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25.09.2018

20:13

Kevin Systrom und Mike Krieger

Der Ausstieg der Instagram-Gründer belastet Facebook

Von: Britta Weddeling, Johannes Steger

Instagram gilt als der Wachstumsstar im Facebook-Imperium. Doch nun verlassen die beiden Gründer das Unternehmen – kein Gutes Omen für Mark Zuckerberg.

2010 gründeten sie die Fotoplattform Instagram. Klok/NYT/Redux/laif

Kevin Systrom & Mike Krieger

2010 gründeten sie die Fotoplattform Instagram.

Düsseldorf, San Francisco Rein äußerlich wirkte das Verhältnis zwischen Facebook und seiner wichtigsten Tochter Instagram entspannt: Das soziale Netzwerk half bei Weiterentwicklung oder Marketing der Foto- und Videoplattform, ließ die Zentrale von Instagram aber sonst in Ruhe.

Doch nun hängen dunkle Wolken über der friedlich-freundlich-bällebadenden Unternehmenswelt, als die sich Facebook nach außen hin so gerne präsentiert.

Wie am Montagabend bekannt wurde, verlassen die beiden Gründer, Kevin Systrom, 34, und Mike Krieger, 32, „in Kürze“ das Unternehmen auf eigenen Wunsch. Laut US-Medien steckt dahinter Frust über die Einmischung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg bei Instagram. Dabei soll es zunehmend Streit über den Kurs des Netzwerks gegeben haben.

Der Abschied der beiden Instagram-Gründer setzt Zuckerberg unter Druck. Facebook hatte die Plattform 2012 für eine Milliarde Dollar gekauft. Im Silicon Valley sieht man es gern, wenn die Gründer einer Firma nach der Übernahme bleiben, um den besonderen Spirit und die Moral zu erhalten. Systrom galt als Produktvisionär von Instagram, Krieger leitete das Programmierteam. Für Facebook besitzt die Plattform zudem große strategische Bedeutung.

Die Popularität von Instagram wächst rasant. Dabei verjüngt die Foto- und Videoplattform den blauen Riesen aus Menlo Park. Facebook ist vor allem bei den Mittzwanzigern und Dreißigern beliebt, bei jüngeren Nutzern sieht es dünner aus.

Instagram gelang es, den gerade bei Jugendlichen beliebten Rivalen Snapchat aus Los Angeles auf Abstand zu halten. Umso schlimmer für Zuckerberg, dass die Instagram-Gründer nun die Zusammenarbeit aufkündigten.

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„Wir wollen eine Auszeit nehmen, um unsere Neugier und unsere Kreativität neu auszuloten. Etwas Neues aufzubauen bedeutet, einen Schritt zurückzutreten, zu verstehen, was uns inspiriert und es dann mit dem zu verbinden, was die Welt braucht. Das ist unser Plan“, hieß es in einer kurzen Erklärung von Instagram-Chef Systrom.

Die möglichen Streitigkeiten kommentierte er nicht. Auch Zuckerberg äußerte sich nur positiv über das Instagram-Duo. Auf Twitter bezeichnete er die beiden Gründer als „außergewöhnliche“ Führungspersönlichkeiten mit besonderen kreativen Talenten. „Ich habe in den vergangenen sechs Jahren in der Zusammenarbeit mit ihnen viel gelernt“, schrieb Zuckerberg. Er sei gespannt, was die beiden als Nächstes aufbauen würden, und wünsche ihnen „nur das Beste“.

Instagrams Erfolgsgeschichte

Die Gründer von Instagram lernten sich beim Studium an der Stanford-Universität kennen: Systrom belegte Ingenieurwesen, der in São Paulo geborene Krieger Informatik. Beide arbeiteten nach der Uni zunächst für andere Firmen, darunter Google. 2010 gründeten sie Instagram und verkauften ihr Start-up nach nur zwei Jahren an Facebook. Die App besaß damals gerade einmal 30 Millionen Nutzer, drohte jedoch bereits zum Konkurrenten für Facebook zu werden.

