Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.02.2016

16:03 Uhr

Facebook in Frankreich

Behörden klagen über „missbräuchliche Klauseln“

Erst Datenschützer, dann Wettbewerbshüter: Kurz nacheinander nehmen zwei Behörden in Paris Facebook ins Visier. Sie werfen dem US-Riesen vor, beim Datensammeln und den Nutzungsbedingungen über die Stränge zu schlagen.

Nachdem das sogenannte Safe-Harbour-Abkommen zwischen der EU und den USA gekippt wurde, steht die Datenübertragung Facebooks in die USA in der Kritik. Das Unternehmen verweist jedoch auf die Einhaltung von EU-Regeln. dpa

Safe-Harbour-Abkommen

Nachdem das sogenannte Safe-Harbour-Abkommen zwischen der EU und den USA gekippt wurde, steht die Datenübertragung Facebooks in die USA in der Kritik. Das Unternehmen verweist jedoch auf die Einhaltung von EU-Regeln.

ParisFranzösische Behörden haben Facebook Gesetzesverstöße bei der Datensammlung und in seinen Nutzungsbedingungen vorgeworfen. Die Datenschutzaufsicht CNIL rief das Unternehmen auf, sich binnen drei Monaten an die geltenden Vorschriften anzupassen. Die zum Wirtschaftsministerium gehörende Wettbewerbsbehörde DGCCRF schrieb Facebook zudem vor, „missbräuchliche Klauseln“ aus den Allgemeinen Geschäftsbedingungen zu entfernen.

Konkret kritisierte die CNIL unter anderem, dass das US-Unternehmen auf anderen Webseiten auch Daten zum Surfverhalten von Internetnutzern sammele, die kein Konto bei dem Online-Netzwerk hätten. Wegen eines ähnlichen Vorwurfs liegt Facebook auch mit belgischen Datenschützern im Clinch. „Wir sind davon überzeugt, dass wir geltenden europäischen Gesetzen zum Datenschutz entsprechen und werden gerne auf die Bedenken der CNIL eingehen“, erklärte ein Facebook-Sprecher am Dienstag. Der Schutz der Privatsphäre der Nutzer habe für das Unternehmen oberste Priorität.

Facebook und Fake-Profile: So schützen Sie sich vor Abzocke

Facebook und Fake-Profile

So schützen Sie sich vor Abzocke

Betrüger kopieren Facebook-Profile, um damit Geld zu ergaunern. Weil niemand systematisch gegen die Täter vorgeht, hilft nur Selbstschutz: Tipps, wie Sie die kriminellen Doppelgänger Ihrer digitalen Freunde ausbremsen.

Die Datenschützer kritisierten auch, das Unternehmen hole nicht das ausdrückliche Einverständnis seiner Nutzer ein, wenn es Daten zu politischen und religiösen Einstellungen sowie zur sexuellen Orientierung erhebe. Außerdem würden Daten auf Basis des Safe-Harbor-Abkommens in die USA übertragen, obwohl dieses im Oktober gekippt worden war. Ein neues Rahmenabkommen hatten EU und USA erst vor kurzem ausgehandelt.

Facebook hatte wiederholt betont, man übertrage die Daten nicht auf dem rechtlichen Fundament der Safe-Harbor-Vereinbarung, sondern habe andere Regelungen auf der Basis der weiterhin geltenden EU-Datenschutzverordnung getroffen. Die Aufforderung der CNIL schreibt Facebook keine konkreten Maßnahmen vor. Wenn nach Ablauf der Frist die Bedenken aber nicht beseitigt sind, könnte die Behörde weitere Schritte einleiten und letztlich auch Sanktionen verhängen.

Facebook in Zahlen

Monatliche Nutzer

Pro Monat waren im dritten Quartal 2017 über zwei Milliarden Nutzer bei Facebook aktiv. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,7 Milliarden.

Umsatz

2016 machte Facebook einen Umsatz von rund 27,64 Milliarden US-Dollar und konnte einen Gewinn in Höhe von rund 10,22 Milliarden US-Dollar ausweisen.

Die meisten Fans

hatten im August 2017 die Fanseiten von Christiano Ronaldo (122 Millionen), Real Madrid (106 Millionen) und Shakira (104 Millionen).

Mitarbeiter

Von gerade einmal knapp 2.100 Mitarbeitern im Jahr 2010 wuchs das Unternehmen auf über 17.000 im Jahr 2016.

Whatsapp

Der Nachrichtendienst Whatsapp, gemeinhin bekannt als das Ende der SMS, zählte im Juli 2017 rund 1,3 Milliarden Nutzer.

Instagram

Die Foto-Plattform Instagram wurde 2016 jeden Monat von 428 Millionen Nutzern besucht. Bis 2021 sollen es knapp 930 Millionen sein, schätzt das Marktforschungsunternehmen eMarketer.

Forschung und Entwicklung

Für diese Bereiche gab der Konzern 2016 knapp sechs Milliarden US-Dollar aus – 2011 waren es noch 388 Millionen US-Dollar.

Für die von der Verbraucherschutz- und Wettbewerbsbehörde DGCCRF vorgegebenen Änderungen der Nutzungsbedingungen hat Facebook 60 Tage Zeit, kann aber auch Rechtsmittel einlegen. Die Aufseher kritisieren unter anderem, dass Facebook seine Nutzungsbedingungen ohne vorherige Ankündigung ändern und das Einverständnis des Nutzers voraussetzen könne. Zudem hält es die in den Bedingungen verankerte Recht, veröffentlichte Informationen der Nutzer nach eigenem Ermessen zu löschen, für einen Gesetzesverstoß. Ein Kommentar von Facebook zu diesen Vorwürfen stand am Nachmittag zunächst noch aus.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Von

dpa

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×