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16.09.2019

17:16

Medienkonzern

Springer-Chef Döpfner kündigt nach KKR-Einstieg Stellenabbau an

Von: Catrin Bialek

Mit dem Einstieg des Finanzinvestors KKR wird Springer noch stärker auf seine Kosten schauen. Von den Umbaumaßnahmen werden auch Arbeitsplätze betroffen sein.

Anteilseignerin Friede Springer hat klargestellt: „Wir bleiben ein journalistisches Haus.“ dpa

Axel Springer

Anteilseignerin Friede Springer hat klargestellt: „Wir bleiben ein journalistisches Haus.“

Düsseldorf Ein denkwürdiges Interview erschien am Montag in der „Süddeutschen Zeitung“: Verlegerwitwe Friede Springer gab gemeinsam mit Mathias Döpfner, CEO von Axel Springer, und Johannes Huth, Europachef des amerikanischen Finanzinvestors KKR, Auskunft über die Zukunft des Berliner Medienunternehmens („Bild“, „Welt“).

Düstere Wolken hängen darüber, die Rede ist von Stellenabbau, womöglich einer Abkehr vom Journalismus. Doch davon wollen die drei Menschen, die die Geschicke des Unternehmens lenken, nichts wissen.

Im vergangenen Mai gab KKR den geplanten Einstieg bei dem börsennotierten Unternehmen Axel Springer bekannt. Großaktionärin Friede Springer sowie CEO Döpfner stellten von Anfang an klar, dass sie ihre Anteile von zusammen 45,4 Prozent behalten würden. Im August meldete der Finanzinvestor, dass er sich einen Antei l von 42,5 Prozent gesichert habe. Gemeinsam mit KKR bilden Friede Springer und Döpfner nun ein Konsortium – sofern die außenwirtschaftsrechtlichen, kartellrechtlichen und medienkonzentrationsrechtlichen Genehmigungen erteilt werden.

Rasch machten Gerüchte über einen drohenden Stellenabbau die Runde. Auch die Einstellung der Traditionszeitung „Welt“ wird thematisiert. Insider berichten von Stellenstreichungen beim Springer-Vermarkter Media Impact. Die ohnehin seit Jahren geltenden Sparanstrengungen Springers, so schien es, werden mit dem Einstieg der Amerikaner noch um eines intensiviert.

In dem Zeitungsinterview räumte Konzernchef Döpfner ein: „Wo strukturell Umsatzrückgang herrscht, müssen wir restrukturieren und Arbeitsplätze abbauen. Es wird eine Umschichtung geben.“ Das betreffe die „Welt“, aber auch die „Bild“-Zeitung, die Zeitschriften sowie die Druckereien. „Wir werden eher bei den Häuptlingen als bei den Indianern sparen. Wir verschlanken die Hierarchien“, meinte Döpfner.

Klarheit in einigen Wochen

In dem Medienhaus ist am Montag von einem Stellenabbau „größeren Umfangs“ die Rede. Noch müssten entsprechende Konzepte ausgearbeitet werden, sagte eine Konzernsprecherin, bevor konkrete Pläne vorgestellt würden. Das sei eine Frage „von Wochen, nicht von Monaten“. Aktuell beschäftigt das Unternehmen rund 16.000 Mitarbeiter.

Seit Jahren entwickelt sich Axel Springer weg von einem Medienhaus hin zu einem Digitalunternehmen. 74 Prozent des Umsatzes und 87 Prozent des Gewinns erzielt das Unternehmen heute mit Geschäften rund um digitale Plattformen wie der Jobbörse Stepstone, dem Häusermarktplatz Immowelt oder auch dem Vergleichsportal Idealo. Es sind die Bereiche, die in der jungen Plattformökonomie noch wachsen.

Klassischer Journalismus bleibt dagegen ein Sorgenkind, die Werbeumsätze sinken kontinuierlich. Traditionsreiche Publikationen wie die „Welt“ gelten als defizitär.

Wie zur Beruhigung beteuert Friede Springer in dem Interview: „Wir bleiben ein journalistisches Haus“. Es ist das Erbe ihres verstorbenen Mannes, das sie bewahren will. Und doch stellt CEO Döpfner klar: „Der Zeitungsjournalismus muss sich vom Papier emanzipieren. Die Zukunft des Journalismus ist digital.“

Der frühere Journalist Döpfner, der seit 17 Jahren den Vorstandsvorsitz inne hat, setzt vor allem auf digitale Nachrichtenportale. Dazu gehört zum Beispiel das Nachrichtenportal „Business Insider“, das Springer 2015 gekauft hat. Oder auch die Nachrichtenapp „Upday“, die auf Smartphones des koreanischen Konzerns Samsung installiert ist. Gerätebesitzer können über diese App personalisierte Nachrichten erhalten.

Springers Stellenstreichungen in allen Bereichen, die als nicht mehr wachstumsstark identifiziert werden, sind unter Umständen ein erster Gruß des neuen Anteilseigners KKR. Huths Redeanteil in dem Dreier-Interview fiel gering aus. Doch CEO Döpfner stellte inmitten des Gesprächs auch klar: „KKR kann nicht ohne Frau Springer entscheiden und andersherum.“

Mehr: Der Finanzinvestor KKR steigt beim Medienkonzern Axel Springer ein. Dadurch sinkt der Streubesitz des Unternehmens unter eine wichtige Schwelle.

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