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22.11.2022

09:27

Medienkonzern

Bertelsmann scheitert mit Milliardenfusion – Nächste Schlappe für Konzernchef Rabe

Von: Michael Scheppe

PremiumDie Bertelsmann-Tochter Penguin ist mit dem Kauf des Buchverlags Simon & Schuster gescheitert. Für CEO Thomas Rabe ist es der dritte Rückschlag, ein weiterer droht.

Thomas Rabe Bertelsmann

Thomas Rabe

Der Topmanager muss einen weiteren Rückschlag verkraften.

Düsseldorf In der Buchbranche ist ein milliardenschwerer Deal endgültig geplatzt: Die Bertelsmann-Tochter Penguin Random House wird den New Yorker Verlag Simon & Schuster nicht übernehmen. „Bertelsmann wird das Wachstum seines globalen Buchverlagsgeschäfts ohne den bislang geplanten Zusammenschluss von Penguin Random House und Simon & Schuster vorantreiben“, teilte der Medienkonzern am Montagabend mit.

Dass der 2,2 Milliarden Dollar schwere Deal nicht gelingt, deutete sich bereits Anfang November an: Eine Washingtoner Bezirksrichterin blockierte das Vorhaben und folgte damit dem Einwand des US-Justizministeriums, wonach eine Fusion von zwei der größten Verlagsgruppen der Welt den Wettbewerb für Bestseller-Bücher schmälern würde.

Bertelsmann hatte daraufhin angekündigt, im Eilverfahren Berufung gegen das Urteil einlegen zu wollen, weil dieses aus Sicht des Konzerns etwa auf einer falschen Marktdefinitionen beruhe. Nun teilt das Gütersloher Familienunternehmen mit: „Bertelsmann wird den ursprünglichen Plan nach Gesprächen mit Simon-&-Schuster-Gesellschafter Paramount Global nicht weiterverfolgen.“ Paramount bestätigte in einer Börsenmitteilung, dass der Deal vom Tisch ist.

Vor zwei Jahren hatte die Bertelsmann-Tochter die Übernahme des US-Verlags angekündigt. Die weltweite Nummer eins im Buchgeschäft wollte die Nummer vier übernehmen. Die Übernahme sollte schon 2021 abgeschlossen sein, doch das US-Justizministerium hatte im November 2021 Klage gegen den Zusammenschluss eingereicht. Das Verlagshaus Simon & Schuster veröffentlicht die Werke namhafter Autoren und Persönlichkeiten wie Hillary Clinton oder Stephen King.

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    Beide Firmen hätten gemeinsam Berufung gegen das Urteil einlegen müssen. Penguin Random House hätte Paramount von diesem Vorhaben bis Montag (Ortszeit) überzeugen müssen, doch der Simon-&-Schuster-Eigentümer lehnte ab. Für das US-Unternehmen sei es das nicht wert, sich weiter mit dem Justizministerium zu streiten, schrieben US-Medien.

    Bertelsmann muss 200 Millionen Dollar Gebühr zahlen

    Weil der Deal nun nach zwei Jahren nicht gelungen ist, muss Bertelsmann eine Abfindung in Höhe von 200 Millionen Dollar (195,4 Millionen Euro) an Paramount zahlen. Dazu hatte sich der Konzern bei der Vereinbarung des Deals verpflichtet. Zudem bleibt der Konzern auf hohen Gerichtskosten sitzen.

    Grafik

    Ursprünglich wollte Bertelsmann mit dem Kauf von Simon & Schuster seine Präsenz in seinem zweitgrößten Markt USA stärken. Bertelsmann-Chef Thomas Rabe hatte die Übernahme damals als „strategischen Meilenstein zur Stärkung unseres globalen Inhaltegeschäfts bezeichnet“.

    Nun will Rabe auch ohne den Zukauf in diesem Bereich jährlich zwischen fünf bis zehn Prozent wachsen – „organisch, aber auch durch Akquisitionen“, wird der Bertelsmann-Chef in der aktuellen Konzernmitteilung zitiert.

    Penguin Random House machte 2021 einen Rekordumsatz von vier Milliarden Euro und ist nach der RTL Group und dem Dienstleister Arvato der drittgrößte Bereich von Bertelsmann. Der Verlag beschäftigt weltweit 10.000 Mitarbeiter und verkauft jährlich mehr als 700 Millionen Bücher. Bestseller waren zuletzt etwa Bücher des ehemaligen US-Präsidenten Barack Obama („Ein verheißenes Land“) und seiner Frau Michelle („Becoming“).

    Im Rahmen seiner „Boost“ genannten Zukunftsstrategie will Bertelsmann bis 2026 fünf bis sieben Milliarden Euro in seine Geschäfte investieren. „Auch Penguin Random House werden erhebliche Investitionsmittel zur Verfügung stehen“, so Rabe.

    Dritter Dämpfer für Rabe, ein vierter droht

    Für den 57-jährigen Topmanager Rabe ist es in nur wenigen Wochen die dritte Schlappe bei seinen Fusionsplänen. Rabe verfolgt bei Europas zweitgrößtem Medienkonzern die Strategie, auf lokaler Ebene „nationale Medienchampions“ zu gründen, um der globalen Konkurrenz wie Netflix oder Disney etwas entgegenzusetzen.

    In Frankreich wollte die Bertelsmann-Beteiligung M6 mit dem TV-Sender TF1 des französischen Mischkonzerns Bouygues zusammengehen. Nachdem die Kartellbehörde Bedenken äußerte, weil das Duo mehr als 70 Prozent des Werbefernsehens kontrolliert hätte, zog Bertelsmann seine Pläne zurück. Auch Plan B, M6 anderweitig zu verkaufen, scheiterte, weil es bis Januar zu einem neuen Deal hätte kommen müssen, der Zeitplan dafür aber zu knapp war.

    Auch in der Callcenter-Branche scheiterten Rabes Übernahmefantasien. Die Konzerntochter Majorel kam, anders als geplant, nicht mit dem doppelt so großen Konkurrenten Sitel der französischen Milliardärsfamilie Mulliez zusammen. Sie zerstritten sich wegen steigender Zinsen. Dabei hatten sich die Konzerne schon im Sommer auf die Grundzüge der Übernahme geeinigt.

    In den Niederlanden droht nun die vierte Schlappe. Die Kartellwächter entscheiden über die geplante Fusion von RTL Nederland mit John de Mols Talpa Network. Auflagen zeichnen sich schon ab. Der TV-Sender erwartet eine Entscheidung „für das vierte Quartal des Jahres 2022“.

    Sollte auch dieser vierte Deal scheitern, könnten sich bei dem Gütersloher Familienunternehmen geplante Transaktionen im Gesamtwert von fünf Milliarden Euro in Luft auflösen. Der Druck auf Konzernchef Rabe würde dann steigen. Aufsichtsratschef Christoph Mohn stärkte dem Manager zuletzt den Rücken: „Wir denken langfristig: Wenn sich Pläne um zwei, drei Jahre verzögern, ist das kein Problem“, sagte Mohn dem Handelsblatt.

    Das Scheitern des neuerlichen Deals in Amerika öffnet die Tür für neue Käufer von Simon & Schuster. Paramount bekräftigte am Montagabend, dass der Verlag nicht zum Konzern passe. Die Verlagsgruppe Harper Collins, die zu News Corp gehört, und Konkurrent Hachette Book Group von der französischen Unternehmensgruppe Lagardère haben bereits öffentlich ihr Interesse am Kauf von Simon & Schuster bekundet. Harper Collins hatte sich bereits 2020 erfolglos um Simon & Schuster bemüht.

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