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17.08.2021

12:11

Medienkonzern

Axel Springer will wohl Anteil an US-Partner Politico erwerben

Von: Catrin Bialek

Seit 2015 betreiben die Konzerne gemeinsam die Medienplattform Politico Europe. Mit Zukäufen in den USA hat Springer zuletzt gute Erfahrungen gemacht.

Der Medienkonzern prüft einem Bericht zufolge einen Einstieg beim US-Unternehmen Politico. dpa

Axel Springer

Der Medienkonzern prüft einem Bericht zufolge einen Einstieg beim US-Unternehmen Politico.

Düsseldorf Der Medienkonzern Axel Springer will einem Zeitungsbericht zufolge sein US-Geschäft deutlich stärken. Nach einem Bericht des „Wall Street Journals“ ist der Herausgeber von „Bild“ und „Welt“ an einem Kauf des US-Nachrichtenunternehmens Politico interessiert, zu dem das Unternehmen seit vielen Jahren Geschäftsbeziehungen unterhält.

Möglich sei eine Beteiligung an Politico oder gar eine vollständige Übernahme, schreibt die US-Zeitung. Die Verhandlungen seien noch nicht abgeschlossen. Auf Anfrage erklärte ein Springer-Sprecher am Dienstag, man wolle Gerüchte und Spekulationen grundsätzlich nicht kommentieren.

In den vergangenen Jahren hat das Berliner Medienhaus sein US-Geschäft bereits sichtbar erweitert. 2015 hatten die Deutschen die US-Medienplattform Business Insider erworben, der Kaufpreis lag bei etwa 500 Millionen US-Dollar. Ein Jahr später folgte der Kauf des amerikanischen Marktforschungsunternehmens Emarketer für 242 Millionen US-Dollar.

Im vergangenen Jahr hatte Springer beide Unternehmen miteinander verschmolzen, da Insider Inc, wie das Unternehmen inzwischen heißt, über einen wachsenden Geschäftskundenbereich verfügt und die Marktforschungsexpertise dort Anschluss fand.

Die Einkaufstour Springers in den Staaten ging im vergangenen Jahr weiter, als das Unternehmen Morning Brew kaufte, einen digitalen Verlag rund um Wirtschaftsthemen. Morning Brew ist unter anderem im Geschäft der zahlungspflichtigen Newsletter tätig, das gerade eine kleine Blüte erlebt. In Deutschland verfolgt Springer das Newsletter-Geschäft unter anderem mit seiner Beteiligung am Medienunternehmen Media Pioneer des früheren Handelsblatt-Herausgebers Gabor Steingart.

Partner seit vielen Jahren

Politico mit seinen mehr als 700 Beschäftigten in den USA und in Europa wäre nun eine deutliche Verstärkung Springers in den USA. Bereits seit vielen Jahren arbeiten beide Unternehmen als Partner zusammen: Springer betreibt mit Politico seit 2015 in einem Gemeinschaftsunternehmen die Medienplattform Politico Europe, die ihren Hauptsitz in Brüssel hat und über Niederlassungen auf dem ganzen Kontinent verfügt.

Beide Partner halten je 50 Prozent an dem Joint Venture. Mit jährlich zweistelligem Wachstum wurde Politico Europe nach Konzernangaben innerhalb der ersten vier Jahre profitabel. Auch durch das vergangene Coronajahr ist die Medienplattform nach Angaben des Unternehmens gut gekommen.

Politico Europe verfügt über ein Bezahlmodell, das sich als erfolgreich erwiesen habe, wie es intern heißt. Seit Herbst führt Jamil Anderlini als neuer Chefredakteur den 100-köpfigen Newsroom.

Politico wurde 2007 als Zeitung in den Vereinigten Staaten gegründet und hat sich dort zu einem der wichtigsten Medien im Washingtoner Politikbetrieb entwickelt. Politico hat nach Meinung vieler Beobachter die Art der politischen Berichterstattung revolutioniert.

„Win the morning“ lautete die Parole – gewinne den Morgen. Danach sollten jeden Morgen Geschichten publiziert werden, über die den Rest des Tages geredet werden sollte. Atemlosigkeit stand anfangs vor Tiefgang. Doch wer im politischen Raum auf dem neuesten Stand bleiben wollte, musste den Medien-Newcomer gelesen haben.

USA ist einer der Kernmärkte für Springer

Politico-Verleger Robert Allbritton ist der Eigentümer und Gründer der Politico-Muttergesellschaft Capitol News Company Sollten die Gerüchte stimmen, so würde sich der 52 Jahre alte Verleger im 15. Jahr nach Gründung der US-Zeitung von seinen Anteilen trennen.

Für den „Bild“- und „Welt“-Herausgeber Springer sind die USA neben Deutschland und Polen Kernmarkt für neue Investitionen. Seit dem Einstieg des US-Finanzinvestors KKR im Jahr 2019 peilen die Berliner verstärkt Wachstum auch über Zukäufe an. Die Coronakrise hatte den Konzern hierbei allerdings etwas gebremst.

Der Umsatz von Axel Springer ist 2020 um rund sieben Prozent auf 2,9 Milliarden Euro gesunken, das bereinigte Ergebnis (Ebitda) um etwa 20 Prozent auf rund 500 Millionen Euro. „Wie die meisten Unternehmen haben wir uns dieses Jahr natürlich ganz anders vorgestellt“, sagte Konzernchef Mathias Döpfner Ende 2020 auf der virtuellen Hauptversammlung.

Der amerikanische Investor KKR ist inzwischen größter Anteilseigner und hat das Unternehmen von der Börse genommen. Neben KKR halten weiterhin die Verlegerwitwe Friede Springer sowie CEO Döpfner große Anteile. Der Rückzug von der Börse sollte dem Unternehmen nach dem Willen des Managements mehr Freiheit bei Investitionen geben, ohne den Aktienkurs zu beeinflussen.

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