutzt werden könnten.

Warschau, DüsseldorfIn Polen ist ein chinesischer Mitarbeiter des Netzwerkausrüsters Huawei wegen Spionageverdachts festgenommen worden. Ebenfalls in Gewahrsam sei ein polnischer Cybersicherheitsexperte, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur PAP am Freitag.

Wie das polnische Staatsfernsehen am Freitag meldete, durchsuchten Sicherheitsbeamte Büros von Huawei und des in Polen führenden Kommunikationsdienstleisters Orange Polska, bei dem der beschuldigte Cybersicherheitsexperte arbeitet. Es seien Dokumente und elektronische Daten sichergestellt worden, hieß es. Auch die Wohnungen beider Männer sei durchsucht worden.

Orange Polska bestätigte die Durchsuchungen durch den polnischen Inlandsgeheimdienst. Es seien Materialien eines Mitarbeiters sichergestellt worden.

Der Schritt könnte die Spannungen zwischen China und dem Westen verschärfen. Das chinesische Außenministerium erklärte, „außerordentlich besorgt“ zu sein und forderte Polen auf, „gerecht“ zu agieren. Huawei teilte mit, den Fall zu prüfen, und wollte sich weiter nicht äußern. „Huawei hält sich an alle Gesetzen und Regeln in den Ländern, in denen die Firma operiert“, sagte ein Sprecher auf Anfrage.

Der polnischen Tageszeitung „Rzeczpospolita“ zufolge droht beiden Beschuldigten bis zu zehn Jahre Haft. Sie sollen nach Erkenntnissen des polnischen Inlandsgeheimdienstes im Auftrag einer chinesischen Spezialeinheit gehandelt haben.

Der beschuldigte Cybersicherheitsexperte war bis 2011 ranghoher Offizier des Inlandsgeheimdienstes. Dort war er als Vizechef im Bereich Telekommunikation tätig. Im Rahmen der sogenannten „Infoaffäre“ in Polen wurde er aus dem Geheimdienst entlassen. Bei der Affäre wurden korrupte Vorgänge bei der Vergabe von staatlichen Aufträgen im Telekom- und IT-Markt aufgedeckt.

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Meng Wanzhou droht eine lange Gefängnisstrafe, sie soll gegen die Iran-Sanktionen verstoßen haben. Dabei gilt sie bei Huawei als Nachfolgerin ihres Vaters.

Der „Rzeczpospolita“ zufolge hatte der Mann damals Zugang zu geheimen Informationen. Unter anderem war er für das Regierungsnetz SŁR verantwortlichen. Dabei handelt es sich um ein Kommunikationsnetz, auf das die polnische Regierung zurückgreift, um sensible Informationen an wichtige Regierungsmitglieder zu verschicken.

Der chinesische Huawei-Mitarbeiter studierte Polonistik in Peking und arbeitete von 2006 bis 2011 für das chinesische Generalkonsulat in Danzig. Anschließend wechselte er zu Huawei und war im Bereich Public Relations tätig. Zu seinen Aufgaben habe auch gehört, Kontakt zu polnischen Diplomaten aufzubauen. 2017 wurde er zum Verkaufsdirektor von Huawei Polen befördert. In dieser Funktion konzentrierte er sich auf den Verkauf von Produkten des Konzerns an den öffentlichen Sektor.

Westliche Geheimdienste unter Federführung der USA werfen Huawei vor, Verbindungen zur Regierung in Peking zu pflegen und vermuten, Ausrüstung oder Handys könnten für Spione eine Hintertür enthalten, um an Staats- oder Firmengeheimnisse zu gelangen. Die Firma weist die Vorwürfe als haltlos zurück.

In den USA ist Huawei seit 2012 vom Markt ausgeschlossen. Ein Bericht des Geheimdienstausschusses im US-Senat war zu dem Schluss gekommen, dass das Unternehmen ein Sicherheitsrisiko darstelle.

Australien und Neuseeland haben Huawei inzwischen vom 5G-Ausbau ausgeschlossen. Auch andere westliche Staaten wie Norwegen überprüfen, ob sie Huawei-Ausrüstung in ihren Telekomnetzen weiterhin erlauben sollten.

Mitarbeit: Stephan Scheuer. Mit Agenturmaterial

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