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21.03.2018

12:42

Facebook-Datenskandal

Mark Zuckerberg will sein Schweigen brechen

In der Datenaffäre steigt der Druck auf Facebook-Chef Mark Zuckerberg – er dürfte bald Position beziehen. Selbst der Bundespräsident äußert Kritik.

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Düsseldorf/WashingtonFacebook-Chef Mark Zuckerberg will sich offenbar in Kürze öffentlich zu dem Datenskandal äußern, der den Konzern derzeit erschüttert. Wie das US-Portal „Axios“ am Mittwoch meldet, werde Zuckerberg in den kommenden 24 Stunden eine Stellungnahme abgeben.

In die wachsende Kritik an dem Unternehmen stimmte am Mittwoch selbst Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ein – wenn auch ohne Facebook namentlich zu erwähnen. „Die großen Plattformen im Internet mit ihren Hunderten Millionen von Nutzern machen es möglich, dass Falschinformationen und Verschwörungstheorien heute in Windeseile verbreitet und massenhaft 'geteilt' werden“, sagte Steinmeier in Berlin. „Es sind Parallelwelten entstanden, in denen die Selbstbestätigung durch den Austausch mit Gleichgesinnten vorherrscht und alles ausgeblendet wird, was der eigenen Sichtweise widerspricht.“

Am Wochenende war bekannt geworden, dass die Datenanalyse-Firma Cambridge Analytica sich unerlaubt Zugang zu Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern verschaffen konnte. Die Firma soll im US-Wahlkampf entscheidend dabei geholfen haben, mit als Werbung geschalteten gezielten Botschaften bei Facebook Anhänger des heutigen Präsidenten Donald Trump zu mobilisieren und zugleich potenzielle Wähler der Gegenkandidatin Hillary Clinton vom Urnengang abzubringen.

Facebook-Gründer Zuckerberg war in den vergangenen Tagen daher stark unter Druck geraten. Bisher haben weder er noch die Nummer zwei des Konzerns, Sheryl Sandberg, in der Affäre eine öffentliche Erklärung abgegeben. Ranghohe Demokraten im US-Senat wollen ihn nun vorladen.

Der Facebook-Chef solle vor dem Justizausschuss der Kammer versichern, dass sein Unternehmen sich federführend um Sicherheitsmaßnahmen zum Schutz der Privatsphäre von Nutzern kümmern wolle, forderte Senatorin Dianne Feinstein, die ranghöchste Demokratin in dem Senatsgremium. Sollte Facebook dazu nicht in der Lage sein, müsse wohl der Kongress einschreiten.

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Überhaupt sei es womöglich an der Zeit, dass die Abgeordneten über eine Regulierung von Social-Media-Diensten nachdenke, ergänzte Feinstein. Denn Datenskandal um Facebook bezeichnete sie zudem als „Gefahrensignal.“

Auch Feinsteins Senatskollege Mark Warner, ranghöchster Demokrat im Geheimdienstausschuss, sprach sich für eine Vorladung Zuckerbergs aus. Der Vorsitzende des Gremiums, der Republikaner Richard Burr, wollte sich indes nicht darauf festlegen, dass der Facebook-Chef vor dem Ausschuss erscheinen müsse.

Die britische Datenanalysefirma Cambridge Analytica hat Berichten der „New York Times“ und des britischen „Guardian“ zufolge Profile von mehr als 50 Millionen Facebook-Nutzern ohne deren Genehmigung angezapft. Das für das Wahlkampfteam des späteren US-Präsidenten Donald Trump tätige Unternehmen soll Wählern mithilfe der Daten auf sie zugeschnittene Anzeigen und Geschichten mit Pro-Trump-Botschaften präsentiert haben. Letztlich soll Cambridge Analytica so Einfluss auf deren Wahlverhalten genommen haben.

