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25.09.2018

14:36

Kooperation mit Amazon

Snapchats verzweifelter Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit

Von: Johannes Steger

Aus Snapchat wird ein Shopping-Kanal: Mittels der Kamera sollen Nutzer in Zukunft bei Amazon einkaufen können. Ein Rettungsversuch des Bilderdienstes.

Snapchat: Verzweifelter Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit Reuters

Snapchat

Der Fotodienst kämpft gegen die übermächtige Konkurrenz von Facebook.

Düsseldorf Im Netz wird es eng für Snapchat: Nachdem Mark Zuckerberg mit dem Kaufersuchen gescheitert war, baute er in den eigenen Diensten Whatsapp, Instagram und Facebook quasi jedes Feature nach, das Snapchat gerade bei jungen Nutzerinnen und Nutzern beliebt machte. Und als wäre das noch nicht genug, startete das Imperium mit Instagram TV (ITV) dann auch noch einen direkten Angriff auf das wohl kuratierte und beliebte Snapchat Discover.

Rund eine Milliarde Menschen nutzen Instagram weltweit, knapp ein Jahr vorher waren es noch 800 Millionen Nutzer. Vom Zenith kann hier wirklich noch nicht gesprochen werden. Snapchat nutzten zuletzt 188 Millionen User.

Zuckerberg hat es erneut geschafft, seinen Dienst nach dem „Walled-Garden-Prinzip“ zu gestalten. Bildlich gesprochen also einem Garten, den der Besucher ob seiner vielen Ablenkungen gar nicht mehr verlassen will. Auf der anderen Seite der Mauer dörrt es dann vor sich hin.

Im Falle von Snapchat zeigt sich das zum Beispiel auch am Aktienkurs des Mutterkonzerns Snap: Von einstigen Werten von weit über 25 US-Dollar ist der Konzern weit entfernt, trotz steigendem Umsatz dümpelt das Papier derzeit bei knapp neun Dollar vor sich hin.

Zuletzt verbreitete Snapchat-Gründer Evan Spiegel noch Optimismus: „Wir sind begeistert von den Fortschritten, die wir gemacht haben, und optimistisch angesichts der Gelegenheiten, die vor uns liegen.“

Zu den Quartalszahlen im August konnte der Chef Gutes verkünden: Der Umsatz von Snap schoss um über 44 Prozent auf 262 Millionen Dollar in die Höhe. Zudem wurde der Quartalsverlust von 443 Millionen Dollar im Vorjahr auf 353 Millionen Dollar verringert. Ein Wermutstropfen blieb: Von April bis Ende Juni sank die Zahl der täglich aktiven User im Vergleich zum Vorquartal um zwei Prozent.

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Snapchat beeilte sich dann zu versichern, dass dies auch an der Neugestaltung der App gelegen hätte. Manch ein Beobachter sah gar den Zenit aller sozialen Netzwerke heraufdämmern, da auch Twitter und Facebook weniger beziehungsweise sinkende Nutzerzahlen verkündet hatten.

Das mag zwar stimmen, aber bei Snapchats größter Konkurrenz, der Facebook-Tochter Instagram, jubeln Analysten über die Wachstumsaussichten. Bis 2020 erwarten Experten einen Nutzeranstieg von einer bis zu zwei Milliarden. Da wirkt auch Spiegels Optimismus nur wie ein Trostpflaster für Anleger.

Kooperation mit Amazon

Doch aufgeben will der Konzern aus Los Angeles indes nicht. Nun versucht sich die App an einer neuen und so gar visionären Kooperation mit dem Online-Großhändler Amazon: Mittels Kamera sollen Snapchat-Nutzer zukünftig direkt bei Amazon einkaufen können. Ein Foto von einem Produkt aufnehmen und schon führt der Weg ins bunte Warenreich des Giganten aus Seattle.

Wie verschiedene US-Tech-Blogs berichten, laufen bereits erste Tests, Snapchat soll demnach eine Provision für Einkäufe erhalten. Doch so visionär die Kooperation zwischen Snap und Amazon auch sein mag, sie wirft ein Schlaglicht auf den Kampf gegen die Bedeutungslosigkeit, den der Bilder- und Videoschnipseldienst aus Los Angeles führt.

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Die Amazon-Kooperation hat aber Potenzial: Schließlich ist die Lösung nicht nur bequem, sondern bietet gewaltige Möglichkeiten für die unterschiedlichsten Nutzer – vom Modebegeisterten bis hin zum Tech-Nerd. Damit lassen sich vielleicht sogar neue Nutzer an die App binden.

Und doch besteht die Gefahr, dass Snap am Ende nur zu einem Kanal des Großhändlers verkommt. Außerdem soll auch Facebook derzeit an eigener Shopping-Lösung für Instagram arbeiten.

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