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04.12.2018

17:15

Digitalgipfel in Nürnberg

Telekom-Chef Höttges: Flächendeckendes 5G wie „Privatjets für alle“

Von: Christof Kerkmann

Frust beim Chef der Deutschen Telekom: Die Anforderungen der Politik an den künftigen 5G-Netzaufbau bewegen ihn zu einer „zynischen Bemerkung“.

Per Livestream verbreitete das Wirtschaftsministerium die Debatte in Nürnberg.

Telekom-Chef Timotheus Höttges

Per Livestream verbreitete das Wirtschaftsministerium die Debatte in Nürnberg.

Nürnberg Für Telekom-Chef Timotheus Höttges ist es eine nervenzehrende Zeit. Die Einführung des neuen Mobilfunkstandards 5G steht bevor, für sein Unternehmen geht es um das Geschäft der Zukunft – und dabei läuft längst nicht alles, wie es sich der Manager vorstellt. So will die Bundesnetzagentur den Mobilfunkkonzernen hohe Auflagen vorschreiben.

Dass sich bei Höttges einiger Frust aufgestaut haben muss, zeigte sich am Dienstag auf dem Digitalgipfel der Bundesregierung. Als ihn in einer Paneldiskussion die Moderatorin fragte, wie er in zehn Jahren zum Gipfel anreisen würde, spielte der Manager nicht auf Flugtaxis an, wie das vielleicht die Absicht war. Stattdessen nutzte er die Frage, um mit der Politik abzurechnen.

„Ich bin für Privatjets für alle“, sagte Höttges. „Wenn man die Forderungen der Politiker nach 5G hört, Versorgung in jeden Winkel an jeder Milchkanne, und die Privatwirtschaft soll das bezahlen: Das sind Privatjets, die jeder bekommen kann.“ Niemand stelle aber die Frage, wie sich das überhaupt machen lasse.

Hintergrund des Ausbruchs: Im kommenden Jahr werden die Frequenzen für den nächsten Mobilfunkstandard 5G versteigert. Die Bundesnetzagentur hat vergangen Woche die Auflagen für die Versteigerung festgelegt. Demnach müssen die Netzbetreiber viel Geld in eine bessere Versorgung der Fläche investieren.

Zu den Verpflichtungen der Bundesnetzagentur gehört etwa die Versorgung von 98 Prozent aller Haushalte pro Bundesland mit einer Mindestgeschwindigkeit von 100 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) bis zum Jahresende 2022. Zudem sollen mit der gleichen Geschwindigkeit alle Autobahnen und wichtige Bundesstraßen versorgt worden. Zwei Jahre später müssen zudem alle Bundesstraßen versorgt worden und zudem alle Landes- und Staatsstraßen mit 50 Mbit/s.

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Allerdings müssen die Ziele nicht zwangsläufig mit dem neuen Standard 5G erreicht werden. Die Netzbetreiber können auch das bestehende 4G-Netz ausbauen. Die Bundesnetzagentur erlegt den Mobilfunkanbietern bei der Vergabe der 5G-Lizenzen nur moderate Pflichten beim Ausbau des neuen Standards auf. Bis 2022 muss jeder Anbieter nur 1000 Basisstationen dafür aufrüsten – eine flächendeckende Versorgung lässt sich damit nicht gewährleisten.

„Nicht an jeder Milchkanne“

Aus der Politik wird daher immer wieder die Forderung laut, die andere Wege zu finden, um die Auflagen zu verschärfen. Genau dagegen stellen sich Höttges und die Chef des anderen Netzbetreiber.

Über Vorgaben für 5G ist jedoch eine heiße Diskussion entbrannt. Während etwa Forschungsministerin Anja Karliczek (CDU) meinte, dass 5G „nicht an jeder Milchkanne“ nötig sei, mahnten etliche Politiker Nachbesserungen an – sie befürchten Nachteile für den ländlichen Raum.

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„Das war jetzt 'ne kleine zynische Bemerkung”, relativierte Höttges seine Kritik etwas. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU), der auch für den Breitbandausbau zuständig ist, nahm es gelassen: „Momentan schimpfen alle“, sagte er zu den Vergabebedingungen der Bundesnetzagentur. „Deswegen ist der Kompromiss nicht so schlecht.“

In den sozialen Medien kursierte Höttges‘ Aussage bald, zumeist indes in verkürzter und zugespitzter Form. Wenig überraschend zog sie einige Kritik auf sich. Der Publizist Sascha Lobo schrieb etwa, dass der Telekom-Manager der „Donald Trump der deutschen Digitalwirtschaft“ sei, wenn die Aussage so zutreffe.

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