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04.11.2022

09:26

Medienkonzern

Bertelsmann kämpft mit Werbeflaute: Wichtigste Tochter RTL rechnet 2022 mit weniger Umsatz

Von: Michael Scheppe

Der Gesamtkonzern will weiter einen Rekordumsatz von 20 Milliarden Euro erzielen. Er kämpft aber mit Rückschlägen bei Fusionen.

Ein Schild mit dem Logo von Bertelsmann steht vor der Zentrale in Gütersloh. dpa

Bertelsmann

Ein Schild mit dem Logo von Bertelsmann steht vor der Zentrale in Gütersloh.

Düsseldorf Europas zweitgrößter Medienkonzern Bertelsmann leidet unter einem schwächelnden Werbemarkt. Die wichtigste Konzerntochter RTL, die fast die Hälfte des Gesamtgewinns ausmacht, senkte nun ihre Prognose. Der Umsatz werde mit 7,2 Milliarden Euro unter dem bislang anvisierten Betrag von 7,3 bis 7,5 Milliarden Euro liegen, wie der Konzern am Freitagmorgen mitteilte.

Bereits im Sommer musste RTL wegen der Werbemarktflaute seine Gewinnaussichten senken. Nun stellte die Sendergruppe klar, dass das bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) mit 1,05 Milliarden sogar am unteren Ende der gesenkten Prognose liegen werde.

Vorstandschef Thomas Rabe, der auch den Mutterkonzern Bertelsmann führt, sprach angesichts der Werbeprobleme von „soliden“ Ergebnissen. „Mit Blick auf das vierte Quartal gehen wir davon aus, dass sich das schwierige Umfeld auf den Werbemärkten, vor allem in Deutschland, fortsetzen wird.“

Insgesamt hat der Medien-, Dienstleistungs- und Bildungskonzern Bertelsmann in den ersten neun Monaten seinen Umsatz steigern können. Dieser lag bei 14,4 Milliarden Euro – ein Plus aus eigener Kraft von fünf Prozent. Das teilte der Gütersloher Mutterkonzern ebenfalls am Freitagmorgen mit. Ergebniskennziffern nennt Bertelsmann anlässlich seiner Neunmonatszahlen nicht.

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    Konzernchef Rabe hatte im Sommer dem Handelsblatt gesagt, dieses Jahr erstmals die 20-Milliarden-Schwelle beim Umsatz überschreiten zu wollen. „Der bisher höchste Konzernumsatz nach neun Monaten eines Jahres stimmt uns zuversichtlich, dass wir für das Gesamtjahr umsatzseitig die Marke von 20 Milliarden Euro erstmals überschreiten werden“, lässt sich Rabe am Freitag in einer Konzernmitteilung zitieren. Die 20 Milliarden wären ein Rekorderlös, schon 2021 erzielte das Unternehmen mit 18,7 Milliarden Euro ein Allzeithoch beim Umsatz.

    Werbegeschäft steht für 21,6 Prozent der Bertelsmann-Erlöse

    Rabe, der dem Familienunternehmen und dessen Gesellschafterfamilie Mohn seit 2012 vorsteht, hat den Medienkonzern internationaler, digitaler und wachstumsstärker aufgestellt. Zudem hat er die Abhängigkeit vom konjunkturabhängigen Werbe- und Anzeigengeschäft verringert. Doch dieses steht noch immer für 21,6 Prozent der Erlöse. Wegen der wirtschaftlichen Unsicherheit und der Konsumzurückhaltung schalten Firmen gerade weniger Reklame.

    Grafik

    Rabe, dessen Vertrag bis Ende 2026 läuft, hatte zuletzt große Wachstumspläne angekündigt: Bis 2026 soll der Umsatz bei 24 Milliarden Euro liegen, der Gewinn bei vier Milliarden. 2021 erzielte Bertelsmann noch ein Ebitda von 3,2 Milliarden.

    Die Wachstumsfantasien wurden zuletzt aber gestoppt. Gleich drei Fusionspläne scheiterten binnen weniger Wochen. Erst diese Woche wurde das Übernahmevorhaben des New Yorker Verlags Simon & Schuster durch die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House durch die US-Justiz gestoppt. Die weltweite Nummer eins im Buchgeschäft wollte die Nummer vier übernehmen. Bertelsmann will Berufung gegen das Urteil einlegen.

    Auch in der Callcenter-Branche gab es einen Rückschlag: Die Konzerntochter Majorel kam, anders als geplant, nicht mit dem doppelt so großen Konkurrenten Sitel der französischen Milliardärsfamilie Mulliez zusammen. Man zerstritt sich wegen steigender Zinsen. Dabei hatten sich die Konzerne schon im Sommer auf die Grundzüge der Übernahme geeinigt.

    Fusion in den Niederlanden: RTL rechnet im vierten Quartal mit Entscheidung

    Und in Frankreich wollte die Bertelsmann-Beteiligung M6 mit dem TV-Sender TF1 des französischen Mischkonzerns Bouygues zusammengehen. Nachdem die Kartellbehörde starke Bedenken äußerte, weil das Duo mehr als 70 Prozent des Werbefernsehens kontrolliert hätte, zog Bertelsmann seine Pläne zurück. Auch Plan B, M6 anderweitig zu verkaufen, scheiterte.

    Der Fernsehkonzern senkt seine Prognose. dpa

    RTL

    Der Fernsehkonzern senkt seine Prognose.

    Konzernchef Rabe verfolgt die Strategie, auf lokaler Ebene „nationale Medienchampions“ zu schaffen, um der globalen Konkurrenz wie Netflix oder Disney etwas entgegenzusetzen. So auch in den Niederlanden: Dort will RTL Nederland den Konkurrenten Talpa Network des Medienunternehmers John de Mol übernehmen.

    Auch hier droht dem Konzern eine Schlappe, erste Auflagen durch die Behörden zeichnen sich bereits ab. RTL erwartet eine Entscheidung „für das vierte Quartal des Jahres 2022“. Wenn auch diese Übernahme scheitert, hätten sich für Bertelsmann Transaktionen im Gesamtwert von fünf Milliarden Euro aufgelöst.

    IT-Dienstleister Arvato zählt zu den Wachstumstreibern

    Zu den Wachstumstreibern von Bertelsmann zählte erneut der IT-Dienstleister Arvato. Der zweitgrößte Bertelsmann-Bereich befinde sich „weiterhin auf Wachstumskurs“, teilte Bertelsmann mit, ohne konkrete Zahlen zu nennen.

    Der Bertelsmann-CEO ist zuletzt mit seinen Fusionsplänen gescheitert. imago images / Reiner Zensen

    Thomas Rabe

    Der Bertelsmann-CEO ist zuletzt mit seinen Fusionsplänen gescheitert.

    Arvato verwaltet etwa die Rechnungen von Amazon oder transportiert Medikamente. Ein halbes Dutzend Mal am Tag sollen Verbraucher mit den Arvato-Diensten in Kontakt kommen. Das Musikunternehmen BMG „wuchs zweitstellig“.

    Bertelsmann bekräftigte sein Ziel, im Rahmen seiner „Boost“ genannten Zukunftsstrategie bis 2025 fünf bis sieben Milliarden Euro zu investieren. Allein im ersten Halbjahr nahm der Konzern dafür rund 750 Millionen Euro in die Hand und stockte unter anderem mit 161 Millionen Euro seine Anteile am brasilianischen Bildungsunternehmen Afya auf, um das internationale Bildungsgeschäft zu stärken.

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