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30.11.2018

04:00

Mangel bei Start-ups

Tech-Talente verzweifelt gesucht – Gründer leiden unter IT-Fachkräftemangel

Von: Johannes Steger, Miriam Schröder

Für die Start-up-Branche wird der Mangel an IT-Fachkräften zum Problem. Prominente Gründer schlagen mit einem offenen Brief Alarm beim EU-Parlament.

Der Mangel an IT-Fachkräften ist für Gründer weltweit ein Problem. dpa

Start-ups

Der Mangel an IT-Fachkräften ist für Gründer weltweit ein Problem.

Berlin, DüsseldorfOb Data-Scientist, Ruby-Developer oder Backend-Engineer, die Stellenausschreibungen lesen sich ähnlich, IT-Fachkräfte werden dringend gesucht. Das ist bei fast allen Start-ups so – von Adjust bis Zalando.

Und das könnte zum entscheidenden Wettbewerbsnachteil werden, befürchten europäische Gründer und schlagen Alarm. Einen entsprechenden Brief an die EU-Parlamentarier hat nun eine Gruppe von Start-ups veröffentlicht.

Als einen „großen Flaschenhals beim Wachstum“ bezeichnen die bisherigen 30 Unterzeichner des Briefs den eklatanten Mangel an IT-Fachkräften in Europa. Im Laufe der nächsten zwölf Monate müsse man 100.000 Arbeitskräfte einstellen, so heißt es in dem Schreiben: „Ohne Verzögerung rufen wir die Gesetzgeber auf, die lückenhaften, inkonsistenten und strafenden Regeln zu beheben, die die Anteilschaft von Mitarbeitern bestimmen.“

Konkret geht es Unterzeichnern wie Dominik Richter (Hello Fresh), Nicolas Brusson (Blablacar) oder Niklas Östberg (Delivery Hero) vor allem darum, die Regelungen zur Beteiligung von Mitarbeitern an einem Unternehmen zu erleichtern – um einen monetären Anreiz über das Gehalt hinaus schaffen zu können. Denn nicht nur bei den Start-ups, auch bei Konzernen herrscht Bedarf an den begehrten Fachkräften – und die können meist weitaus besser zahlen.

Bei Delivery Hero spricht man gegenüber dem Handelsblatt von einem „ernst zu nehmenden Wettbewerbsnachteil mit Blick auf US-Unternehmen“, der dazu führe, „dass es in manchen Bereichen zusehends schwieriger wird, geeignete Mitarbeiter zu finden“.

Praktisch bedeuteten die unterschiedlichen Regularien in den USA und Europa nicht nur, dass ein Amerikaner eher im eigenen Land bleibe, als nach Europa zu kommen, sondern auch, dass Nichtamerikaner eher in die USA auswanderten: „Dies kann im schlimmsten Fall zu einem Braindrain führen.“

Ähnlich sieht es Florian Nöll, Vorsitzender des Bundesverbands Deutsche Start-ups, der die Aktion unterstützt: „Mitarbeiterbeteiligungen sind ein extrem wichtiger und oft unterschätzter Baustein für den langfristigen Erfolg eines Start-up-Ökosystems. Ohne die Mitarbeiterbeteiligungen und die daraus entstandene Business-Angel-Kultur wäre das Silicon Valley nicht dort, wo es heute steht.“

Doch das Problem ist keinesfalls auf Europa begrenzt: Der Mangel an Tech-Fachkräften ist ein globales Problem – aus ganz unterschiedlichen Gründen. Im Silicon Valley fürchtet die Szene die Trump’schen Einwanderungsrestriktionen.

Ein globales Problem

Auch in Israel klagen viele Gründer zunehmend über die wachsende Konkurrenz von multinationalen Konzernen, die mit prallen Salären die IT-Talente zu sich ziehen. Einige Gründer verlagern deshalb ihre Entwicklungszentren ins Ausland, unter anderem nach Osteuropa – wo sie wiederum mit europäischen Gründern konkurrieren.

„Das Problem ist überall das gleiche“, bestätigt Marc-Alexander Christ. Der Gründer des Fintechs SumUp beschäftigt 1300 Leute an zwölf Standorten weltweit, unter anderem in der Ukraine, in Chile oder in Brasilien.

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Stärker als die Restriktionen bei der Mitarbeiterbeteiligung stören den Unternehmer die bürokratischen Hürden bei der Einwanderung: „Wenn ich hier jemanden einstellen will, der nicht in der EU geboren ist, kostet uns das viel Zeit“, sagt Christ. Zum Problem bei der Anwerbung von Mitarbeitern könnten im Übrigen auch die steigenden Mieten in Städten wie Berlin werden.

Auch für Bastian Nominacher von der Softwarefirma Celonis ist das Gehalt nicht der einzige Wettbewerbsfaktor. Fachkräfte interessierten sich vor allem für spannende Aufgaben und Herausforderungen, sagt der Gründer: „Ich denke, Start-ups müssen sich hier nicht verstecken.“

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