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Für Zuckerberg zahlte sich der Deal aus. Zuletzt vermeldete Instagram rund eine Milliarde Nutzer, Tendenz steigend. Neben dem Teilen und Verbreiten von Videos und Bildern bietet die App mit Instagram TV inzwischen auch eigene Videoinhalte. Medienberichten zufolge werkelt das Unternehmen zudem an einer Shopping-Applikation. Die potenziellen Werbeeinnahmen daraus wären selbst für Facebook-Maßstäbe riesig. Zuletzt schätzten Analysten den Wert von Instagram auf mehr als 100 Milliarden Dollar, Facebook wird mit 480 Milliarden Dollar bewertet.

Die Plattform spielt eine immer wichtigere Rolle innerhalb der Facebook-Familie: Beim Analystengespräch zu den Quartalszahlen nimmt Instagram inzwischen eine prominente Rolle ein. Analysten schätzen, dass das Netzwerk im vergangenen Jahr 10,6 Prozent zu Facebooks Gesamtumsatz beitrug, dieses Jahr sogar 16 Prozent. Inzwischen erreicht die App einen Jahresumsatz von geschätzten acht Milliarden Dollar, vor allem dank der wachsenden Werbeerlöse.

Krach zwischen Mutter und Tochter

Doch die zunehmende Monetarisierung ihrer Firma schien den beiden Instagram-Gründern nicht gefallen zu haben: Bislang hätten Systrom und Krieger vielen Anliegen des Mutterkonzerns widerstanden, heißt es in US-Medien. In der jüngsten Vergangenheit jedoch sei es dann zu immer mehr Streitigkeiten zwischen den Gründern und Zuckerberg gekommen: So berichtet etwa „Bloomberg“, Systrom und Krieger habe die wachsende Einmischung des Oberbosses aus Menlo Park frustriert. Der ist immer mehr auf die App Instagram angewiesen, um Facebooks Zukunft zu sichern.

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Das liegt nicht nur an traumhaften Wachstumszahlen, sondern auch am sauberen Image: Instagram ist ein freundliches Bildermeer aus Urlaubsschnappschüssen und Modeimpressionen. Die App bleibt von politischen Diskussionen bislang verschont. Facebook hingegen steht seit Monaten nach Datenskandalen, Hassreden und Vorwürfen der Wahlmanipulation in der Kritik.

Mit dem Instagram-Duo vergrault Zuckerberg innerhalb kürzester Zeit erneut wichtige kreative Köpfe. Erst im Mai trat Jan Koum zurück, einer der Mitgründer von WhatsApp. Im Hintergrund tobten da schon die Gerüchte: Der 42-Jährige habe das Unternehmen verlassen, weil er Bedenken hatte wegen der Privatsphäre der Nutzer, berichteten Medien. Facebook hatte angekündigt, im Statusbereich von WhatsApp Werbung einführen zu wollen. Das Ziel: die bislang kaum monetarisierte App in ein profitables Geschäftsmodell zu verwandeln.

Auch hier spielte Zuckerberg den Konflikt herunter. „Jan, ich werde die enge Zusammenarbeit mit dir vermissen“, kommentierte der Facebook-Chef die Abschiedsnachricht von Koum auf Facebook. Er sei dankbar für alles, was ihm der WhatsApp-Chef beigebracht habe. Er habe viel gelernt über Verschlüsselung und darüber, Macht von zentralisierten Systemen wieder in die Hände der Menschen zu legen, so Zuckerberg. „Diese Werte werden immer im Mittelpunkt von WhatsApp stehen.“

Nach dem Abschied von Koum installierte Zuckerberg seinen langjährigen Vertrauten Chris Cox als Chief Product Officer und übertrug ihm in dem Bereich auch die Kontrolle über Instagram. Die Gründer hinterlassen eine Lücke, die schwer zu füllen ist. Auch wenn schon der bisherige Instagram-Produktchef Adam Mosseri als Nachfolger gehandelt wird.

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