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30.05.2019

13:33

Medienkonzern

US-Investor KKR will bei Springer einsteigen – Anleger reagieren euphorisch

Von: Catrin Bialek

KKR verhandelt mit dem Konzern über eine strategische Beteiligung. Der US-Finanzinvestor könnte Axel Springer von der Börse nehmen.

Der Aktienkurs legte am Donnerstag kräftig zu. dpa

Axel Springer

Der Aktienkurs legte am Donnerstag kräftig zu.

Düsseldorf In der deutschen Medienlandschaft bahnt sich ein Megadeal an. Der Axel-Springer-Konzern hat Gespräche mit dem US-Finanzinvestor KKR über eine strategische Beteiligung bestätigt. Zuvor hatte die Nachrichtenagentur Bloomberg darüber berichtet.

Die Amerikaner wollen allen Aktionären mit Ausnahme von Verlegerwitwe Friede Springer und Vorstandschef Mathias Döpfner ihre Anteile abkaufen. Beide verfügen zusammen über 45,4 Prozent an dem Unternehmen. KKR wird die Firma nach dem Einstieg voraussichtlich von der Börse nehmen, heißt es in dem Bloomberg-Bericht.

Der Verhandlungsstand sehe vor, dass die Amerikaner mit den Beteiligungsgesellschaften von Friede Springer und Mathias Döpfner ein Kaufangebot für die restlichen Aktien vorlegten, teilte Axel Springer in einer Pflichtmitteilung mit. Ob es zu den beschriebenen Schritten und „anschließenden gesellschaftsrechtlichen Strukturmaßnahmen“ komme, sei aus Sicht des Vorstands derzeit offen, hieß es weiter. Geprüft werde noch im Detail die steuerliche und finanzielle Machbarkeit.

Anleger reagierten euphorisch auf die Meldung: Der Springer-Kurs legte am Donnerstag bis zu 20 Prozent auf 54,30 Euro zu. Das Papier des Medienkonzerns, das im MDax notiert ist, schwächelt seit geraumer Zeit. Binnen Jahresfrist hatte die Aktie etwa 30 Prozent an Wert eingebüßt.

Die Börse wähle eine kurzfristige Betrachtung, sagte Döpfner im März bei der Präsentation der Geschäftszahlen 2018. An diesem Tag war die Aktie erneut eingeknickt. Er als Unternehmenschef müsse dagegen den langfristigen Blick bewahren und investieren, sagte Döpfner.

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Genau dabei soll KKR als strategischer Investor helfen, sagte ein Unternehmensinsider dem Handelsblatt. Der Druck des Kapitalmarktes, kurzfristig Gewinne auszuschütten, sei schlicht zu groß, um ein Unternehmen wie Springer für die Zukunft aufzustellen.

„Da bleibt zu wenig Geld für Wachstum und Investitionen“, sagt der Insider, der das Unternehmen seit vielen Jahren kennt. Durch den Einstieg von KKR könne sich Springer in den nächsten Jahren abseits der Börse radikal verändern „und mit neuen Investitionen sein bisheriges Kerngeschäft ergänzen – oder sogar komplett umpositionieren“. Daher wäre so ein Investment auch „langfristig angelegt“.

KKR ist bei Springer bestens bekannt. Führungskräfte bezeichnen KKR-Mitbesitzer Henry Kravis gegenüber dem Handelsblatt als einen „bei Springer geschätzten Investor, der seit Jahren enge Kontakte zu dem Unternehmen pflegt“. Mehrfach war Kravis in Berlin, nahm immer wieder an Konferenzen des Unternehmens teil und tauschte sich regelmäßig mit Top-Führungskräften des Medienunternehmens aus.

KKR hat Erfahrungen im Mediensektor

Der Zeitpunkt für den Einstieg wäre für KKR günstig. Der Börsenwert des Springer-Konzerns belief sich vor der Ankündigung auf etwa 4,9 Milliarden Euro und lag nach dem Kurssprung am Donnerstag um rund eine Milliarde höher. Unklar ist, ob KKR einen Mehrheitsanteil übernehmen wird. Denn neben den 45,4 Prozent von Friede Springer und Mathias Döpfner halten Springers Enkel Axel Sven und Ariane Melanie Pakete zusammen 9,8 Prozent. Es ist offen, was sie mit ihren Anteilen vorhaben.

KKR hat einschlägige Erfahrung im deutschen Mediensektor. Von 2006 bis 2013 war der Finanzinvestor an Pro Sieben Sat 1 beteiligt. Axel Springer war damals an einer Übernahme des Münchener TV-Konzerns interessiert, was an kartellrechtlichen Problemen scheiterte. Auch aktuell mischen die Amerikaner in Deutschland mit: Zusammen mit Fred Kogel baut KKR seit Anfang des Jahres eine Fernseh- und Filmproduktionsfirma in Deutschland auf.

Der Einstieg bei Axel Springer wäre von größerem Kaliber. Springer hat früh auf Digitalisierung gesetzt und sich von klassischen Medienmarken („Hörzu“, „Hamburger Abendblatt“, „Bild der Frau“) getrennt. Springers publizistische Flaggschiffe sind heute „Bild“ und „Welt“, dazu reine Online-Nachrichtenangebote wie „Business Insider“ und „Upday“.

Konsequent baute das Medienhaus zudem das digitale Kleinanzeigengeschäft mit Portalen für Immobilienvermittlung („Immonet“) und Stellenanzeigen („Stepstone“) aus. Sie sind die Wachstumstreiber und tragen mehr als 60 Prozent zum Gewinn bei. Der Umsatz der digitalen Kleinanzeigen, gebündelt in der Sparte „Classifieds Media“, ist im vergangenen Jahr um 20 Prozent auf 1,2 Milliarden Euro gestiegen.

Insgesamt hat Axel Springer 3,2 Milliarden Euro umgesetzt. Für das laufende Geschäftsjahr hatte der Konzern eine zurückhaltende Prognose abgegeben und auf anstehende Investitionen verwiesen.
Im Bereich Classifieds und News Media wolle das Unternehmen einen zweistelligen Millionenbetrag investieren, hatte Finanzvorstand Julian Deutz im März angekündigt.

Mehr: Stephanie Caspar verantwortet die digitale Zukunft des Medienkonzerns Axel Springer. Die große Bühne überlässt die Betriebswirtin aber lieber anderen. Lesen Sie hier ein Porträt.

Kommentare (1)

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Herr Andreas Niem

30.05.2019, 18:34 Uhr

Die US-Amerikaner wollen die deutsche Medienlandschaft und damit unsere Wahlen beeinflussen? Wie wohl die Berichterstattung klingen würde wenn Russen bei Axel Springer einsteigen würden?

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