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14.06.2019

04:05

Die Persönlichkeit der Woche

Friede Springer sucht nach neuen Wegen für ihr Medienhaus

Von: Catrin Bialek, Hans-Jürgen Jakobs

Die Verlegerwitwe bestellt ihr Haus und korrigiert dabei einen späten Fehler ihres Mannes. Der Springer-Konzern will die Börse wieder verlassen.

Ihre Familie ist der Verlag. Daniel Biskup/laif

Friede Springer

Ihre Familie ist der Verlag.

Düsseldorf, München Eine Sache hatte Axel Cäsar Springer ihr von Anbeginn an eingeschärft. „Du musst aufrecht sitzen. Als hättest Du ein Lineal im Rücken.“ Daran hat sich Verlegerwitwe Friede Springer gehalten. Aber ansonsten hat „Fräulein Riewerts“, die Gärtnerstochter von der Nordseeinsel Föhr, seit dem Tod Springers 1985 so ziemlich alles anders gemacht als es die meisten erwartet haben.

Zum letzten Akt ihrer Emanzipation könnte die Beendigung eines Börsenabenteuers werden, zu dem die Deutsche Bank den siechen Verleger überredet hatte. Friede Springer, seine fünfte und letzte Frau, war schon damals dagegen. Und musste erleben, wie nach dem Börsengang Medienhändler Leo Kirch per Aktienkauf zur Macht drängte und später das Auf und Ab der Kurse ihr Vermögen relativierte. Im Mai hatte ihr 42,6-Prozent-Paket im Vergleich zum Sommer 2018 auf einmal 30 Prozent des Werts verloren.

Als Helfer beim möglichen „Delisting“ hat die 76-jährige Vize-Chefin des Aufsichtsrats KKR engagiert. Der New Yorker Private-Equity-Spezialist macht allen freien Aktionären ein spendables Kaufangebot, mit der Erwartung eines höheren Wiederverkaufswertes in fünf Jahren. In dieser Zeit wirkt Großaktionär KKR, so der Plan, als Mit-Investor.

Die Aktion ist der finale Beweis von Friede Springers gelebter Unabhängigkeit. Die Frau mit dem Lineal im Rücken, die nach außen zuweilen wie eine gütige Gouvernante wirkt, ist in Wahrheit der Typ einer bescheidenen Machiavellistin, die viele Pfauen der Medienwelt hat vorbeispazieren und scheitern sehen. Ihr Selbstbewusstsein speist sich aus der Erkenntnis, dass Alter bildet. Eigentlich habe ihr keiner geholfen, sagte sie jüngst in Wien, als sie auf einem Medienkongress einen Preis fürs Lebenswerk erhielt: „Man muss das ganz alleine machen, den eigenen Weg finden.“ Nächste Woche bekommt sie in Jerusalem die Ehrendoktorwürde der Hebrew University.

Jetzt trachtet der Ehrgeiz der Friede Springer danach, das eigene Haus zu bestellen. Dabei hilft ihr ihre engste Vertraute, die Juristin Karin Arnold, die sie seit 2002 kennt. Hier liegt das eigentliche Machtzentrum des Springer-Konzerns. Je intensiver die Bindungen zu Fachfrau Arnold wurden, die auch Vize-Chefin der 2011 eingerichteten Friede-Springer-Stiftung ist, so sachlicher wurden die immer noch guten, einst sehr persönlichen Beziehungen zum Vorstandschef Mathias Döpfner, 56, der selbst 2,8 Prozent der Aktien hält. Ist Springer auch die Patentante seines Zweitgeborenen, störten sie wohl doch libertäre Züge des Kunstfreundes Döpfner.

Jedenfalls kippten Springer und Consieglera Arnold die Idee Döpfners, die Publikumsgesellschaft von der Rechtsform einer „SE“ in die einer „KgaA“ zu übertragen. Sie setzen nun – börsenfrei – auf eine gemeinnützige Gesellschaft, die die bisherige Familienholding („Gesellschaft für Publizistik“) ersetzt.

Von dynastischem Denken ist nichts zu spüren. Das familiäre Band scheint durchschnitten. Axel Springers Sohn Nicolaus und Tochter Barbara: ausbezahlt. Die Enkel Axel Sven und Ariane Melanie: von der Holding raus an den Rand gedrängt mit zusammen 9,8 Prozent der Anteile. Irgendwie unvergessen, wie der Nachwuchs 1994 in der „Zeit“ den Kurs Springers coram publico kritisierte und wie Axel Sven („Aggi“) sogar gegen die Witwe und das Testament klagte. „Wenn man mit ihr nicht harmoniert, wird es schwierig beim Axel-Springer-Verlag“, weiß „Aggi“, der ein Buch zum internen Streit publiziert hat.

Friede Springers Familie ist nun der Verlag. Dort ist die Lordsiegelbewahrerin aus dem 19. Stock eine Instanz. Eine bodenständige, aber keineswegs naive Frau, die nett grüßt und weiß, was sie will. Eine publizistische Garantin für „Bild“ und "Welt“, den Relikten aus der Welt ihres Mannes. Alles andere ist weg: Immobilien, Regionalpresse, Zeitschriften, TV-Anteile (Sat1). Dafür gibt es jetzt Online-Kleinanzeigen und -Journalismus („Business Insider“, „Upday“, „Politico“). Ihrer Biografin Inge Kloepfer präsentierte sich Springer als zukunftsgewandt: „Ich schaue nicht zurück. Das Alte ist vergangen, wirklich vergangen. Ich habe ganz neue Wege beschritten.“

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