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29.09.2021

11:06

Handelsblatt testet

Vodafone, Telekom, Telefónica: Das sind die besten Mobilfunkanbieter

Von: Jan Wittenbrink

Viele Mobilfunkkunden haben einen Vertrag, der gar nicht zu ihnen passt. Eine Studie zeigt, wie gut einzelne Tarife typische Kommunikationsbedürfnisse privat und geschäftlich bedienen.

Zum Gesamtsieger bei Privatkunden kürten die SWI-Forscher die Telefónica-Marke Blau. dpa

Smartphone

Zum Gesamtsieger bei Privatkunden kürten die SWI-Forscher die Telefónica-Marke Blau.

Köln Das Polster ist üppig: 23 Gigabyte zur mobilen Internetnutzung – dieses Datenvolumen bieten die drei in Deutschland aktiven Mobilfunk-Netzbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica mit der Hauptmarke O2 in ihren Tarifen durchschnittlich an.

Das ergab eine Untersuchung des Vergleichsportals Verivox Ende 2020. Dabei benötigen Handynutzer laut Studie im Schnitt aber lediglich drei Gigabyte pro Monat. Viele Menschen hätten völlig überdimensionierte Verträge, heißt es in der Erhebung. Sie bezahlen demnach zu viel. 

Dabei bietet der Mobilfunkmarkt Angebote, die auf verschiedene Nutzertypen zugeschnitten sind. Das zeigt eine Studie von SWI Finance. Die Hamburger Marktforscher haben im Auftrag des Handelsblatts die Tarife von 24 Mobilfunkmarken analysiert – neben den Netzbetreibern sind auch Discount-Anbieter ohne eigenes Netz dabei.

Die Analyse

Die Studie

Die Marktforscher von SWI Finance haben für das Handelsblatt die Tarife und den Service von 24 Mobilfunkanbietern untersucht. Die Bewertung basiert auf acht Profilen – jeweils vier für Privat- und für Businessnutzer. Die Profile unterscheiden sich beispielsweise in ihren Ansprüchen an das Datenvolumen oder an die benötigten Anrufminuten. Definiert wurden für jede Kategorie bestimmte Mindestanforderungen an einen Tarif. Stichtag der Datenerhebung war der 1. August dieses Jahres.

Die Bewertung

Bei den Tarifkonditionen wurden die Grundkosten mit 60 Prozent gewichtet, außerdem die variablen Kosten sowie die Leistungen mit je 20 Prozent. Insgesamt konnten die einzelnen Anbieter maximal 100 Punkte erreichen. Die Netzqualität war nicht Bestandteil der Analyse.

Gut für die Verbraucher: Ein Wechsel wird billiger. Kostete die Rufnummermitnahme früher schon mal bis zu 30 Euro, deckelte die Bundesnetzagentur die Gebühr 2020 auf maximal 6,82 Euro. Es gebe auch immer mehr Verträge mit kurzer Laufzeit oder gar monatlicher Kündigungsoption, sagt SWI-Studienleiter Tim Härle. „Früher liefen die meisten Mobilfunktarife über zwei Jahre.“ Dafür sei heute allerdings die einmalige Anschlussgebühr oft höher.

Zum Gesamtsieger bei Privatkunden kürten die SWI-Forscher die Telefónica-Marke Blau mit 92,6 von 100 Punkten. Blau passt vor allem zu Kunden, die ihr Smartphone vergleichsweise wenig nutzen: Der monatlich kündbare Tarif „Allnet S Prepaid“ lag beim Profil „Privater Einsteiger“ vorne. Für 7,99 Euro bietet er eine Telefon-Flatrate und drei Gigabyte Datenvolumen.

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Telefónica will Empfangsqualität verbessern

Noch immer müssen Nutzer mancherorts aber Abstriche bei der Telefónica-Netzqualität machen – auch wenn der Abstand geschrumpft ist. Das O2-Netz erhielt Ende 2020 in einem Test des Fachmagazins Connect zwar erstmals die Note „sehr gut“, landete aber dennoch hinter Vodafone und Telekom.

Um auch in ländlichen Gebieten bei der Empfangsqualität aufzuholen, hat Telefónica viel investiert. 2020 wurden 7.600 LTE-Stationen neu in Betrieb genommen. Das Investitionsprogramm sehe zwischen 2020 und 2022 Ausgaben von bis zu vier Milliarden Euro vor, sagt Alexander Geckeler, Sprecher bei Telefónica Deutschland. Damit sollen Abdeckung und Qualität des Netzes weiter erhöht werden. In 80 Städten funkt der Konzern zudem bereits mit 5G-Antennen.

