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20.03.2018

08:14

Facebook-Datenaffäre

CEO von Cambridge Analytica prahlt damit, Prostituierte und Spione einzusetzen

Cambridge Analytica soll Daten von Facebook-Nutzern missbraucht haben. Vor Undercover-Reportern berichtet CEO Nix über seine Vorgehensweisen.

Wall Street im Ausverkauf

Datenaffäre erschüttert Facebook – Tech-Werte unter Druck

Wall Street im Ausverkauf: Datenaffäre erschüttert Facebook – Tech-Werte unter Druck

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Düsseldorf Knapp sechs Millionen Dollar hat sich Donald Trumps Präsidentschaftswahlkampagne die Dienste von Cambridge Analytica kosten lassen. Dafür hat die Firma Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Wissen abgegriffen und ihnen auf sie zugeschnittene politische Botschaften präsentiert. Auf diese Weise soll Cambridge Analytica Einfluss auf deren Wahlverhalten genommen haben.

Das britische Unternehmen scheint auf solche Kampagnen spezialisiert zu sein. Und ist darauf auch mächtig stolz. So halten geheime Aufnahmen fest, wie Führungskräfte der Firma damit prahlen, dass Prostituierte und Spione dazu benutzt werden könnten, um Politiker zu diskreditieren und Wahlen zu beeinflussen.

Vier Monate verfolgte ein Team von „Channel 4 News“ die Machenschaften von Cambridge Analytica. Dabei sprachen die Führungskräfte auch über ihre illegalen Taktiken zur Beeinflussung von Kampagnen, bei der US-Präsidentschaftswahl 2016 wie auch beim Brexit-Referendum.

Was macht Cambridge Analytica?

Welchen Ursprung hat die Firma?

Cambridge Analytica ist ein Ableger der SCL Group, die sowohl Aufträge von der Regierung als auch dem Militär annimmt und von sich selbst sagt, von der Forschung zur Lebensmittelsicherheit bis zu politischen Kampagnen alles anzubieten. Cambridge Analytica wurde der „New York Times“ zufolge vor etwa fünf Jahren gegründet und konzentrierte sich zunächst auf US-Wahlen. Der republikanische Milliardär Robert Mercer stellte demnach 15 Millionen Dollar bereit, der Name sei durch den späteren Trump-Berater Steve Bannon gewählt worden. Bevor die Firma Trump im Wahlkampf unterstützte, soll sie der Zeitung zufolge dem republikanischen Senator Ted Cruz geholfen haben.

Was macht die Firma?

Cambridge Analytica wirbt damit, für Kunden aus Politik und Wirtschaft Verbraucherstudien zu erstellen sowie personalisierte Werbung und andere datenbezogene Dienstleistungen anzubieten. Auf der Internetseite werden als Beispiele für Auftraggeber eine Tageszeitung genannt, die mehr über ihre Abonnenten wissen möchte, sowie ein US-Autoversicherer, der sich selbst besser vermarkten will. Als Standorte sind Büros in New York, Washington, London, Brasilien und Malaysia aufgeführt.

Was wird der Firma vorgeworfen?

Die „New York Times“ und der britische „Observer“ berichteten am Wochenende, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern angezapft haben soll. Dabei seien sowohl die Nutzer als auch Facebook betrogen worden. Den Zeitungen zufolge wurden die Informationen durch eine von dem britischen Wissenschaftler Aleksandr Kogan entwickelte Anwendung abgegriffen. Etwa 270.000 Menschen haben die Anwendung laut Facebook runtergeladen, die dann sowohl auf ihre Daten als auch die ihrer Freunde Zugriff hatte. Kogan gab die Informationen dann an Cambridge Analytica weiter, wie sowohl die Firma als auch Facebook mitteilten. Kogan konnte nicht zu einer Stellungnahme erreicht werden.

Cambridge Analytica hatte nach eigenen Angaben zunächst nichts von einem Verstoß gegen Facebooks Bestimmungen gewusst. Als die Firma dies 2015 entdeckt habe, seien die Daten gelöscht worden. Dagegen berichteten die beiden Zeitungen, die Informationen seien nicht entfernt worden. Facebook überprüft nun die Beschuldigungen.

Was passiert als nächstes?

Facebook hat externe Prüfer damit beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. Zugleich teilte das soziale Netzwerk mit, sowohl Cambridge Analytica, als auch die Muttergesellschaft SCL, Kogan sowie einen weiteren ehemaligen Mitarbeiter von Cambridge Analytica wegen des Verstoßes gegen Unternehmensregeln von der Plattform verbannt zu haben. Möglicherweise muss Facebook mit der Untersuchung bis zum Ende der Ermittlungen der Regierungsbehörden warten. Die britische Datenschutzbehörde plant eine Durchsuchung der Büroräume und hat Facebook aufgefordert, solange abzuwarten. Generalstaatsanwälte aus den US-Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut ermitteln mittlerweile, wie mit den Facebook-Daten umgegangen wurde. Auch das Büro des Generalstaatsanwalts in Kalifornien, dem Unternehmenssitz von Facebook, hat Bedenken geäußert.

