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05.12.2017

09:44

Gofundme

Tue Gutes – und rede bei Facebook darüber

Von: Catrin Bialek

Am Internationalen Tag des Ehrenamtes startet die Online-Spendenplattform Gofundme in Deutschland. Internetnutzer können über die US-Plattform Geld sammeln – für sich oder für andere.

Gofundme startet in Deutschland Screenshot Gofundme.com

Gofundme

Die US-Plattform setzt auf digitale Hilfe in den sozialen Netzwerken.

DüsseldorfDie Geschichte passt perfekt zur Vorweihnachtszeit, zur Spendenbereitschaft und zur Markteinführung der amerikanischen Online-Spendenplattform Gofundme in Deutschland: Kate, 27 Jahre alt, lange blonde Haare, bleibt in Philadelphia auf einem Highway inmitten von Nirgendwo mit ihren Auto liegen. Kein Benzin mehr im Tank. Zum Glück war da Johnny, ein Obdachloser, der mit einem Pappschild am Straßenrand saß. Er wies die junge Frau an, sich in ihrem Wagen zu verriegeln, er selbst ging zur nächsten Tankstelle und kaufte von „den letzten 20 Dollar in seiner Hosentasche“ einen Kanister Benzin.

Die Dankbarkeit der jungen Frau war so groß, dass sie bei der Spendenplattform Gofundme eine Sammelaktion für ihren Benzin-Retter startete. Zunächst hatte Kate nur eine Summe von 10.000 Dollar als Ziel im Kopf, aber dann ging die Story quasi um die Welt, und sie sammelte in den ersten zwölf Tagen das Zehnfache ein.

Die Geschichte habe sich tatsächlich genau so zugetragen, versichert Rob Solomon, CEO des amerikanischen Start-ups, das ab Dienstag auch auf dem deutschen Markt tätig ist. Es sei später Abend gewesen, als ihm seine Frau von dieser Geschichte erzählt habe. Vorgelesen von seiner Homepage – Gofundme. Schon am nächsten Morgen seien die Spendenzahlen schier durch die Decke gegangen. Solomon guckt ernst. Er reist gerade von Redaktion zu Redaktion, um für sein Unternehmen zu werben. Die Spendenfreude der Menschen, die zur Weihnachtszeit ihren alljährlichen Zenit erreicht, ist sein Geschäft. Deutschlandchefin Jeannette Gusko, die von der Onlineplattform Change.org kommt und künftig die Deutschlandgeschäfte von Berlin aus führt, nickt.

Was Sie beim Spenden beachten sollten

Spendensiegel

Es gibt kaum Kontrollstellen, die sich intensiv mit der Wirkung von Spendenorganisationen auseinander setzen. Eine der wenigen ist immerhin das Deutsche Institut für Soziale Fragen (DZI), das die Organisationen dahingehend überprüft, ob etwa ihr Verwaltungsaufwand angemessen ist. Wer als förderungswürdig gilt, bekommt ein Spendensiegel. Es gibt aber auch eine lange Liste von Organisationen, bei denen das DZI von einer Spende abrät, einzusehen auf der Homepage des Instituts.

Keine zweckgebundenen Spenden

Das DZI rät davon ab, zweckgebunden zu spenden. Das erhöht den Verwaltungsaufwand, weil das Geld klar abgetrennt werden muss. Zudem kann es vorkommen, dass zu einem Thema zu viel Spenden eintreffen und zu einem anderen zu wenig. Die Organisationen wissen selbst am besten, wo das Geld gebraucht wird.

Auf Seriosität achten

„Stark Mitleid erweckende und gefühlsbetonte Werbung ist ein Kennzeichen unseriöser Organisationen“, schreibt das DZI in seinen Spendentipps.

Lieber Klotzen als Kleckern

Experten empfehlen, Spenden auf wenige Organisationen zu beschränken. So kann man sie besser überprüfen und reduziert zudem den Verwaltungsaufwand für die Organisationen.

Nur Bares ist Wahres

Das ist natürlich nicht wörtlich zu nehmen. Geld ist aber meist besser als eine Sachspende, raten etwa Stiftung Warentest und das DZI. Es ist flexibler und letztlich kostengünstiger als Sachspenden, da viele Hilfsgüter billiger vor Ort gekauft werden können.

2010 wurde Gofundme von Brad Damphousse und Andrew Ballester gegründet. Eines von unzähligen Start-ups, die im Silicon Valley ihren Anfang nahmen und nichts Geringeres wollen, als die Welt zu verändern. Solomon ist davon überzeugt, dass das auf sein Unternehmen auch zutrifft. Gofundme richtet sich an Privatpersonen und Organisationen, die damit eigene Kampagnen ins Leben rufen können. Sie können Geld sammeln für eigene Bedürfnisse, Studienaufenthalte, medizinische Versorgung, Notfälle aller Art, aber auch Tierpflege - oder eigenes Unternehmertum. Projekte, die ihnen selbst zugutekommen – oder anderen helfen. Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt. Fast keine Grenzen.

Als der Massenmörder Charles Manson im November starb, organisierte sein Enkelsohn über Gofundme eine Spendenaktion, um das Begräbnis zu finanzieren. Es dauerte nicht lange – Solomon spricht von einigen Stunden – und der 80-Mann-Trupp Mitarbeiter, der bei Gofundme über die Einhaltung der firmeneigenen Richtlinien wacht – keine Gewalt, keine Diskriminierung – schlug Alarm. „Raus hier“, sagte Solomon. Manson, dessen Anhänger Ende der 60er-Jahre die Schauspielerin Sharon Tate im achten Schwangerschaftsmonat ermordeten, ist keine Person, die sein Start-up postum unterstützen will.

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