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05.05.2022

10:55

Medien

Berlusconi-Konzern will Aufsichtsrat von Pro Sieben Sat 1 nicht entlasten

Im Machtkampf mit dem TV-Konzern legt der Großaktionär nach. MFE will bei der Hauptversammlung am Donnerstag gegen die Entlastung der Aufseher stimmen.

MFE hält mehr als 25 Prozent am deutschen Konzern und hat wiederholt auf eine engere Zusammenarbeit gedrungen. Reuters

Zentrale von Pro Sieben Sat 1 in Unterföhring

MFE hält mehr als 25 Prozent am deutschen Konzern und hat wiederholt auf eine engere Zusammenarbeit gedrungen.

Berlin Der Machtkampf zwischen Pro Sieben Sat 1 und seinem Großaktionär MFE kommt auch zur Hauptversammlung nicht zur Ruhe. Die vom ehemaligen italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi dominierte Fernsehholding MFE-Mediaforeurope will beim virtuellen Pro-Sieben-Aktionärstreffen am Donnerstag zwar den Vorstand des deutschen Fernsehkonzerns entlasten – nicht aber den Aufsichtsrat.

Man unterstütze das bayerische Unternehmen weiter und werde deshalb für die Entlastung des Vorstands um Pro-Sieben-Sat-1-Chef Rainer Beaujean stimmen, erklärte MFE am Mittwoch. MFE werde jedoch gegen die pauschale Entlastung des Kontrollgremiums votieren.

Die Italiener hatten beantragt, dass über die Entlastung der Mitglieder von Vorstand wie auch vom Aufsichtsrat jeweils einzeln und nicht pauschal abgestimmt werde solle. Das hat Pro Sieben abgelehnt. Beaujean verteidigte die Entscheidung unmittelbar vor Beginn des virtuellen Aktionärstreffen am Donnerstag. „Das ist aus unserer Sicht richtig gewesen“, sagte Beaujean.

„Wir wissen alle, dass das Thema Einzelentlastung eigentlich im Regelfall nicht üblich ist, sondern nur in Ausnahmefällen stattfindet, wenn tatsächlich etwas vorgefallen ist in den jeweiligen Gremien“, erklärte Beaujean. Nur 14 von 90 Dax- und MDax-Firmen würden dies so handhaben. Jeder Aktionär habe jedoch das Recht, seine Meinung zu äußern.

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    MFE, früher als Mediaset bekannt, hält mehr als 25 Prozent am deutschen Konzern und hat wiederholt auf eine engere Zusammenarbeit gedrungen. Zuletzt war die Stimmung zwischen beiden Firmen getrübt, weil sich MFE bei Personalentscheidungen übergangen fühlte – etwa bei Beaujeans Vertragsverlängerung und der Nachfolgeregelung an der Aufsichtsratsspitze.

    Die Italiener sandten einige Giftpfeile nach Unterföhring und drohten damit, alternative Kandidaten für den Aufsichtsrat vorzustellen. Zudem sagte MFE-Finanzchef Marco Giordani, man habe zwar derzeit keine Pläne, Pro Sieben Sat 1 zu übernehmen. „Was in einem Jahr ist, wird man dann sehen“, schob er in einem Interview hinterher.

    Nun schlugen die Italiener auch versöhnlichere Töne an. MFE bezeichnete sich als langfristig orientierter Anteilseigner, der die neue Strategie von Pro Sieben Sat 1 unterstütze. Man habe dabei nicht die Absicht, sich operativ in das Mediengeschäft von ProSieben einzumischen. MFE sei dabei, ein Geschäftsmodell für die Zukunft zu entwerfen, während ProSieben seine Ziele auf eigenständiger Basis verfolge. „Beide Ebenen können nebeneinander bestehen und Synergieeffekte erzeugen.“

    Beaujean hatte vor kurzem in einem Interview noch einmal klare Kante gezeigt: „Ich sehe Pro Sieben Sat 1 als absolut unabhängiges Unternehmen, das aus sich selbst heraus wächst“, hatte er der „Süddeutschen Zeitung“ gesagt. Er pochte angesichts zunehmender Avancen von MFE auf die eigene Unabhängigkeit. „Wir würden gerne von Media for Europe erfahren, wie ihre Pläne für einen paneuropäischen Medienkonzern konkret aussehen und welchen Mehrwert das für alle unsere Stakeholder hätte, für Zuschauer, Kunden, Mitarbeiter, Aktionäre, die Öffentlichkeit.“

    Der Pro-Sieben-Sat-1-Investor Deka Investment blickt derweil skeptisch auf den steigenden Einfluss von MFE bei den Bayern. „Wir sehen den wachsenden Unternehmensanteil des italienischen Ankeraktionärs MFE mit Sorge, da weder die Strategie noch die Absichten klar sind“, sagte Ingo Speich, Leiter Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei Deka Investment, jüngst in einem Statement zur Hauptversammlung. „Wir fordern MFE dazu auf, Farbe zu bekennen“, betonte Speich.

    Von

    rtr

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