Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

28.08.2015

16:07 Uhr

Kommentar zu Facebook

Diskutier mit mir, Mark!

VonChristof Kerkmann

Facebook feiert einen beeindruckenden Nutzerrekord – und schweigt über die Probleme mit rassistischer Hetze. Doch Einfluss bedeutet Verantwortung. Es ist Zeit für eine öffentliche Debatte. Melde dich, Mark!

Der Facebook-Chef muss sich der Diskussion öffnen. AP

Mark Zuckberg

Der Facebook-Chef muss sich der Diskussion öffnen.

Waren Sie am Montag auf Facebook? Es spricht viel dafür: Das soziale Netzwerk hat jetzt vermeldet, dass erstmals mehr als eine Milliarde Mitglieder online waren, also grob geschätzt jeder dritte Internetnutzer auf der Welt. Die beeindruckende Zahl unterstreicht, wie bedeutend Facebook innerhalb weniger Jahre geworden ist. Gründer und Chef Mark Zuckerberg gebührt dafür Respekt, dass er aus einem Zeitvertreib für College-Studenten eine globale Kommunikationsplattform aufgebaut hat.

Großer Einfluss bedeutet aber auch große Verantwortung. Wer Menschen in aller Welt eine Stimme gibt, muss eingreifen, wenn sie allzu schiefe Töne anschlagen – ob in fremdenfeindlichen Kommentaren oder brutalen Enthauptungsvideos. Doch während das Unternehmen die Rekordmarke feiert, druckst es herum, wenn es um derartige Probleme geht. Es wird Zeit für eine offenere Diskussion.

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Christof Kerkmann

Der Autor ist Redakteur im Ressort Unternehmen & Märkte.

Am Montag haben Sie vielleicht ein Foto aus dem Urlaub hochgeladen oder einem Freund zum Geburtstag gratuliert. Vielleicht haben Sie auch einen Artikel des Handelsblatts über die Panik an den Börsen empfohlen und über Tipps für Geldanleger diskutiert. Oder Sie haben sich auf der Seite einer Flüchtlingsinitiative erkundigt, wo sie Kleiderspenden abgeben können. Das Netz ist ein Ort der Hilfe.

Facebook gebe „jeder Person eine Stimme“ und fördere das Verständnis, schreibt Zuckerberg. Der erste Teil der Aussage stimmt, der zweite aber nur halb. Vielleicht haben Sie sich am Montag auch an einer Diskussion über die Flüchtlingskrise beteiligt. Und nur den Kopf darüber geschüttelt, was Nutzer öffentlich schreiben, mit vollem Namen und Profilfoto. Etwa, dass Flüchtlinge die Kinder vom Spielplatz entführen. Oder dass man sie besser erschossen hätte – „spart Steuergelder“. Das Netz ist auch ein Ort des Hasses.

Facebook in Zahlen

Monatliche Nutzer

Pro Monat waren im dritten Quartal 2017 über zwei Milliarden Nutzer bei Facebook aktiv. Ein Jahr zuvor waren es noch 1,7 Milliarden.

Umsatz

2016 machte Facebook einen Umsatz von rund 27,64 Milliarden US-Dollar und konnte einen Gewinn in Höhe von rund 10,22 Milliarden US-Dollar ausweisen.

Die meisten Fans

hatten im August 2017 die Fanseiten von Christiano Ronaldo (122 Millionen), Real Madrid (106 Millionen) und Shakira (104 Millionen).

Mitarbeiter

Von gerade einmal knapp 2.100 Mitarbeitern im Jahr 2010 wuchs das Unternehmen auf über 17.000 im Jahr 2016.

Whatsapp

Der Nachrichtendienst Whatsapp, gemeinhin bekannt als das Ende der SMS, zählte im Juli 2017 rund 1,3 Milliarden Nutzer.

Instagram

Die Foto-Plattform Instagram wurde 2016 jeden Monat von 428 Millionen Nutzern besucht. Bis 2021 sollen es knapp 930 Millionen sein, schätzt das Marktforschungsunternehmen eMarketer.

Forschung und Entwicklung

Für diese Bereiche gab der Konzern 2016 knapp sechs Milliarden US-Dollar aus – 2011 waren es noch 388 Millionen US-Dollar.

Facebook kann nichts für das Denken der Nutzer, die Plattform ist ein Spiegelbild unserer Welt mit all ihren Konflikten – genauso übrigens wie Twitter und Youtube. Die Unternehmen stehen aber in der Verantwortung, Gewalt und Hetze zu unterbinden. Im Moment drängt sich der Eindruck auf, dass Facebook mit der schieren Masse überfordert ist. Man muss nicht lange suchen, um hasserfüllte Kommentare zu finden.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Fritz Yoski

28.08.2015, 16:15 Uhr

Probleme mit rassistischer Hetze.
Ich wuerde mal schaetzen das die meiste Hetze wirtschaftlich motiviert ist und nicht rassistisch. Aber rassistisch verkauft sich natuerlich besser.

Account gelöscht!

28.08.2015, 16:37 Uhr

Herr Zuckerberg braucht sich nicht zu melden. Das Internet ist grenzenlos. Ansässig ist Facebook in den USA und dort gilt die Meinungsfeiheit.
Die Deutsche Politik sollte sich um echte Probleme kümmern und nicht ausweichen auf ihre Hobbychen.
Schützt die Bürger und ihr Geld. Ob im Internet was Rassistisches, Kriminelles oder sonst was steht ist mir egal! Ich les es nicht!

Herr Horst Meiller

28.08.2015, 16:37 Uhr

Die größte Hetze gibt es da gegen alles was nicht antideutsch denkt oder schreibt. Da werden Zustimmungswerte... kreativ behandelt und Leute unter Druck gesetzt, die nicht alle Daten preisgeben wollen.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×