Quelle. Reuters

Bei einer Begegnung sagte CEO Alexander Nix, sie könnten „einige Mädchen zum Haus des Kandidaten schicken“. Laut Video fügte Nix hinzu: Ukrainische Mädchen seien „sehr schön, ich finde, dass das sehr gut funktioniert“.

Die Untercover-Reporter, die sich als potenzielle Kunden ausgaben, hielten die Aussagen des CEO fest. Man sei es gewohnt, „im Schatten zu operieren“, sagte Nix noch.

Ganz anders klingt Nix dagegen in offiziellen Interviews. Zu den Vorwürfen, Daten von Facebook-Nutzern abgegriffen zu haben, sagte er bei BBC Newsnight: „Viele der Vorwürfe, die erhoben wurden, sind völlig unbegründet und äußerst unfair.“ Auch in einer Erklärung weist Cambridge Analytica die Behauptung des Daten-Missbrauchs zurück.

Großbritanniens Beauftragte für Informationssicherheit, Elizabeth Denham, gab sich mit dieser Antwort indes nicht zufrieden. Sie kündigte am Montag an, eine gerichtliche Verfügung erwirken zu wollen, um Zugang auf die Server des Unternehmens zu bekommen. Cambridge Analytica habe sich bei Ermittlungen „unkooperativ“ gezeigt. „Wir müssen da rein, wir müssen uns die Datenbanken anschauen, wir müssen verstehen, wie Daten von Cambridge Analytica verarbeitet oder gelöscht wurden“, sagte Denham, die von einer „komplexen und weitreichenden Untersuchung“ sprach.

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Der Druck auf den Facebook-Gründer wächst. Mark Zuckerberg soll öffentlich aussagen, welche Daten er Trumps Wahlkampfhelfern geliefert hat.

Auch Facebook steht verstärkt im Zwielicht. Britische Abgeordnete forderten den Chef der Plattform, Mark Zuckerberg, zu einer Aussage vor einem Parlamentskomitee auf. Auch Brüssel ist alarmiert: Der EU-Parlamentspräsident Antonio Tajani kündigte eine Untersuchung an. Er twitterte, die angebliche missbräuchliche Verwendung von Facebook-Nutzerdaten sei inakzeptabel und verletze Datenschutzrechte der Bürger.

In den USA baten Senator Ron Wyden aus Oregon und den Generalstaatsanwalt von Connecticut, George Jepsen, Facebook um eine schriftliche Stellungnahme. Der US-Staat Massachusetts kündigte zudem Ermittlungen an.

Da Cambridge Analytica unrechtmäßig erhaltene Nutzerdaten entgegen früheren Zusicherungen nicht gelöscht hatte, hatte Facebook das Unternehmen am Wochenende ausgesperrt. Das Online-Netzwerk selbst geriet nach den Enthüllungen auch in schweres Fahrwasser. Die Aktie fiel am Montag um rund sieben Prozent – und das ließ den Börsenwert von Facebook um über 35 Milliarden Dollar schrumpfen. Immer lauter wird gefragt, warum sich bisher Gründer und Chef Mark Zuckerberg nicht zu der Situation geäußert hat.

Zudem berichtete die „New York Times“, dass der angesehene Sicherheitschef Alex Stamos das Unternehmen verlassen wolle. Er habe sich dafür eingesetzt, offener über die russische Einmischung in den US-Präsidentenwahlkampf 2016 zu informieren, sei aber von anderen Managern abgebügelt worden, schrieb die Zeitung.

Kommentare (9)

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Herr Herbert Maier

20.03.2018, 08:54 Uhr

Also verstehe ich das richtig: Die Briten haben in großem Stil über soziale Medien die US-Wahl und Wähler manipuliert? Gibt es da jetzt Sanktionen gegen das UK? Und einen Untersuchungsausschuss über mögliche Kontakte vom Trump-Wahlkampfteam mit englischen Verbindungsleuten? Oder ist es so, dass dieselbe Sache einmal schlimm, und ein andermal ok ist, je nachdem WER es tut?

Herr Tomas Maidan

20.03.2018, 08:56 Uhr

Es ist ALLES nicht okay. Alles was Trump getan hat, ist dreckig. Er wird dafür bestraft werden. Und seine russischen und englischen Helfer auch.

Herr Knut Bittner

20.03.2018, 08:57 Uhr

Seit Wochen sagen uns Mainstream Media Journalisten, dass machen immer nur die Russen. Der Artikel passt da ja gar nicht so in ihr Feindbild

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