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04.03.2022

13:16

Medien

Alphabet und Meta beherrschen die Medienindustrie – traditionelle Medienhäuser verlieren an Bedeutung

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Die Zeit der Medienzaren ist vorbei: Datenkonzerne aus dem Silicon Valley und China haben klassische Fernseh- und Verlagshäuser verdrängt, zeigt ein neues Ranking.

Medien: Alphabet und Meta beherrschen die Medienindustrie Reuters

Facebook-Mutter Meta

Der Konzern von Mark Zuckerberg ist in der Medienbranche mittlerweile einer der wichtigsten Spieler.

München Auf den Kriegsterror des Wladimir Putin kam aus Silicon Valley eine rasche Reaktion. Der Google-Mutterkonzern Alphabet stoppte den russischen Staatssender RT und weitere durch Moskau gesteuerte Medien: Sie sollten nicht länger mit Werbung bei den Alphabet-Tochterfirmen Google oder Youtube viel Geld verdienen können. Man beobachte die neuen Entwicklungen und werde, falls nötig, weitere Schritte unternehmen, kommentierte ein Firmensprecher.

Auch der Facebook-Konzern Meta Platforms entschloss sich zum Werbebann gegen Russlands Staatsmedien – deren Konten würden schleunigst „demonetarisiert“. Und, selbstverständlich, man intensiviere die Suche nach Fake News in Russland und in der Ukraine.

Die Aktionen der beiden US-Giganten sind ökonomisch bedeutend – Alphabet ist mit einem anteiligen Umsatz von 159,8 Milliarden Dollar der mit Abstand weltgrößte Medienkonzern. Die Nummer drei der Industrie ist der Facebook-Mutterkonzern Meta Platforms von Mark Zuckerberg mit rund 75 Milliarden Dollar. Die Zahlen stammen – mit dem Geschäftsjahr 2020 als Basis – aus dem jetzt in zweiter Auflage erschienenen Buch „Wer beherrscht die Medien?“ Es belegt an vielen Stellen die wachsende Bedeutung der Tech-Konzerne. Weltweit übernehmen sie das klassische Mediengeschäft.

Die großen traditionellen, vertikal integrierten Medienkonzerne mit ihren TV-Sendern, Radiostationen, Verlagen, Filmstudios, Musikabteilungen, Themenparks und Computerspiel-Anbietern würden „zunehmend von neuen Wissens- und Datenkonzernen verdrängt“, schreiben die Herausgeber Lutz Hachmeister, Christian Wagener und Till Wäscher. Das geschehe parallel zu einer „atemberaubenden Konsolidierung des US-Medienmarkts“ mit etlichen „mega mergers“.

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    Einerseits, so die Analyse der Autoren, machten die Giganten der Online-Industrie – Google, Apple, Facebook, Amazon, Microsoft und Netflix – den angestammten Medienhäusern durch das emsige Sammeln von Nutzerdaten die Werbemarktanteile streitig.

    Andererseits investierten sie aber auch selbst kräftig in die Produktion von Inhalten, von Streaming-Serien bei Apple+ bis zu Online-Shows auf Facebook Watch oder dem beabsichtigten Kauf des Hollywood-Studios MGM durch Amazon.

    China könnte die USA als wichtigster Kinomarkt ablösen

    Dieser Trend führt dazu, dass unter den Top 25 bereits heute fünf chinesische Medienanbieter zu finden sind. Umsatzstärkster Konzern aus Fernost ist Tencent Holdings mit der erfolgreichen App „WeChat“ sowie einem voluminösen Spiele-Geschäft. Tencent sei „nach einer beispiellosen internationalen Einkaufstour“ innerhalb kürzester Zeit zum größten Games-Publisher der Welt aufgestiegen, heißt es im Buch.

    Schanghai sowie Peking hätten es geschafft, zu „den neuen Zentren der Medienkonzernwelt“ zu werden, die mittelbar den Inhalt „westlicher“ Filme und Games kontrollierten, die auch den Massengeschmack in China bestimmten. Die Volksrepublik werde in Kürze die USA als wichtigsten Kinomarkt ablösen.

    Im Ranking taucht die Bertelsmann SE als größtes deutsches Medienunternehmen (Umsatz: 17,29 Milliarden Dollar) erst auf Rang 19 auf. Ein Newcomer wie Netflix ist längst vorbeigezogen und liegt nun mit 21,89 Milliarden Dollar Umsatz auf dem 16. Platz.

    Grafik

    Noch 1995 hatten die Gütersloher als Zweiter auf dieser Liste engen Kontakt zur Weltspitze, doch der Boom des Internets belastet die Bilanz des deutschen Medienkonzerns. Nur dank der Weltmarktführerschaft der Buchtochter Penguin Random House, des internationalen Musikrechtegeschäfts und der profitablen RTL-Fernsehgruppe hält sich der deutsche Konzern noch in den Top 20.

    Bertelsmann ist neben Lagardéré (Hachette, „Paris Match“) aus Frankreich und Advance Publications („Vogue“, „Vanity Fair“) der einzige Top-Medienkonzern mit einem noch nennenswerten Printgeschäft. Man braucht kein Hellseher zu sein, um demnächst Baidu aus China und andere vorbeiziehen zu sehen. Bitteres Fazit der Verfasser: „Die deutsche Medienindustrie, so kann man empirisch feststellen, löst sich langsam, aber sicher auf – jedenfalls was ihr internationales Standing anbelangt.“

    ARD und BBC mit mehr Etat als Netflix

    Vor 25 Jahren befanden sich unter den Top 50 der globalen Medienwelt noch acht heimische Größen, etwa die Kirch-Gruppe, Axel Springer oder Bauer. Heute ist hier neben Bertelsmann nur doch die von Beiträgen der Bürger lebende ARD zu finden. Doch die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten stehen generell wegen einer aufgeblähten Organisationsstruktur unter großem Druck. Noch hätten ARD und BBC mit Etats von jährlich 6,5 Milliarden Euro mehr Geld als internationale Herausforderer wie Netflix oder Discovery, scheiben die Buchautoren – „man fragt sich nur, wie lange noch“.

    Nur noch nostalgisch wirkt da der Rückblick auf die Anfangsjahre des Privatfernsehens, als Unternehmer wie Leo Kirch, Silvio Berlusconi oder und Reinhard Mohn die Branche beherrschten. Von den alten „Medien-Zaren“ des 20. Jahrhunderts ist nur noch der 90-jährige Rupert Murdoch mit seinem Unternehmen News Corp./Fox in den Top 20 vertreten, auch wenn er sein Hollywood-Studio an Disney und sein Pay-TV-Geschäft Sky an den US-Kabelkonzern Comcast verkauft hat.

    Inzwischen dominiere, so die Buchautoren, nicht mehr der Medien-Patriarch, sondern der „Typus des futurologischen Investors“ à la Peter Thiel, der Firmen wie Facebook, Paypal oder Palantir angeschoben hat.

    Dominiert wird der Medienmarkt aber nach wie vor von Männern. Der durchschnittliche Manager ist über 50 Jahre alt, weiß und sehr wohlhabend. Im Ranking der Top 50 finden sich in der Liga der CEOs tatsächlich nur zwei Frauen und zwei nicht weiße Männer.

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