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21.03.2022

10:58

Fernsehen

Berlusconi-Konzern MFE schließt Pro-Sieben-Übernahme langfristig nicht aus

Von: Arno Schütze

Media For Europe hat sich eine Sperrminorität an der Senderkette gesichert. Aktuell ist eine Übernahme kein Thema, erklärt Finanzchef Giordani – doch das könne sich ändern.

Der Medienkonzern MFE treibt die Konsolidierung der Branche in Europa voran. Getty Images

Pro-Sieben-Show „The Masked Singer"

Der Medienkonzern MFE treibt die Konsolidierung der Branche in Europa voran.

Frankfurt Die italienische Medienholding Media For Europe (MFE) plant nach Aussage von Finanzchef Marco Giordani derzeit keine Übernahmeofferte für die deutsche Fernsehgruppe Pro Sieben Sat 1. „Aktuell haben wir keine derartigen Pläne“ erklärte Giordani im Interview mit dem Handelsblatt. Ausschließen wollte er einen solchen Schritt jedoch nicht. „Was in einem Jahr ist, wird man dann sehen“, sagte der Manager.

In der vergangenen Woche hatte MFE gemeldet, mehr als 25 Prozent der Anteile an Pro Sieben zu halten. Der Konzern, zu dem unter anderem die italienische Mediaset gehört, wird von der Familie des früheren Regierungschefs Silvio Berlusconi über deren Holding Fininvest kontrolliert.

„Die Medien in Europa stehen unter Druck“, sagte Giordani. „Medien ziehen Aufmerksamkeit auf sich und machen das zu Geld, in dem sie Werbung verkaufen. Dieser Werbekuchen ist in Europa in den vergangenen zehn Jahren in etwa gleich groß geblieben.“ Aber Google, Facebook und Co. hätten fast ein Drittel davon für sich gewonnen.

Langfristig könnten europäische Medienkonzerne nur bestehen, wenn sie die Kräfte für Investitionen in Technologie und Inhalte bündelten. „Dabei gibt es zwei Denkschulen: die nationale Konsolidierung und die internationale.“

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    Bertelsmann hat sich mit dem Verkauf seines französischen Senders M6 an TF1 für die erste Variante entschieden und wiederholt angedeutet, dass eine Fusion der Tochter RTL mit Pro Sieben vorstellbar wäre. Befürworter dieser Strategie argumentieren, dass Inhalte und Werbung jeweils auf ein landesspezifisches Publikum abgestimmt sind und internationale Fusionen daher wenig Sinn machen.

    Der Konzern hält mittlerweile mehr als 25 Prozent an Pro Sieben Sat 1. MFE

    MFE-Finanzchef Marco Giordani

    Der Konzern hält mittlerweile mehr als 25 Prozent an Pro Sieben Sat 1.

    Aber der Ansatz greife zu kurz, da zwangsläufig bei Inhalten gespart werde, sagt Giordani. MFE setze dagegen auf länderübergreifende Allianzen. „Unser Modell erlaubt Umsatzsteigerungen und Investitionen in Content“, sagte Giordani. Die seien nötig, um gegen die Tech-Konzerne zu bestehen.

    Die Planspiele von MFE für eine europäische TV-Plattform stammen schon aus dem Jahr 2019, sind aber bisher schleppend vorangekommen. Das lag auch am mittlerweile beigelegten Streit mit MFE-Miteigentümer Vivendi. Bei Pro Sieben stiegen die Italiener 2019 ein und erhöhten ihren Anteil dann schrittweise.

    MFE sieht sich als langfristigen Investor bei Pro Sieben. „Wir sind keine Aktivisten. Wir spielen nicht gegen irgendjemanden“, sagte Giordani. Das Management müsse nun einen Plan vorlegen, wie es den derzeitigen Herausforderungen begegnen wolle. Wenn Pro Sieben eigene Wege finde, den Unternehmenswert zu heben, werde MFE diese möglicherweise sogar für sich übernehmen, erklärte Giordani. „Allerdings werden operative Alleingänge in dieser Zeit selten als wertschaffend gesehen.“

    Grafik

    Ein Negativbeispiel hätten die italienische MFE-Tochter Mediaset und Mediaset Espana geliefert, die zwei unterschiedliche Streaming-Technologien angeschafft und damit Geld verschwendet hätten. Aus Sicht von Mediaset und der von den Italienern ins Leben gerufenen Allianz mit 13 beteiligten Fernsehsendern hätte es schon längst viele Kooperationen zwischen Sendern geben können. Das habe bisher aufgrund von Eitelkeiten nie geklappt.

    Während manche Medienunternehmen – wie etwa Pro Sieben und Axel Springer – sich mit Tech-Investments ein neues Standbein geschaffen haben, hat MFE das klassische TV-Geschäft im Fokus. „Es fällt uns nicht leicht zu verstehen, wie man in einem Konglomerat, bestehend aus Fernsehen, E-Commerce und Dating-Portalen, langfristig Wert schaffen kann“, sagte Giordani.

    Pro Sieben hat teilweise bereits Exit-Pläne: Ursprünglich sollte die Datingtochter Parship-Meet im zweiten Quartal an die Börse gehen. Angesichts der hohen Volatilität an den Aktienmärkten liegt das Projekt auf Eis. Pro Sieben hat in eine Reihe von Start-ups investiert, wobei der Konzern in vielen Fällen für Werbezeit Anteile erhielt. Die bekanntesten Beteiligungen wie Verivox oder Flaconi hält Pro Sieben über ein Gemeinschaftsunternehmen mit Finanzinvestor General Atlantic. Trennungspläne sind hier nicht bekannt.

    Möglicher Gegenkandidat für den Aufsichtsrat

    Besprochen wurden die unterschiedlichen strategischen Sichtweisen bisher kaum. „Die Beziehung zwischen MFE und Pro Sieben verlief bisher eher formell“, sagte Giordani. Als im Dezember Ex-Springer-Vorstand Andreas Wiele zum neuen Aufsichtsratsvorsitzenden nominiert und Rainer Beaujean zum Vorstandschef befördert wurde, bekam MFE keine Vorankündigung.

    „Alle Beziehungen haben Potenzial für Verbesserungen“, sagte Giordani. Bisher ist MFE nicht im Aufsichtsrat von Pro Sieben vertreten. Zwei Sitze sollen bei der Hauptversammlung im Mai neu vergeben werden. Für einen ist der frühere RTL-Chef Bert Habets vorgesehen, auf den anderen soll Rolf Nonnenmacher wiedergewählt werden, der bereits seit 2015 in dem Gremium sitzt.

    Aus Sicht von MFE ist eine Alternative denkbar. „Möglicherweise lässt sich ein Kandidat finden, den wir auch voll unterstützen“, sagte Giordani. Ansonsten könne man Gegenkandidaten aufstellen. „Das wären jedenfalls keine Vertreter aus dem Unternehmen MFE, sondern unabhängige Direktoren mit der richtigen Eignung.“

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