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12.11.2019

15:55

Medienkonzern

Warum Mediaset fast eine halbe Milliarde Euro für Pro-Sieben-Sat-1-Anteile ausgibt

Von: Hans-Jürgen Jakobs

Silvio Berlusconis TV-Konzern arbeitet an einer europäischen Allianz. Nun drängen dessen Manager in den Aufsichtsrat von Pro Sieben in München.

Weitere Zukäufe durch den neuen Großaktionär aus Italien sind durchaus möglich. Reuters

Mediaset-Turm

Weitere Zukäufe durch den neuen Großaktionär aus Italien sind durchaus möglich.

München Schon früh, vor rund 30 Jahren, war die italienische Berlusconi-Familie im deutschen Fernsehmarkt eine Größe. Doch der deutsche Partner Leo Kirch ging 2002 pleite. Nun ist die Dynastie aus Mailand wieder da – mit viel größeren Ambitionen. Fast eine halbe Milliarde Euro ist schon investiert.

Der von Berlusconi maßgeblich gelenkte TV-Konzern Mediaset erhöht den Anteil am einstigen Kirch-Besitz Pro Sieben Sat 1 Media um 5,5 Prozent auf 15,1 Prozent. Der Einzug in den Aufsichtsrat ist hochwahrscheinlich. „Wir wollen präsent sein, um dem Unternehmen zu helfen, seinen Wert weiter zu steigern“, sagt Mediaset-Finanzvorstand Marco Giordani, 57, im Gespräch mit dem Handelsblatt. „Der Aufsichtsrat von Pro Sieben Sat 1 ist unserer Auffassung nach gut besetzt. Wenn man dort glaubt, Mediaset könnte Know-how einbringen, wären wir offen dafür, einen Kandidaten zu nominieren“, sagt Giordani.

Konkret beredet ist offenbar noch nichts. Giordani sprach am Montagabend, nach der PR-Mitteilung über den aktuellen Anteilskauf, mit zwei Vertretern der Münchener Gruppe: Aufsichtsratschef Werner Brandt und CEO Max Conze. Die Atmosphäre soll freundlich gewesen sein, man kennt sich, zum Beispiel aus der European Media Alliance, wo sich die führenden Privatsender Europas versammelt haben. Doch für die Strategen von Mediaset ist dabei zu wenig Fortschritt erkennbar – deshalb machen sie nun Druck. „Dort führen wir gute Gespräche, leider fehlen bislang Lösungen“, offenbart Finanzchef Giordani.

Mediaset drängt auf die richtige Antwort gegen den verschärften Wettbewerb durch die großen US-Medienkonzerne wie Facebook, Google, Disney, AT&T, Amazon oder Netflix. „Dagegen müssen wir in Europa unsere Kräfte bündeln, um überhaupt für Werbekunden interessant zu sein“, erklärt der Mediaset-Finanzvorstand. „Das Interesse aus China und Südostasien ist riesig.“ Beim ersten deutschen Vorstoß der Italiener vor Jahrzehnten sei es darum gegangen, das kommerzielle Fernsehen überall auf dem Kontinent zu verbreiten, nun gehe es in der digitalen Ära um ganz neue Fragen, etwa Daten.

Das Thema Europa lassen sich die Italiener einiges kosten. Im Mai waren sie erstmals in München aktiv geworden, der Marktpreis des ersten Kauf-Pakets lag bei 330 Millionen Euro. Nun waren rund 150 Millionen Euro für die Pro-Sieben-Aktien fällig – wobei der heruntergeprügelte Kurs unter Führung von CEO Conze seit Juni 2018 nie mehr in die luftigen Höhen von einst gelangt war.

Das Ziel ist eine bessere Vermarktung

Weitere Zukäufe durch den neuen Großaktionär aus Italien sind durchaus möglich: „Technisch kann Mediaset eine Milliarde Euro für Investitionen in Europa einsetzen, dafür haben wir die finanziellen Mittel“, sagt Marco Giordani. „Derzeit ist aber nichts spruchreif. Aber ich will nicht ausschließen, dass wir in Deutschland oder anderen europäischen Ländern noch einmal aktiv werden.“

Zunächst muss sich die Berlusconi-Familie (Mediaset-Anteil: 44 Prozent) zu Hause mit dem renitenten Großaktionär Vivendi aus Frankreich einigen. Die beiden Parteien liegen juristisch im Streit um die Geschäftspolitik. Der Richter drang jüngst auf eine außergerichtliche Einigung.

Wenn es soweit ist, soll eine neue niederländische Holding über die europäischen Besitztümer von Mediaset wachen, wozu zum Beispiel eine Mehrheitsbeteiligung am großen spanischen Sender Telecinco gehört. Noch hält die Mediaset-Zentrale zehn Prozent von Pro Sieben Sat 1 und die spanische Tochter die restlichen fünf Prozent.

Im Gespräch erwähnt Finanzchef Giordani, Medieninhalte seien eine „lokale Sache“. Das sehe auch die Pro-Sieben-Gruppe so. Es gehe bei der angestrebten europäischen Fernseh-Allianz nicht um gemeinsame Produktionen, sondern vor allem um eine bessere Vermarktung: „Alle Anbieter in Europa haben das Problem, ihre hohe digitale Reichweite zu monetarisieren. Ein Zusammenspiel zwischen Unternehmen in Deutschland, Italien und Spanien kann da enorm helfen. Das treibt uns an.“

Womöglich hat die Strategen aus Mailand aber auch etwas ganz anderes motiviert: Dass die kursgeschwächte Pro-Sieben-Gruppe als idealer Übernahmekandidat nicht in die falschen Hände geraten soll. In amerikanische zum Beispiel.

Mehr: RTL und Pro Sieben Sat 1 gründen ein Unternehmen für personalisierte Fernsehwerbung. So wollen sie Werbegeld von Facebook und Amazon zurückholen.

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