Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

31.10.2015

16:28 Uhr

Europazentrale in Dublin

Facebook lässt sich in die Karten schauen – ein bisschen

VonTina Halberschmidt

Wie arbeitet Facebook? Lange hat der Weltkonzern ein Geheimnis darum gemacht. Jetzt durften deutsche Journalisten erstmals in die Europazentrale in Dublin. Die Kritik an Hasskommentaren hat die Facebook-Tür geöffnet.

DublinEin Bürogebäude am Grand Canal Square. Sechs Etagen. Viel Glas, viel Stahl. Passanten, die ahnungslos vorbeilaufen, erraten nicht, wer sich hinter der spiegelnden Fassade immer weiter ausbreitet. Über dem Eingangsportal hängt kein Firmenschild. Und doch residiert hier – mitten im so genannten „Silicon Dock“ und in direkter Nähe zu Google, LinkedIn und Twitter – ein Unternehmen, das die Social-Media-Welt in den vergangenen Jahren wohl wie kein zweites vor sich hergetrieben hat: Facebook.

2009 hat der Weltkonzern seine Europazentrale in Dublin eröffnet. 30 Mitarbeiter zogen damals an den Grand Canal Square. Inzwischen sind es 1.100, die in 53 unterschiedlichen Bereichen und Abteilungen arbeiten. Und es werden immer mehr. Unlängst hat Gareth Lambe, Head of Facebook Ireland, einen weiteren Gebäudetrakt angemietet und Kapazitäten für insgesamt 2.000 Mitarbeiter geschaffen.

Facebook in Zahlen

Monatliche Nutzer

Pro Monat waren im dritten Quartal 2017 über zwei Milliarden Nutzer bei Facebook aktiv. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,7 Milliarden.

Umsatz

2016 machte Facebook einen Umsatz von rund 27,64 Milliarden US-Dollar und konnte einen Gewinn in Höhe von rund 10,22 Milliarden US-Dollar ausweisen.

Die meisten Fans

hatten im August 2017 die Fanseiten von Christiano Ronaldo (122 Millionen), Real Madrid (106 Millionen) und Shakira (104 Millionen).

Mitarbeiter

Von gerade einmal knapp 2.100 Mitarbeitern im Jahr 2010 wuchs das Unternehmen auf über 17.000 im Jahr 2016.

Whatsapp

Der Nachrichtendienst Whatsapp, gemeinhin bekannt als das Ende der SMS, zählte im Juli 2017 rund 1,3 Milliarden Nutzer.

Instagram

Die Foto-Plattform Instagram wurde 2016 jeden Monat von 428 Millionen Nutzern besucht. Bis 2021 sollen es knapp 930 Millionen sein, schätzt das Marktforschungsunternehmen eMarketer.

Forschung und Entwicklung

Für diese Bereiche gab der Konzern 2016 knapp sechs Milliarden US-Dollar aus – 2011 waren es noch 388 Millionen US-Dollar.

Die größte Abteilung ist das so genannte Community Operation Team – die Unit, die wie keine zweite unter Beschuss steht, vor allem aus Deutschland. Denn die, nennen wir sie Facebook-Moderatoren, die im Schichtbetrieb rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche arbeiten, überprüfen Kommentare und Fotos, die bei Facebook gepostet und von Nutzern als anstößig oder unangemessen gemeldet wurden. Und sie löschen, wenn sie Verstöße gegen Facebooks Gemeinschaftsstandards entdecken.

Oder besser: Falls sie Verstöße entdecken. Denn vor allem in der emotional aufgeheizten Diskussion rund um das Thema Flüchtlinge bleiben auf deutschen Facebook-Seiten immer wieder Kommentare online, aus denen der Hass nur so tropft. So zum Beispiel das Posting eines Mannes aus Berlin, für den das Foto des toten Aylan am Strand von Bodrum ein Grund zum Feiern war. Oder der Beitrag der Seite „Gegen Asylanten in Deutschland“, in dem es hieß: „Mit einem Loch im Hinterkopf wären manche Leute noch zumindest als Nistkasten zu gebrauchen.“

„Unhaltbare Vorwürfe“: So verteidigt Facebooks sein Reporting-System

„Unhaltbare Vorwürfe“

So verteidigt Facebooks sein Reporting-System

Im Kampf gegen Hasskommentare ärgern sich viele Nutzer immer wieder über Facebooks „Reporting-System“. Zu Unrecht, meint Facebook und entlarvt vier Mythen rund um die hauseigene Melden-Funktion.

Zahlreiche Kommentare wie diese wurden von aufgebrachten Nutzern gemeldet, oft sogar mehrmals. Doch Facebook sah in den Postings kein Problem und löschte – wenn überhaupt – erst Tage später. Kein Wunder, dass das in Deutschland eine gesellschaftliche Diskussion über Facebooks Moralvorstellungen entfachte.

Fast alle deutschen Medien berichteten, Internet-Vordenker wie der Blogger und Autor Sascha Lobo attestierten Facebook ein „Hate-Speech-Problem“, schließlich zitierte Bundesjustizminister Heiko Maas Facebook-Vertreter zum Gespräch. Und sogar Bundeskanzlerin Angela Merkel forderte Facebook auf, strenger gegen Hass-Kommentare vorzugehen. Den eisigen Wind aus Deutschland müssen sie bis in die letzte Lounge-Ecke am Grand Canal Square von Dublin gespürt haben. Und sie reagierten.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×