Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

04.07.2021

15:51

Öffentlich-Rechtliche

Neuer Intendant, neue Impulse: Mit Norbert Himmler steht das ZDF vor einem inhaltlichen Umschwung

Von: Michael Raschke, Catrin Bialek

PremiumBei der Wahl setzt sich der Programmdirektor gegen WDR-Konkurrentin Tina Hassel durch. Mit jungen Angeboten will er den Sender beleben.

Himmler ist am Sendersitz in Mainz geboren und hat seine komplette bisherige Laufbahn beim ZDF absolviert. dpa

Norbert Himmler

Himmler ist am Sendersitz in Mainz geboren und hat seine komplette bisherige Laufbahn beim ZDF absolviert.

Düsseldorf Die berufliche Sozialisation von Norbert Himmler und Tina Hassel könnte, legt man die Stationen ihrer Tätigkeiten zugrunde, kaum ähnlicher verlaufen sein. Beide sind Kinder ihrer Sender: Himmler wurde beim ZDF groß, Hassel beim Westdeutschen Rundfunk.

Insofern mag am Ende auch der Heimvorteil Himmlers gegenüber Hassel den Ausschlag gegeben haben: Der 50-Jährige setzte sich bei der Wahl zum neuen ZDF-Intendanten durch – wobei Hassel zum dritten Wahlgang nicht mehr antrat.

Ohnehin galt Himmler, seit 2012 Programmdirektor des mittlerweile quotenstärksten deutschen TV-Senders, als Favorit für das Amt. Der Name Hassel war erst Ende Mai im Zusammenhang mit der Nachfolge Thomas Belluts, der im März 2022 nach zehn Jahren aus dem Amt scheidet, in der Öffentlichkeit aufgetaucht. Die 57-Jährige arbeitet seit 2015 als Leiterin des ARD-Hauptstadtstudios in Berlin sowie als Chefredakteurin Fernsehen.

Für die Wahl war eine Dreifünftelmehrheit im 60 Mitglieder starken Fernsehrat erforderlich. Im ersten Wahlgang stand es bei zwei Enthaltungen 34 zu 24 für Himmler, im zweiten schon knapper 32 zu 28. „Ich werde an dieser Stelle das Rennen beenden“, sagte Hassel – damit die Mitglieder für Himmler stimmen können. „Ich möchte im Sinne des öffentlich-rechtlichen Rundfunks und eines starken ZDFs, dass aus einer kleinen Mehrheit eine große Mehrheit wird.“

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Die vielen Stimmen für Hassel könnten auch als Fingerzeig gedeutet werden, das männerdominierte ZDF weiblicher aufzustellen – eine der vielen Herausforderungen, die auf Himmler in den kommenden Jahren seiner Amtszeit zukommen.

    Der aber hob nach der Wahl zunächst mal auf die jüngeren Zuschauer ab. Sie sind in den vergangenen Jahren dem öffentlich-rechtlichen Rundfunk in Scharen abhanden gekommen, Himmler aber sieht im Zuge der Coronakrise wieder ein verstärktes Interesse an den Angeboten des ZDF.

    Die vielen Stimmen für Hassel könnten auch als Fingerzeig gedeutet werden, das männerdominierte ZDF weiblicher aufzustellen. dpa

    Tina Hassel

    Die vielen Stimmen für Hassel könnten auch als Fingerzeig gedeutet werden, das männerdominierte ZDF weiblicher aufzustellen.

    Ohnehin hätten sich die Menschen in der Pandemie offenbar ihres Bedürfnisses nach unverfälschter Information erinnert. „Die Gesellschaft braucht uns“, glaubt Himmler, „sie sucht uns als objektivierende Institution.“

    Das hat der Journalist zuvor gemacht

    Himmler ist am Sendersitz in Mainz geboren und hat seine komplette bisherige Laufbahn beim ZDF absolviert. Er begann als freier Mitarbeiter in der „heute“-Redaktion, volontierte und wurde nach ersten Stationen 2002 Programmreferent des ZDF-Chefredakteurs und 2008 Leiter des Programmbereichs „Spielfilm“.

    Danach besetzte er weitere wichtige Posten im Spielfilmbereich, bis er 2012 Programmdirektor wurde. Das frühere ZDF-Flaggschiff „Wetten, dass..?“ wurde unter seiner Ägide eingestellt, der Spartensender ZDFneo aus der Taufe gehoben. Immer wieder gab es Angebote für Himmler, der in der Fernsehlandschaft als bestens vernetzt gilt.

    Sie hätten ihn gereizt, sagte Himmler vor der Wahl. Er blieb aber beim ZDF. Auch deshalb, weil er die Funktion des öffentlich-rechtlichen Rundfunks für die Gesellschaft und die Demokratie wichtig finde. „Ich brenne für dieses Haus“, sagte er.
    Seine vordringlichste Aufgabe wird aber in den kommenden Jahren einer thematischen Dauerbaustelle gelten: Was ist inhaltlich der künftige Auftrag der öffentlich-rechtlichen Sender? Diese Debatte wird seit Jahren geführt, und in der Realität schwanken ARD und ZDF zwischen Traumschiff im seichten Gewässer und journalistischen Formaten wie „Frontal 21“.

    Hinzu kommt: Wie positioniert sich der öffentlich-rechtliche Rundfunk, der jedes Jahr mit knapp acht Milliarden Euro Beitragszahlungen bedacht wird, in einer immer stärker von Streamingdiensten dominierten Welt? All das sind Aufgaben, die Himmler in den nächsten Jahren angehen muss.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×