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07.09.2021

12:28

Medienunternehmen

Bertelsmann bringt Callcenter-Tochter Majorel an die Börse

Von: Catrin Bialek

Der Börsengang ist bis Jahresende geplant. Das Gütersloher Familienunternehmen will strategischer Aktionär von Majorel bleiben.

Das Familienunternehmen will seine 50-prozentige Tochter Majorel an die Börse bringen.

Bertelsmann-Zentrale in Gütersloh

Das Familienunternehmen will seine 50-prozentige Tochter Majorel an die Börse bringen.

Düsseldorf Bertelsmann bringt seine Callcenter-Tochter Majorel in der zweiten Jahreshälfte 2021 an die Börse. Das hat das Gütersloher Familienunternehmen am Dienstagmorgen bekanntgegeben.

„Majorel hat sich seit seiner Gründung 2019 dynamisch entwickelt“, sagte Thomas Rabe, Vorstandsvorsitzender von Bertelsmann. Allein im ersten Halbjahr 2021 habe das Unternehmen beim Umsatz um 35 Prozent zugelegt.

„Bertelsmann bleibt auch nach der Privatplatzierung strategischer Aktionär von Majorel, zusammen mit dem Partner Saham“, sagte Rabe weiter. „Damit ist Majorel weiterhin fester Bestandteil unserer Global Services, die wir organisch und durch M&A deutlich ausbauen werden.“

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Standort erkennen

    Seinen Sitz hat Majorel in Luxemburg. Das Unternehmen entstand 2019 durch die Zusammenführung der Callcenter-Aktivitäten der Bertelsmann-Tochter Arvato und des marokkanischen Callcenter-Betreibers Saham Group. Mit der Saham-Gruppe verbindet Bertelsmann bereits seit 2004 eine unternehmerische Partnerschaft in französischsprachigen Ländern. Beide Partner halten je 50 Prozent an dem Gemeinschaftsunternehmen.

    Majorel betreibt Callcenter und Online-Kundenbetreuung für Unternehmen und ist mit mehr als 63.000 Mitarbeitern in 31 Ländern präsent, darunter 8000 in Deutschland.

    Umfangreiche Investitionen geplant

    Zum Start des Unternehmens Anfang 2019 hatte CEO Thomas Mackenbrock umfangreiche Investitionen angekündigt. So sollten in den kommenden Jahren „mehrere 100 Millionen Euro“ in die geografische Expansion und in digitale Fähigkeiten und Lösungen fließen – unter anderem in die Bereiche Analytics, Künstliche Intelligenz (KI) und Automatisierung.

    „Die Börsennotierung ist der nächste logische Schritt in der Entwicklung von Majorel und wird unsere Position als führender Akteur in der globalen CX-Branche weiter stärken“, meinte Mackenbrock am Dienstag.

    Im ersten Halbjahr steigerte das Unternehmen seinen Nettoumsatz auf 842 Millionen Euro, und der operative Gewinn (Ebitda) lag bei 154 Millionen Euro. Die Bewertung Majorels könnte Branchenexperten zufolge bei rund drei Milliarden Euro liegen.

    Im Bertelsmann-Konzern ist die Arvato-Gruppe mit der Ausgründung Majorel einer der stärksten Umsatzbringer. Das zeigte sich auch bei den jüngst vorgestellten Halbjahreszahlen.

    Grafik

    „Das erste Halbjahr 2021 ist für Bertelsmann sehr erfolgreich verlaufen. Insbesondere unsere drei großen Ertragssäulen, die RTL Group, Penguin Random House und Arvato, haben deutlich zugelegt“, sagte der Bertelsmann-Vorstandsvorsitzende Rabe vor einer Woche.

    Die Dienstleistungssparte Arvato, zu der Majorel gehört, hat mit einem Plus von 16,3 Prozent das stärkste Wachstum unter den acht Unternehmenssparten von Bertelsmann in den ersten sechs Monaten des Jahres 2021 hingelegt. Der Umsatz lag im ersten Halbjahr bei 2,4 Milliarden Euro. Arvato beschäftigt sich neben dem Betreiben von Callcentern auch mit Finanzdienstleistungen, IT-Diensten und Logistik.

    Erheblicher Kostendruck

    Dabei stach nach Angaben von CEO Rabe vor allem Majorel hervor. Das Unternehmen hat im ersten Halbjahr getrieben vom Geschäft mit globalen Kunden deutlich zugelegt.

    Gleichwohl besteht trotz der positiven Entwicklung auch für Majorel in der personalintensiven und durch schrumpfende Margen geprägten Callcenter-Branche erheblicher Kostendruck, vorangetrieben durch die digitale Transformation. Die Betreiber setzen immer mehr computergestützte Prozesse ein und können auf Mitarbeiter verzichten. In Deutschland gab der Callcenter-Betreiber seit Herbst vergangenen Jahres das Aus für mehrere Standorte bekannt.

    Insgesamt fußt die Bertelsmann-Strategie seit einem Umbau im Jahr 2016 auf acht Geschäftsfeldern: Neben Arvato, RTL und Gruner + Jahr sind das Penguin Random House, die Musiktochter BMG, Bertelsmann Education Group, Bertelsmann Printing Group und Bertelsmann Investments.

    Der Gesamtumsatz des 130.000 Mitarbeiter zählenden Unternehmens stieg in den ersten sechs Monaten des Jahres im Vergleich zum Vorjahr um 10,7 Prozent auf 8,7 Milliarden Euro. Das operative Ergebnis (Ebitda) erhöhte sich von knapp einer Milliarde auf 1,42 Milliarden Euro.

    Das Konzernergebnis lag im ersten Halbjahr bei 1,37 Milliarden Euro – laut Unternehmensangaben der höchste Wert seit dem Verkauf der AOL-Europe-Anteile im Jahr 2002. Für das Gesamtjahr wurde ein Konzernergebnis von knapp zwei Milliarden Euro in Aussicht gestellt.

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