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26.11.2018

08:11

Medienkonzern

Darum kaufen alle Aufsichtsräte von Pro Sieben eigene Aktien

Von: Joachim Hofer

Der Aktienkurs ist seit Monaten unter Druck. Nun wollen die Aufseher ein Zeichen setzen. Besonders viel Geld haben sie nicht eingesetzt – mit einer Ausnahme.

Der Aufsichtsratschef von Pro Sieben Sat 1 erwarb Mitte November Papiere für 62.827,24 Euro. Dirk Hoppe für Handelsblatt

Werner Brandt

Der Aufsichtsratschef von Pro Sieben Sat 1 erwarb Mitte November Papiere für 62.827,24 Euro.

München Seht her, wir glauben an das Unternehmen: Diese Botschaft wollen die Aufsichtsräte von Pro Sieben Sat 1 verbreiten. Daher haben sämtliche Mitglieder des Gremiums in den vergangenen Wochen Aktien des Medienkonzerns erworben. Das geht aus mehreren Mitteilungen des im MDax notierten Unternehmens hervor.

Den höchsten Betrag der neun Kontrolleure hat Ketan Mehta eingesetzt. Der Amerikaner orderte Aktien im Wert von 199.453,27 Dollar, umgerechnet rund 175.000 Euro. Aufsichtsratschef Werner Brandt erwarb Mitte November Papiere für 62.827,24 Euro. Den kleinsten Kaufauftrag gab Aufseher Adam Cahan ab mit 9936,02 Dollar (rund 8757 Euro).

Es hat seinen Grund, dass die Aufsichtsräte gerade jetzt geschlossen Aktien von Pro Sieben Sat 1 gekauft haben: Der neue Vorstandsvorsitzende Max Conze hat Mitte November angekündigt, dass er die TV-Gruppe in den nächsten Jahren radikal umbauen wird. Die Investoren sehen die Neuausrichtung jedoch ausgesprochen skeptisch. Seit Conze im Juni in Unterföhring antrat, ist der Kurs um rund ein Drittel abgesackt. Da kann ein Bekenntnis zu den Plänen nur guttun.

Gemessen an ihrer Vergütung fallen die Aktienkäufe der Aufsichtsräte freilich eher bescheiden aus. So kassierte Brandt dem Geschäftsbericht zufolge vergangenes Jahr 358.000 Euro, hat jetzt also nicht einmal ein Fünftel seiner Einkünfte verwendet. Die große Ausnahme ist Ketan Mehta. Der Manager erhielt 135.500 Euro von Pro Sieben Sat 1. Damit hat er nun als Einziger mehr Geld für den Aktienkauf ausgegeben, als er von dem Konzern 2017 bekam.

Insgesamt zahlte der Konzern eigenen Angaben zufolge seinen Kontrolleuren 2017 gut 1,5 Millionen Euro. Sämtliche Aktienkäufe der vergangenen Wochen zusammen belaufen sich auf rund 383 000 Euro. Zahlreiche Aufseher, darunter auch Brand und Mehta, hatten allerdings bereits im Lauf dieses Jahres schon einmal Aktien gekauft, zu deutlich höheren Kursen als jetzt.

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Der neue Chef Max Conze will investieren. Für die Aktionäre der Sendergruppe brechen damit erst einmal härtere Zeiten an.

Vorstandschef Max Conze setzt demgegenüber deutlich größere Summen ein. Der Konzernlenker kaufte in den vergangenen Monaten für etwa zwei Millionen Euro Aktien seines Unternehmens. Zuletzt orderte er Anfang November für knapp eine Million Euro Papiere. Seit seinen Aktienkäufen im August ist der Kurs indes massiv zurück gegangen.

Mitte November hat der 49-Jährige ein tief greifendes Umbauprogramm vorgestellt. Das hat die Anleger erst einmal verschreckt, der Aktienkurs gab deutlich nach. Denn Conze will künftig wesentlich weniger an die Anteilseigner verteilen, dafür aber mehr investieren. Statt bislang 80 bis 90 Prozent des um Sondereffekte bereinigten Konzernüberschusses sollen die Anteilseigner vom kommenden Jahr an nur noch 50 Prozent erhalten.

Mehr lokale Filme und Serien

Sein Ziel sei es, den Umsatz von Deutschlands größter privater Sendergruppe in den nächsten fünf Jahren von derzeit vier auf sechs Milliarden Euro zu steigern. Kräftig klettern soll auch der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda), und zwar um die Hälfte auf 1,5 Milliarden.

Um das zu erreichen, will Conze vermehrt eigene, lokale Filme und Serien ausstrahlen. „Darin wurde nicht genügend investiert“, kritisierte er. So will Conze mehr Zuschauer erreichen und damit letztlich die Werbeeinnahmen steigern.

Gleichzeitig will er seine digitalen Plattformen ausbauen, um die Kunden über alle Verbreitungswege zu erreichen und dort Reklame zu verkaufen. Zudem soll die E-Commerce-Sparte NuCom stark zulegen. Darin hat der Konzern Beteiligungen wie Verivox, Parship oder Jochen Schweizer gebündelt.

Der Zukunftsplan kostet allerdings erst einmal einen Haufen Geld. 120 Millionen Euro will Conze kommendes Jahr zusätzlich investieren, nicht zuletzt in deutschsprachige Inhalte und neue Technologien.

Kommentar: Der teure Strategieschwenk bei Pro Sieben Sat 1 ist ein Alarmsignal

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Der neue Chef Max Conze steuert radikal um und nimmt in Kauf, dass sich die Anleger scharenweise abwenden. Das zeigt: Die Lage ist ernst.

Pro Sieben Sat 1 braucht dringend einen Schub. So hat Conze jüngst das Umsatzziel für 2018 kassiert. Der Konzern geht nun von einem Umsatzrückgang im niedrigen einstelligen Prozentbereich auf rund vier Milliarden Euro aus.

Zuvor hatten die Münchener ein Plus von etwa fünf Prozent im Vergleich zum Vorjahr in Aussicht gestellt. Bereinigt um Konsolidierungs- und Währungseffekte sei mit einem Wachstum im niedrigen einstelligen Prozentbereich zu rechnen.

Die Analysten sind sich uneinig, ob der Kurs in den nächsten Monaten wieder steigen wird. Beim seinem ersten Auftritt vor Investoren und Analysten habe Conze jedoch einen guten Eindruck gemacht, meint Analyst Conor O'Shea von Kepler Cheuvreux.

Dass er selbst an seinen Weg glaubt, das hat der Ex-Chef des Staubsaugerherstellers Dyson mit den eigenen Aktienkäufen bewiesen. Angesichts des finanziellen Engagements der Aufsichtsräte ist zudem klar: Die Kontrolleure stehen hinter ihm.

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