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30.09.2019

17:28

Medienkonzern

Springer baut Jobs ab und senkt die Prognose – „Welt kompakt“ wird eingestellt

Von: Catrin Bialek

Nach dem Einstieg des Finanzinvestors KKR will sich das Medienhaus stärker auf digitale Inhalte fokussieren – und Millionen einsparen. Das trifft auch „Bild“ und „Welt“.

Auch die Marken „Bild“, „Welt“ und „B.Z.“ kommen nicht ungeschoren davon. dpa

Axel Springer

Auch die Marken „Bild“, „Welt“ und „B.Z.“ kommen nicht ungeschoren davon.

Düsseldorf Im Nachhinein ergibt ein Tweet von „Bild am Sonntag“-Chefredakteurin Marion Horn einen neuen Sinn: Vergangene Woche bedankte sie sich via Twitter für sechs Jahre als Chefredakteurin der Wochenzeitung. „Danke für sechs Jahre harte Arbeit und sechs Jahre extrem viel Spaß“, schrieb sie. Es war nicht nur ein Dankeschön – es war womöglich die Intonierung eines Abschieds.

Am Montag bereitete das Management des Medienkonzerns Axel Springer den Spekulationen um die rote („Bild“) und die blaue („Welt“) Gruppe ein Ende. Der Verlag will die Eigenständigkeit von „Bild“ und „Bild am Sonntag“ beenden und die beiden Marken unter der Führung von Gesamt-Chefredakteur Julian Reichelt fusionieren. Welche Rolle „BamS“-Chefredakteurin Horn in diesem neuen Konstrukt spielt, ist offen. Es ist nur eine von vielen Veränderungen bei Axel Springer.

Der Konzern, der zuletzt 3,2 Milliarden Euro umsetzte, baut um: In der Sparte News Media National sollen 50 Millionen Euro eingespart werden. Das bedeutet unter anderem, dass „Bild“ und „BamS“ zusammengelegt werden. Die „B.Z.“ konzentriert sich künftig auf regionale Inhalte, die sie auch für den Berlin-Teil der „Bild“ liefert, umgekehrt erstellt „Bild“ die überregionalen Inhalte der „B.Z.“. Die werktäglichen Ausgaben der „Welt Kompakt“ sowie der „Welt Hamburg“ werden eingestellt, „Bilanz“ wird in die „Welt“ integriert. Für „Welt“, „Bild“ und „Sport Bild“ wird es eine gemeinsame Sportredaktion geben.

Seit Wochen hat Vorständin Stephanie Caspar an dem Umbauprojekt gearbeitet. Die Betriebswirtin leitet das digitale und das klassische Verlagsgeschäft bei Springer. „Die Zukunft der Marken ,Bild‘ und ,Welt‘ liegt natürlich im Digitalen“, hatte Caspar in einem Handelsblatt-Interview im April 2019 betont. Gedruckter Journalismus verheißt dagegen kein Wachstum mehr.

Betriebsbedingte Kündigungen nicht ausgeschlossen

Es ist ein harter Schnitt mit vielen Veränderungen. „Wir wollen Journalismus bei Axel Springer in Deutschland jetzt zukunftsfähig machen – nicht langsam, zäh und in jährlich neuen Sparrunden, sondern in einem umfassenden, schnellen Schritt und mit großen Veränderungskonzepten“, schrieb Caspar gemeinsam mit CEO Mathias Döpfner am Montag in einer internen Mitarbeiter-Mail, die dem Handelsblatt vorliegt.

Das Management schließt betriebsbedingte Kündigungen nicht aus, setzt aber auf Vorruhestand, Fluktuation sowie ein Freiwilligenprogramm mit finanziellen Anreizen. Auch solle es Qualifizierungsmöglichkeiten für Mitarbeiter geben, heißt es.

Über die genaue Anzahl der betroffenen Mitarbeiter herrscht Unklarheit. Das bemängelte am Montag die Gewerkschaft Verdi. Betriebsräte und Belegschaften sollten „rechtzeitig und umfassend über alle geplanten Maßnahmen informiert werden“, forderte Verdi-Bundesvorstandsmitglied Christoph Schmitz, zuständig unter anderem für Medien. „Das ist bisher nicht geschehen.“

„Einer der größten Medienverlage Europas strukturiert so massiv um, dass kein Stein auf dem anderen bleibt“, sagte der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall.

Seit dem Einstieg des US-Investors KKR bei Springer in diesem Sommer kursieren Gerüchte über einen massiven Stellenabbau. Der Investor besitzt 43,5 Prozent der Firmenanteile und ist somit auf Augenhöhe mit Verlegerwitwe Friede Springer und CEO Döpfner. Die Zeichen stehen aber auf Umbau – nicht nur auf Abbau.

Im Bereich News Media National sollen in den nächsten drei Jahren mehr als 100 Millionen Euro investiert werden. „Bild“ soll beispielsweise auf die TV-Bildschirme gebracht werden – rund 20 Millionen Euro will Springer dafür ausgeben. Dazu passt, dass sich Großaktionär KKR Anfang des Jahres ein kleines TV-Reich mit Tele München und anderen Firmen zusammengekauft hat.

„Medien können sich nicht mit Schlagzeilen, die überall und vor allem kostenlos verfügbar sind, differenzieren. Sie müssen einen Mehrwert bieten“, sagt Markus Kreher, Medienexperte der Beratung KPMG. Insofern hält er die Zusammenlegung von Redaktionen, wie sie Springer nun plant, für sinnvoll. So könnten Synergien gehoben werden.

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