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11.01.2019

10:43

Lizenzvertrag gekündigt

Deutsche „Huffington Post“ wird im März eingestellt

Von: Catrin Bialek

Die US-Mutter hat überraschend den Lizenzvertrag mit dem Burda-Konzern gekündigt. Zuletzt soll es bei Personalien zu Unstimmigkeiten gekommen sein.

Seit 2013 ist die deutsche Version der Nachrichtenseite im Netz.

Deutsche „Huffington Post“

Seit 2013 ist die deutsche Version der Nachrichtenseite im Netz.

DüsseldorfSeit Oktober 2013 gibt es die Nachrichtenseite „Huffington Post“ (kurz „HuffPost“) in Deutschland. Doch trotz beachtlicher Reichweite von zuletzt durchschnittlich sieben Millionen Unique Usern im Monat zieht der amerikanische Mutterkonzern nun den Stecker: Am 31. März 2019 geht die deutsche „HuffPost“ vom Netz.

In Deutschland wurde das Portal von Burda Forward betrieben, einer Tochtergesellschaft von Hubert Burda Media („Focus“). Die US-Mutter hat nun überraschend den Lizenzvertrag mit Burda gekündigt.

Von der Schließung betroffen sind 13 Redakteure. Sie wurden am Freitagmorgen von der Nachricht überrascht. Noch im Herbst 2018 hatte Burda einen Redaktionsumzug von München nach Berlin angekündigt. Daraufhin war bereits ein Teil der Mitarbeiter in die Hauptstadt gezogen, andere haben das Unternehmen verlassen.

Für die verbliebenen 13 Beschäftigten wurde Ende Dezember noch emsig nach neuen Büroräumen in Berlin gesucht. Diese Planung ist nun vom Tisch.

Vor einem Jahr hatte Chefredakteur Sebastian Matthes seinen Posten aufgegeben, um in die Chefredaktion des Handelsblatts zu wechseln. Matthes' Position blieb bis zuletzt unbesetzt.

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Offenbar gab es schon bei der Nachbesetzung der Chefredaktion Unstimmigkeiten zwischen Deutschland und der „HuffPost“-Zentrale in den USA. Es gab lediglich zwei stellvertretende Chefredakteure bei der deutschen „HuffPost“, Benjamin Reuter und Kinga Rustler.

Gegründet wurde die „Huffington Post“ 2005 von Arianna Huffington, Kenneth Lerer, Andrew Breitbart und Jonah Peretti. Die Inhalte der Nachrichtenseite wurden anfangs neben Redakteuren auch von einem beachtlichen Pool unbezahlter Blogger erstellt. Das Modell stieß immer wieder auf Kritik. 2011 verkauften die Gründer das Portal an den Medienkonzern AOL, der wiederum 2015 von dem Telekomkonzern Verizon übernommen wurde.

Galionsfigur des Nachrichtenportals war in all den Jahren die extrem gut vernetzte Namensgeberin Arianna Huffington. Vor gut zwei Jahren zog sich die 68-Jährige jedoch zurück, um ein neues Unternehmen aufzubauen.

Im Dezember 2016 übernahm Lydia Polgreen, die von der „New York Times“ kam, den Posten der Chefredakteurin. Im ersten Amtsjahr nannte sie das Portal in „HuffPost“ um, machte die Nachrichtenseite politischer, wechselte die gesamte Führungsmannschaft aus und beendete die Zusammenarbeit mit einem Großteil der Blogger.

Strategische Unsicherheit

Seit 2017 ist die „HuffPost“ eine Tochter von Oath, einem Unternehmen, das aus dem Zusammenschluss von AOL und Yahoo entstanden ist und zu Verizon ist gehört. Beobachter beschreiben die vergangenen zwei Jahre bei der „HuffPost“ in den USA als schwierige Zeit. Erst viele Personalwechsel, sinkende Reichweiten und schließlich ein heftiger Personalabbau.

Hinzu kam offenbar eine zunehmende strategische Unsicherheit: Erst im Dezember schrieb Verizon eine Summe von 4,6 Milliarden Dollar auf das von Yahoo und AOL übernommene Geschäft ab. Als Grund nannte der Konzern den verschärften Wettbewerb bei Onlinewerbung. Branchenkenner werten dies aber auch als Abschied vom teuren Inhalte-Geschäft.

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Für das deutsche Medienhaus Burda entsteht nun eine missliche Situation. Die Münchner wollten mit dem Umzug der „HuffPost“ nach Berlin ein neues Kapitel aufschlagen: Mehr Relevanz, neue Themen, neue Reporter – das war der Plan. Schließlich wähnten sich die Münchner Medien-Manager auf einer Erfolgsspur: Die Reichweite der „HuffPost“ stieg nach einer Schwächephase wieder und die Gewinne waren seit dem dritten Geschäftsjahr in Deutschland stabil.

Auch anderswo hat die „HuffPost“ bereits den Stecker gezogen. Im vergangenen Jahr schloss die südafrikanische Ausgabe, und in Australien musste ein Großteil des Teams gehen. In den nächsten Monaten könnten weitere folgen, mutmaßen nun Branchenbeobachter.

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