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22.09.2022

15:02

Medien

RTL erwägt Verkauf der französischen TV-Tochter M6 – Mit Interessenbekundungen „überschwemmt“

Von: Michael Scheppe

Mit seinem Plan, einen nationalen Medienchampion in Frankreich zu schaffen, ist RTL-Chef Thomas Rabe gescheitert. Nun sucht er einen Käufer für die TV-Tochter.

TV-Sender M6 in Paris Reuters

TV-Sender M6 in Paris

Die RTL Group hatte gemeinsam mit dem französischen Mischkonzern Bouygues am Freitag das Vorhaben gestoppt, die M6 Group und TF1 zu einem nationalen Fernseh-Champion zu fusionieren.

Berlin Nach der gescheiterten Fernsehfusion in Frankreich lotet der Medienkonzern RTL nun einen Verkauf seiner Sendergruppe M6 aus. Man werde mit Interessenbekundungen für den Kauf der M6-Beteiligung „überschwemmt“, sagte Thomas Rabe, der zugleich Chef der RTL Group und seiner Muttergesellschaft Bertelsmann ist, der britischen „Financial Times“. „Deshalb testen wir den Markt.“ Auf Grundlage dieses Tests werde das Unternehmen entscheiden, ob man verkaufe oder nicht, so der Medienmanager.

Rabe wollte in Frankreich M6, an dem die RTL Group fast die Hälfte der Anteile hält, mit der privaten TV-Gruppe TF1 fusionieren, die dem französischen Mischkonzern Bouygues gehört. Am vergangenen Freitag zogen beide Unternehmen jedoch ihre Pläne zurück, weil Wettbewerbsprüfer Bedenken angemeldet hatten. Bertelsmann hatte die Haltung der französischen Wettbewerbsbehörden als „verpasste Chance“ kritisiert.

Wie in Frankreich verfolgt Rabe in vielen Ländern die Strategie, durch Fusionen „nationale Medienchampions zu schaffen“, wie der Manager gern sagt, um im Wettbewerb gegen die globalen Tech-Plattformen wie Netflix oder Amazon bestehen zu können. So will RTL Nederland in den Niederlanden mit John de Mols Medienunternehmen Talpa Network fusionieren. Voraussichtlich im Herbst könnte dieser Deal durch sein.

In Frankreich hätten die Kartellwächter wohl nur bei einem Verkauf des Hauptsenders TF1 oder M6 grünes Licht gegeben. Aus strategischer Sicht von Bertelsmann war das aber nicht sinnvoll, weil so kein mediales Schwergewicht in Frankreich entstanden wäre.

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    Medienberichten zufolge werden erste vorläufige Angebote für M6 bis Freitag erwartet. Die RTL-Gruppe steht mit ihrem Vorhaben unter zeitlichem Druck. Sollte die TV-Sendergruppe letztlich M6 verkaufen wollen, müsste der Deal bis Frühjahr 2023 abgeschlossen sein. Denn dann wird die Sendelizenz von M6 erneuert. Danach darf der Hauptanteilseigner seine Aktien fünf Jahre lang nicht verkaufen.

    Vivendi und Berlusconi-Konzern MFE gelten als Interessenten

    Als künftige Interessenten bei einem Verkauf von M6 gelten in der Branche der französische Medienriese Vivendi und das niederländische Medienunternehmen MediaForEurope (MFE), das seinen Verwaltungssitz in Italien hat. MFE wird von der Familie des früheren italienischen Regierungschefs Silvio Berlusconi kontrolliert.

    Sowohl Vevendi als auch MFE waren schon zuvor an M6 interessiert. Im Markt wurde auch das Internetunternehmen Altice des Telekommunikationsunternehmers und Milliardärs Patrick Drahi als potenzieller Käufer ins Spiel gebracht. Alle drei Firmen lehnten Stellungnahmen ab.

    An der Börse kamen die Verkaufspläne gut an: Die Aktien des TV-Senders M6 stiegen in Paris zwischenzeitlich um gut fünf Prozent, die Papiere von TF1 rückten zwischenzeitlich um bis zu vier Prozent vor. Die Anteilsscheine der RTL Group notierten leicht im Minus.

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