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5G-Angebote erhalten Privatnutzer bisher nur bei den Netzbetreibern. „4G ist im privaten Bereich aber noch vollkommen ausreichend“, sagt Härle. Kaum jemand brauche Download-Geschwindigkeiten von über 300 Megabit pro Sekunde – zumal die meisten Tarife darauf noch nicht ausgelegt seien.

„Man will ja nicht sein komplettes Datenpaket innerhalb einer Minute verbrauchen“, sagt Härle. Seine Stärken kann 5G jedoch schon heute bei Großveranstaltungen ausspielen, sagt Markus Weidner, Mobilfunkexperte beim Portal Teltarif.de. Es ermögliche guten mobilen Internetzugang auch dann, wenn sich bei Festivals oder Fußballspielen Tausende Menschen auf kleiner Fläche versammeln. „4G kommt da an seine Grenzen.“

Beim Profil „Privater Normalnutzer“, der etwas mehr Datenvolumen benötigt, siegte mit Fraenk ein reiner App-Anbieter. Dieser nutzt das Netz der Deutschen Telekom und setzt auf junge, digitalaffine Kunden. Wer Freunde als Kunden wirbt, dessen Datenvolumen erhöht sich jeweils um ein Gigabyte.

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Discounter bieten Prepaid-Angebote an

„Das Angebot ist sehr nutzerfreundlich“, sagt Experte Weidner. Eine halbe Stunde nach dem Herunterladen der App könne man schon telefonieren und surfen – solchen App-basierten Angeboten gehöre die Zukunft.

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Mittlerweile hat auch fast jeder Supermarkt sein eigenes Mobilfunkangebot. Das zeige, wie kompetitiv der Markt sei, sagt Härle. Die Prepaid-Angebote der Discounter seien vor allem für Einsteiger interessant. Wer dagegen extrem viel Datenvolumen benötigt, der könnte mit dem Tarif „Funk national 1GB“ von Freenet Funk glücklich werden, der den ersten Platz in der Kategorie „Privater Vielnutzer“ belegt.

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Kunden können hier täglich entscheiden, ob sie in den nächsten 24 Stunden unbegrenztes Internet benötigen. Diese Flatrate kostet dann 99 Cent. Wem ein Gigabyte ausreicht, der zahlt 69 Cent.

Auch für Business-Kunden erstellten die SWI-Tester unterschiedliche Nutzerprofile. Einigen Unternehmen gehe es etwa vor allem um die ständige Erreichbarkeit ihrer Mitarbeiter, sagt Härle: „Also eine eher passive Nutzung.

“ Beim Profil „Business Einsteiger“ siegte Blau mit dem Tarif „Allnet L Postpaid“. Sind die Anforderungen höher, punkten andere. Wenn Mitarbeiter viel im Ausland unterwegs sind und intensiv mobile Daten nutzen, schneiden die Tarife der großen Netzbetreiber am besten ab.

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1&1 wird vierter Netzbetreiber

Bei „Business Normalnutzer“ belegt Vodafone mit dem Tarif „Red Business Prime Go“ den ersten Platz. Die Netzbetreiber haben zudem die Kapazitäten, um Unternehmen auch individuell zugeschnittene Angebote zu machen – bei kleineren Discounter-Marken ist das nicht drin.

Für die kommenden Jahre bahnt sich ein Einschnitt auf dem deutschen Mobilfunkmarkt an: Der rheinland-pfälzische Anbieter 1&1 wird zum vierten Netzbetreiber. Die Frequenzen hat 1&1 schon 2019 ersteigert – jetzt soll das Netz aufgebaut werden.

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„Das könnte langfristig zu mehr Wettbewerb im günstigen Sektor führen“, sagt Härle – und so zu besseren Preisen. Viele der Discounter-Marken differenzierten sich noch über Tarife, nicht aber über die Netzqualität. „In Zukunft könnte es hier mehr Unterschiede geben.“ 

Der Bau der ersten Antennen beginne in diesem Jahr, sagt eine 1&1-Sprecherin. Um die Zeit zu überbrücken, wird 1&1 seinen Kunden vorerst weiter das Telefónica-Netz anbieten. Die beiden Konkurrenten haben im Mai ein entsprechendes National-Roaming-Abkommen geschlossen, das 1&1 noch eine lange Nutzung des Netzes ermöglicht.

Der Vertrag läuft zunächst bis 2025, kann von 1&1 aber noch zweimal um mehrere Jahre verlängert werden. Im Gegenzug lastet Telefónica sein Netz besser aus – und kann die Einnahmen in den weiteren Ausbau der Netzqualität stecken.

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