Facebook hat die Verbindungen zu der britischen Firma inzwischen gekappt. Dennoch steigt der Druck auf Zuckerberg, auch ein britischer Parlamentsausschuss hat ihn vorgeladen. Ob er dem nachkommen wird, teilte Facebook bislang nicht mit.

Was macht Cambridge Analytica?

Welchen Ursprung hat die Firma?

Cambridge Analytica ist ein Ableger der SCL Group, die sowohl Aufträge von der Regierung als auch dem Militär annimmt und von sich selbst sagt, von der Forschung zur Lebensmittelsicherheit bis zu politischen Kampagnen alles anzubieten. Cambridge Analytica wurde der „New York Times“ zufolge vor etwa fünf Jahren gegründet und konzentrierte sich zunächst auf US-Wahlen. Der republikanische Milliardär Robert Mercer stellte demnach 15 Millionen Dollar bereit, der Name sei durch den späteren Trump-Berater Steve Bannon gewählt worden. Bevor die Firma Trump im Wahlkampf unterstützte, soll sie der Zeitung zufolge dem republikanischen Senator Ted Cruz geholfen haben.

Was macht die Firma?

Cambridge Analytica wirbt damit, für Kunden aus Politik und Wirtschaft Verbraucherstudien zu erstellen sowie personalisierte Werbung und andere datenbezogene Dienstleistungen anzubieten. Auf der Internetseite werden als Beispiele für Auftraggeber eine Tageszeitung genannt, die mehr über ihre Abonnenten wissen möchte, sowie ein US-Autoversicherer, der sich selbst besser vermarkten will. Als Standorte sind Büros in New York, Washington, London, Brasilien und Malaysia aufgeführt.

Was wird der Firma vorgeworfen?

Die „New York Times“ und der britische „Observer“ berichteten am Wochenende, dass Cambridge Analytica die privaten Daten von mehr als 50 Millionen Facebook-Mitgliedern angezapft haben soll. Dabei seien sowohl die Nutzer als auch Facebook betrogen worden. Den Zeitungen zufolge wurden die Informationen durch eine von dem britischen Wissenschaftler Aleksandr Kogan entwickelte Anwendung abgegriffen. Etwa 270.000 Menschen haben die Anwendung laut Facebook runtergeladen, die dann sowohl auf ihre Daten als auch die ihrer Freunde Zugriff hatte. Kogan gab die Informationen dann an Cambridge Analytica weiter, wie sowohl die Firma als auch Facebook mitteilten. Kogan konnte nicht zu einer Stellungnahme erreicht werden.

Cambridge Analytica hatte nach eigenen Angaben zunächst nichts von einem Verstoß gegen Facebooks Bestimmungen gewusst. Als die Firma dies 2015 entdeckt habe, seien die Daten gelöscht worden. Dagegen berichteten die beiden Zeitungen, die Informationen seien nicht entfernt worden. Facebook überprüft nun die Beschuldigungen.

Was passiert als nächstes?

Facebook hat externe Prüfer damit beauftragt, den Vorwürfen nachzugehen. Zugleich teilte das soziale Netzwerk mit, sowohl Cambridge Analytica, als auch die Muttergesellschaft SCL, Kogan sowie einen weiteren ehemaligen Mitarbeiter von Cambridge Analytica wegen des Verstoßes gegen Unternehmensregeln von der Plattform verbannt zu haben. Möglicherweise muss Facebook mit der Untersuchung bis zum Ende der Ermittlungen der Regierungsbehörden warten. Die britische Datenschutzbehörde plant eine Durchsuchung der Büroräume und hat Facebook aufgefordert, solange abzuwarten. Generalstaatsanwälte aus den US-Bundesstaaten Massachusetts und Connecticut ermitteln mittlerweile, wie mit den Facebook-Daten umgegangen wurde. Auch das Büro des Generalstaatsanwalts in Kalifornien, dem Unternehmenssitz von Facebook, hat Bedenken geäußert.

Quelle. Reuters

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